Leder ohne Tierleid: Diese Stoffe sind echte Alternativen

Es gibt viele pflanzliche Materialien, die wie Leder aussehen und sich so anfühlen. Wir zeigen die veganen Alternativen aus Kork, Karton oder auch Ananas.

Veganes Leder: Diese pflanzlichen Stoffe sind echte Alternativen
Eine Lederjacke kann auch vegan sein. Foto: © SanneBerg / iStock / Thinkstock
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Schuhe, Taschen oder Jacken aus Leder sind besonders wegen ihrer Widerstandsfähigkeit beliebt, sowie wegen der Art und Weise, wie sie sich anfühlen. Doch echtes Leder ist ein tierisches Produkt und seine Herstellung sehr aufwendig.

Deutlich umwelt- und tierfreundlicher sind Lederimitate, die aber oft sehr künstlich wirken. Einige innovative vegane Stoffe gibt es allerdings bereits, die dem klassischen Leder vom Gefühl und der Robustheit her täuschend nahe kommen:

Vegane Gürtel, Jacken und Schuhe aus Kork tragen

Kork wird von der gleichnamigen Korkeiche gewonnen. Seine elastische Rinde wird alle 10 Jahre vom Baum gelöst und vielfältig verarbeitet. Den Bäumen, die es im ganzen Mittelmeerraum gibt, macht das nichts aus. Die weggeschnittene Rinde wächst einfach nach. 

Veganes Leder: Diese pflanzlichen Stoffe sind echte Alternativen

Sehen aus wie echtes Leder, sind aber deutlich nachhaltiger: Schuhe aus Kork. Foto: © Sorbas

Übrigens: Korkwälder tragen zur Biodiversität bei. Würden sie verschwinden, könnte das viele Arten gefährden.

Wo das natürliche Material für Weinverschlüsse grossenteils ausgedient hat, wird es seit einiger Zeit unter anderem für die Herstellung von veganem Leder entdeckt.

So werden bei bleed clothing etwa aus Kork stylische Gürtel und Jacken hergestellt, die wie echtes Leder daherkommen.

Veganes Leder: Diese pflanzlichen Stoffe sind echte Alternativen

Kork ist zwar viel leichter, aber trotzdem genauso robust wie Leder. Foto: © Bleed Clothing

Und das Unternehmen Sorbas produziert beispielsweise vegane Schuhe aus Kork, die ebenfalls von der Optik und Beständigkeit her echtem Leder sehr ähnlich sind.

Mit Taschen aus Ananas statt Leder schmücken

Ein Nebenprodukt philippinischer Ananasplantagen sind die Blätter des Baumes. Was bisher einfach entsorgt wurde, hat die Textilexpertin Dr. Carmen Hijosa als hochwertigen Rohstoff entdeckt.

Veganes Leder: Diese pflanzlichen Stoffe sind echte Alternativen

Aus Ananasblätter werden Taschen und Schuhe, die eine vegane Alternative zu echtem Leder bieten. Foto: © Piñatex®

Seit 2014 entstehen daraus Taschen, Schuhe oder auch Bezüge für Autositze in Lederoptik. Das dafür gegründete Label nannte Hijosa Piñatex®, zusammengesetzt aus den Worten piña, was Ananas bedeutet, und tex für Textilien.

Der aus Ananasblättern entstehende Stoff hat aber nicht nur eine Optik, die leicht mit echtem Leder verwechselt werden kann. Er ist auch atmungsaktiv sowie pflegeleicht und kompostierbar.

Selbst nähen mit veganem Leder aus Karton

SnapPap heisst eine spannende Erfindung, die zu 60 Prozent aus Zellulose sowie Latex und Farbstoffen besteht. Zunächst erinnert der Stoff etwas an Karton, dennoch lässt er sich mit der Maschine waschen und sogar im Tumbler trocknen. Je nach Verarbeitung und Farbe, ist er zudem echtem Leder sehr ähnlich. 

Veganes Leder: Diese pflanzlichen Stoffe sind echte Alternativen

Der Stoff aus Zellulose kann vielfältig verwendet werden. Mit dem passenden Druck wirkt er täuschend echt wie Leder. Foto: © SnapPap

Noch liefert der Hersteller nicht in die Schweiz. Allerdings haben Shops wie Urmelis Stoffwelt die veganen Leder-Arten von SnapPap im Sortiment.

Gerade bei DIY-Fans ist der pflanzliche Stoff seit seiner Erfindung ein echter Renner geworden. Denn er ist dünner als normales Leder und lässt sich deshalb in der Nähmaschine einfacher verarbeiten. Zudem lässt sich die vegane Alternative problemlos bemalen oder auch bedrucken. Durch das Bedrucken erhält er auch seine Lederoptik, mit der er echtem Leder zum Verwechseln ähnlich sieht.

Auch grosse Marken setzen auf veganes Leder

Im Schuhbereich haben etwa Puma, Adidas, Esprit und Dr. Martens Modelle aus alternativen Materialien im Programm, die sonst übliches Leder ersetzen. Handtaschen aus veganem Leder haben Modehäuser teilweise im Programm, darunter auch H&M oder Guess.

Aber aufpassen: Nicht immer bedeutet tierfrei auch nachhaltig. So gibt es unter anderem Stoff aus PET-Flaschen, der Leder ersetzt. Umweltfreundlich ist der aber nur, wenn er aus Recyclingmaterial besteht. Denn aus PET hergestelltes veganes Leder verbraucht weniger Energie als Kunstleder aus neu gewonnenen Rohstoffen. 

Gesund ist veganes Leder zudem auch nicht immer. Die Redaktion der Zeitschrift Ökotest hat dazu veganes Leder aus Kunststoff unter die Lupe genommen:

Handtaschen aus veganem Leder schneiden schlecht ab

2016 (Ausgabe 4/2016) gingen die Tester von Ökotest shoppen und kamen mit 15 veganen Handtaschen ins Labor zurück. Das Ergebnis war bedenklich, denn neun der Taschen wurden mit ungenügend, drei mit mangelhaft, eine mit ausreichend und nur zwei mit gerade mal befriedigend bewertet.

Gründe waren zugegebene Chemikalien. So enthielten alle veganen Handtaschen PAK-Chemikalien, die unter Verdacht stehen, Krebs zu erregen. Weiterhin wurde Allergien auslösendes Chrom in 4 Handtaschen nachgewiesen, ebenso wie Blei und Cadmium oder auch Antimon, welches Hautreizungen auslösen kann.

Beim Kauf von veganen Taschen, Jacken oder auch Schuhen gilt es deshalb nicht nur auf ein Label für tierfreie Produktion zu achten, sondern auch auf die Qualität. Riecht die Kleidung etwa giftig oder ist der Preis unrealistisch günstig? Dann sollten Sie das Kunstleder vielleicht besser im Laden lassen.

Quelle: snaply.de, urmeli.ch, ananas-anam.com, oekotest.de, deutschlandfunkkultur.de, bleed clothing

Autor: Jürgen Rösemeier-Buhmann