Schadstoffe in der Kleidung: Schick zu Lasten der Umwelt?

Beim Blick in den Spiegel möchte man sich gefallen. Doch wenn das schlechte Gewissen zurückschaut, verblasst die schönste Kleidung. Darin enthaltene Schadstoffe können die Umwelt und Menschen in den Produktionsländern hochgradig belasten. Was also kann man dagegen tun?

Nachhaltige Kleidung
In vielen Kleidungsstücken stecken zahlreiche Giftstoffe. Foto: © Carol_Anne / iStock / Thinkstock
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Öko und Mode, passt das zusammen? Manch einer denkt an unförmige Leinenkleider, Wollsocken und breite Sandalen. Ein Bild, das in die Mottenkiste der 1980er Jahre gehört - gibt es doch längst andere Möglichkeiten, Schadstoffe in der Kleidung zu vermeiden. Bio-Produkte liegen heute im Trend. Darauf setzen auch zunehmend Textilhersteller.

In der Schweiz haben Firmen wie Coop Naturaline, Hessnatur und Switcher Kollektionen entwickelt, die aus biologischem Anbau und fairem Handel stammen.

In Kleidung verstecken sich Schadstoffe

Bei den konventionellen Herstellern von Kleidung indes ist ein waches Auge erforderlich, wenn man Schadstoffe vermeiden möchte. Viele Textilien werden mit Hilfe von Chemikalien produziert oder behandelt. Darunter Schwermetalle wie Nickel, Pestizide, Formaldehyd, unzählige Farbstoffe, Phthalate sowie weitere schädliche Substanzen. Teils sind sie gesetzlich verboten oder unterliegen einem Grenzwert, teils aber auch nicht.

Im August 2011 machte die Umweltschutzorganisation Greenpeace auf die Folgen aufmerksam. Einige Unternehmen haben auf die Vorwürfe reagiert und Stoffen wie Nonylphenolethoxylat (NPE) abgeschworen. Greenpeace-Chemieexperte Manfred Santen berichtete von einem Trend zur sauberen Mode: «Immer mehr Textil-Unternehmen verpflichten sich zu einer Produktion, die nicht das Stigma der Umweltverschmutzung trägt». So versprach der Modekonzern H&M, gefährliche Chemikalien durch umweltfreundliche Alternativen zu ersetzen. Zuvor hatten bereits Adidas, Nike und Puma entsprechend reagiert.

Hat also das grosse Umdenken eingesetzt? Auf unsere Nachfrage hin bestätigte Santen «In Sachen Schadstoffe in der Kleidung hat sich in den vergangenen Jahren durchaus einiges getan. Vom Tisch ist das Thema jedoch noch lange nicht». Man könne nicht ganze Länder verurteilen. «Es sind eher die schwarzen Schafe unter den Herstellern. Und die finden sich in verschiedenen Ländern».

Stone-washed Jeans: Gefährliche Methode

Neben der Umwelt gefährden einige Herstellungsprozesse auch die Menschen, die daran beteiligt sein. Ein drastisches Beispiel sind Stone-washed-Jeans: Die manuelle Sandstrahltechnik wird eingesetzt, um den lässigen «Used-Look» zu erreichen. Dies ist die billigste Methode, weshalb sie gerade in den ärmeren Produktionsländern verbreitet ist. Dabei atmen die oft unzureichend geschützten Arbeiterinnen und Arbeiter hohe Konzentrationen von quarzhaltigem Staub ein. Die Folge ist die unheilbare Lungenkrankheit Silikose, die zum Tod führen kann.

Wie Stiftung Praktischer Umweltschutz Schweiz Pusch mit Sitz in Zürich berichtet, kündigten grosse Hersteller wie Levis und H&M bereits Ende 2010 an, sich von der umstrittenen Methode zu verabschieden. Denn es gibt durchaus alternative Möglichkeiten, zum Beispiel die Waschung mit Enzymen, die Behandlung mit Sandpapier oder den Waschgang mit Bimsstein.

Auch die Clean Clothes Campaign (CCC) zieht grosse Markenfirmen und Lieferanten in die Verantwortung. Das internationale Kampagnen-Netzwerk setzt sich für die faire und saubere Textilien-Produktion ein. Die CCC-Schweiz wird von der Erklärung von Bern (EvB) koordiniert.