So schmutzig ist die Produktion unserer Jeans

Sie ist aus unseren Kleiderschränken nicht wegzudenken: Die Jeanshose. Doch viele von uns wissen nicht, wie umweltschädlich und unfair der Jeansstoff produziert wird.

Bio-Jeans: Warum sie so viel besser ist
Foto: © Thomas_Zsebok_Images / iStock / Thinkstock
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Mit jedem neuen Modetrend kommt oft ein neues Kleidungsstück in unseren Schrank. Dieses Spiel kennen wir bestens von Jeanshosen. Dabei wäre gerade der Jeansstoff robust und langlebig.

43 Prozent von uns besitzen zwei bis fünf Paar Jeanshosen, 7 Prozent sogar mehr als 20. Dies ergab eine Umfrage von «20 Minuten». Heute kaufen wir 400 Prozent mehr Kleidung als noch vor 20 Jahren. Diese Steigerung im Kaufverhalten fordert eine schnelle und günstige Produktion in grossen Mengen, worunter vor allem unsere Umwelt leidet.

«Das Jeansgeschäft ist eines der schmutzigsten», heisst es auf der Internetseite der Marke «Bleed clothing», die bereits seit 2008 nachhaltige Kleider produziert. Und damit hat das Unternehmen nicht ganz Unrecht. Für die Herstellung der beliebten Hosen, Jacken und Accessoires aus Jeansstoff wird so einiges an Chemie in die Umwelt geschleudert, während für die Arbeiter oft menschenverachtende Bedingungenen herrschen.

Bio-Jeans: Warum sie so viel besser ist. Baumwollfelder werden mit Pestiziden behandelt.

Baumwollfelder werden mit Pestiziden behandelt. Foto: © Balefire9 / iStock / Getty Images Plus

Warum die normale Jeans so unfair und schädlich sein kann

Bei der Jeansproduktion wird es schon mal giftig, und das nicht zu knapp. Das beginnt schon beim Anbau der dafür gebrauchten Baumwolle. Kunstdünger, Pestizide und andere Umweltgifte kommen hier häufig in rauen Mengen zum Einsatz, um die Ernte voranzutreiben. So landen 10 Prozent der jährlich verwendeten Pestizide auf  Baumwollfeldern.

China und Indien allein produzieren jährlich 12 Milliarden Kilogramm Baumwolle, wobei 1 Kilogramm Baumwolle bei der Herstellung 10'000 Liter Wasser verbraucht.

Auch beim Veredeln der Jeans wird nicht mit Chemikalien gespart. Um den Stoff zu färben oder ihm beispielsweise den coolen Used-Look zu verpassen, landen so einige Giftstoffe in den Hosen. Nach dem Prozess werden diese Chemikalien ungefiltert in die Umwelt abgeleitet und landen im Grundwasser.

Deshalb findet die Produktion vieler Jeans auch nicht innerhalb Europas statt, sondern in Ländern, wo die Gesetze für den Naturschutz weniger streng sind. Laut UNO-Statistik produziert China am meisten Jeans, vor Pakistan, der Türkei, Indien, den USA, Italien oder Mexiko.

Die Arbeiter in den Fabriken hantieren also nicht nur mit grossen Mengen an Schadstoffen. Sie tun dies auch in vielen Fällen schlecht oder gar nicht geschützt. Die Arbeiter atmen zum Beispiel quarzhaltigen Feinstaub ein, an dem sie erkranken und folglich an der unheilbaren Silikose sterben können.

Und von fairen Löhnen sind die Arbeiter hier, wie in anderen Bereichen der Textilindustrie, meist weit entfernt. Eine Näherin in Bangladesch verdient rund 70 Franken pro Monat, bei Arbeitszeiten von 14 Stunden pro Tag an 6 Tagen der Woche, wie David Hachfeld von der entwicklungspolitischen Organisation «Public Eye» gegenüber dem «Tagblatt» sagt.

Dabei muss es übrigens keine Rolle spielen, ob Sie zur No-Name-Jeans im Schnäppchenmarkt oder zu einer richtig teuren Markenjeans im Designerladen greifen. Denn teilweise kommen diese ungleichen Paare aus ähnlicher Produktion.

Was bei fairen und Bio-Jeans anders ist

Um nachhaltige und faire Baumwolle zu erzeugen, werden schädlingsresistentere Baumwollarten verwendet und der Anbau wird in passendere Anbauregionen versetzt. Dadurch können 60 – 80 Prozent der normalerweise eingesetzten Pestizide reduziert und 70 Prozent des Wasserverbrauchs gespart werden.

Bio-Jeans: Warum sie so viel besser ist: Baumwollfelder bereit zum Ernten.

Ein Baumwollfeld bereit für die Ernte. Foto: © dszc / E+

Bei der Baumwolle von Bio-Jeans beginnt der Umweltschutz bereits beim Saatgut. Dieses wird weder genmanipuliert noch chemisch behandelt.

Des Weiteren bedeutet das «bio» auf der Jeans, dass für die Aufzucht der verwendeten Baumwolle keinerlei Pestizide genutzt werden. Schädlinge werden stattdessen mit natürlichen Duftlockstoffen bekämpft und der Acker mit der Hacke und nicht mit Sprays vom Unkraut freigehalten.

Bio-Jeans: Warum sie so viel besser ist: Schonende Lasertechnik für den Used-Look der Jeans.

Schonende Lasertechnik statt Chemikalien für den abgewetzten Look. Foto: © andresr / iStock / Getty Images Plus

Auch im weiteren Produktionsprozess vermeidet die Herstellung der Bio-Jeans nach Möglichkeit Chemikalien, zum Beispiel durch umweltfreundliches Färben, durch natürliche Methoden zur Farberhaltung oder durch Veredelung mit schonender Lasertechnik. Auf diese Weise wird zusätzlich auch eine Menge an Wasser gespart, da keine giftigen Chemikalien ausgespült werden müssen.

Fair ist die Jeans zudem, wenn die Hersteller auf gerechte Löhne und vernünftige Arbeitszeiten achten. Die sonst häufig vorkommende Kinderarbeit dulden faire Produktionen nicht.

So erkennen Sie ökologische Labels

Bio-Baumwolle, die ökologisch angebaut und gewonnen wird, erhält den Zusatz «kbA», kontrolliert biologischer Anbau. Überprüft wird der umwelt- und arbeiterfreundliche Anbau durch unabhängige Institute. Noch besser ist die Zertifizierung nach GOTS-Richtlinien, die der Konsument an einem grünen Kreis erkennt, in dem sich ein weisses Hemd befindet.

Greenpeace hat die acht wichtigsten Öko-Textillabel anhand der Kriterien Chemikaliennutzung, Recycling und Arbeiterrechte bewertet. Dabei haben der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN Best), der «Global Organic Textile Standard» (GOTS) und «Made in green» von Oeko-Tex die höchsten Anforderungen erfüllt.

Das weit verbreitete Siegel «Oeko-Tex 100» hingegen garantiert zum Beispiel nur ein Endprodukt ohne Schadstoffe, während der Einsatz von Chemie bei der Produktion keine Rolle spielt.

Firmeneigene Öko-Siegel sind laut Greenpeace oft nur ein Vorwand zum gut dastehen. So werden einzelne Kollektionen zum Beispiel von H&M, C&A oder Zara unter strengen Vorschriften hergestellt und stark beworben, während der Rest des Sortiments herkömmlich produziert wird. «Die Bekleidungs-Branche wirbt mit eigenen Öko-Programmen, Nachhaltigkeit und Recycling, verschmutzt aber die Umwelt wie kaum eine andere,» sagt Kirsten Brodde, Textil-Expertin von Greenpeace.

Was Sie für Ihre Jeans tun können

Wenn Sie sich einen neue Jeans kaufen, achten Sie dabei auf ein nachhaltiges Label mit transparenter und umweltfreundlicher Produktionskette. Mithilfe der Webseite «Rank a brand» oder der App «Not my style» finden Sie heraus, bei welchen Modehäusern Sie nachhaltig einkaufen und wo sich Ihr Lieblingsladen einordnet.

Damit Sie nicht zu oft eine neue Jeans kaufen müssen, waschen Sie sie so selten wie möglich. Beim Waschen hilft es ebenfalls, die Jeans umzudrehen, mit kaltem Wasser von Hand zu spülen und an der frischen Luft zu trocknen.

Tipp: Ist die Jeans eigentlich gar nicht dreckig, riecht aber ein wenig? Dafür reicht es, wenn Sie die Jeans entweder im Bad während dem Duschen aufhängen, wobei der Dampf die Gerüche entfernt, oder Sie legen sie für ein paar Stunden ins Gefrierfach. Letzteres ein Tipp von Levi’s-Chef Chip Bergh höchstpersönlich.

Wenn Sie eine Jeans wirklich nicht mehr tragen wollen, bringen Sie sie auf einen Flohmarkt, in einen Second-Hand-Shop oder geben Sie sie anderweitig weiter. Falls die Jeans doch zu ausgewaschen oder kaputt ist, können Sie den Stoff immer noch recyceln und zum Beispiel einen Stoffbeutel oder ein Portemonnaie machen.

Welche Jeans-Marken auf eine nachhaltige Produktion achten

Die oben genannte Firma Bleed clothing hat beispielsweise einen eigenen Online-Shop der Damen- und Herrenmode in alle Welt schickt. Bio-Jeans von Bleed sind auch in Schweizer Geschäften und online, wie etwa auf Naturfaser.ch, erhältlich.

Weitere Marken, die Bio-Jeans in der Schweiz verkaufen oder hierher versenden, sind Armedangels, Kings of Indigo (nutzen teilweise Recycling-Stoffe), SEY – premium organic denim (nur für Frauen), Kuyichi (nutzen teilweise Recycling-Anteil) oder Nudie Jeans (nur für Männer).

Zudem bietet der Onlineshop Hessnatur.com eine breite Auswahl an Bio-Jeans für Frauen, Männer und Kinder, ebenso wie Vivanda-Versand.ch (Männer- und Frauen-Bio-Jeans). Und auch Detailhändler wie Coop haben den Bio-Modemarkt entdeckt und bieten Bio-Jeans im Rahmen ihres Naturaline-Sortiments.

Wo Sie in der Schweiz sonst noch Fair Fashion einkaufen können, lesen Sie hier.

Viele der fairen und Bio-Jeans werden in Europa gefertigt. Und teurer als konventionelle Modelle müssen sie auch nicht unbedingt sein. Denn so manche schmutzig hergestellte Marken-Jeans kostet deutlich mehr.

Quellen: Landenzeile, Umweltdialog, Greenpeace, Watson, Tagblatt

Autor: Jürgen Rösemeier-Buhmann, Michelle Kägi, aktualisiert Oktober 2018