PFAS in Outdoor- und Regenjacken: worauf du in der Schweiz achten solltest Theresa Keller Eine Regenjacke soll trocken halten, Wind abfangen und im besten Fall viele Jahre halten. Gleichzeitig taucht beim Kauf immer öfter die Frage auf, ob in einer PFAS Outdoorjacke oder PFAS Regenjacke problematische Chemikalien stecken. Wenn du in der Schweiz eine neue Jacke suchst, hilft dir dieser Artikel dabei, Begriffe einzuordnen, echte Risiken besser zu verstehen und eine sinnvolle, möglichst schadstoffarme Wahl zu treffen. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Nicht jede Regenjacke braucht maximale Chemie-Ausrüstung – oft reicht weniger Performance im Alltag. © Gemini / Google Warum PFAS in Outdoor-Kleidung so verbreitet waren PFAS ist ein Sammelbegriff für sehr viele künstlich hergestellte Stoffe, die Wasser, Schmutz und teilweise auch Fett besonders gut abweisen. Genau diese Eigenschaften haben PFAS für die Outdoor-Branche lange attraktiv gemacht. Wer eine Jacke verkaufen will, die bei Dauerregen dicht bleibt, Schlammspritzer schlecht annimmt und nach vielen Einsätzen noch «funktioniert», greift technisch gern zu solchen Chemikalien. Besonders verbreitet waren PFAS bei Regen- und Outdoorjacken dort, wo eine Oberfläche dauerhaft wasserabweisend gemacht werden sollte. Solche Ausrüstungen sorgen dafür, dass Wasser nicht sofort in den Stoff einzieht, sondern abperlt. Dazu kommen bestimmte Hochleistungs-Materialien und ältere Membran-Systeme, bei denen fluorhaltige Bausteine eine Rolle spielten. Der Begriff PFC Regenjacke taucht deshalb bis heute auf, auch wenn heute häufiger von PFAS gesprochen wird. PFC war früher vor allem ein Marketing- und Sammelbegriff für fluorierte Chemikalien in Outdoor-Textilien; fachlich ist PFAS breiter und präziser. Beschichtung, Membran, Imprägnierung: was ist der Unterschied? Diese Begriffe werden im Alltag oft vermischt, meinen aber nicht dasselbe. Die Imprägnierung ist meist die äussere Ausrüstung des Oberstoffs. Sie soll bewirken, dass Regentropfen abperlen. Wenn diese Schicht nachlässt, wird der Stoff schneller nass an der Oberfläche, auch wenn die Jacke darunter noch dicht sein kann. Eine Membran sitzt meist tiefer im Materialaufbau. Sie ist der Teil, der Wasser von aussen abhalten und gleichzeitig Wasserdampf aus dem Inneren durchlassen soll. Das ist entscheidend für den Schutz bei längerer Nässe und für das Tragegefühl. Eine Beschichtung ist eine aufgetragene Schicht auf einem Textil. Sie kann wasserdicht machen, Wind abhalten oder die Stabilität verbessern. Eine Jacke kann also PFAS in der Imprägnierung, in einzelnen Materialbestandteilen oder gar nicht enthalten. Genau deshalb lohnt es sich, bei Herstellerangaben genauer hinzuschauen. Warum PFAS problematisch sind Der Hauptgrund für die Sorge ist nicht, dass du beim kurzen Tragen einer Jacke automatisch krank wirst. Problematisch ist vor allem, dass viele PFAS in der Umwelt extrem langlebig sind. Sie bauen sich sehr langsam ab, können sich in Wasser, Böden und Lebewesen verteilen und sind deshalb langfristig schwer kontrollierbar. Aus der Forschung ist bekannt, dass verschiedene PFAS mit gesundheitlichen Effekten in Verbindung gebracht werden, etwa mit Veränderungen im Fettstoffwechsel, der Leber, dem Immunsystem oder der hormonellen Regulation. Dabei gilt aber auch: PFAS ist keine einzelne Substanz, und nicht jede Verbindung ist gleich gut untersucht. Seriös ist deshalb weder Verharmlosung noch Panik. Für Verbraucher:innen bedeutet das vor allem: Es ist sinnvoll, vermeidbare Einträge zu reduzieren, besonders dort, wo gute Alternativen verfügbar sind. Bei PFAS in Kleidung ist der wichtigste Punkt oft nicht die akute Belastung beim Tragen, sondern die Summe aus Herstellung, Nutzung, Abrieb, Waschen und Entsorgung. Gerade bei Alltagsprodukten, die sich technisch auch anders lösen lassen, wächst deshalb der Druck auf die Branche, fluorfreie Alternativen einzusetzen. Was gilt in der Schweiz und in Europa? In der Schweiz und in Europa hat sich in den letzten Jahren viel bewegt. Einzelne bekannte PFAS sind bereits streng reguliert, und für weitere Stoffgruppen laufen Verschärfungen. Gleichzeitig steigt der politische Druck, PFAS in Alltagsprodukten stärker einzuschränken. Für Textilien bedeutet das: Hersteller müssen sich auf strengere Anforderungen einstellen, und viele Marken stellen ihre Kollektionen schrittweise um. Für dich als Käufer:in heisst das aber nicht automatisch, dass schon jede neue Jacke PFAS-frei ist. Im Handel gibt es weiterhin Restbestände, uneinheitliche Deklarationen und Marketingbegriffe, die mehr versprechen als sie erklären. Zudem zeigen Untersuchungen von Behörden und Fachstellen immer wieder, dass chemische Belastungen in Textilien je nach Produktkategorie, Preisniveau und Transparenz der Hersteller stark variieren können. Wer in der Schweiz einkauft, profitiert zwar von einem wachsenden Angebot an Alternativen, sollte Werbeaussagen aber trotzdem kritisch lesen. Welche Jacken besonders kritisch sein können Nicht jede Regenjacke ist gleich verdächtig. Kritischer sind oft Produkte, bei denen eine besonders starke und langanhaltende Wasser-, Schmutz- und teils auch Ölabweisung beworben wird. Je extremer das Leistungsversprechen, desto eher wurden oder werden fluorhaltige Chemikalien eingesetzt. High-Performance-Hardshells für alpinen Einsatz, Expeditionen oder sehr intensive Touren waren lange besonders häufig betroffen, weil dort maximale Dauerleistung gefragt war. Jacken mit starkem Abperleffekt und aggressiven Schlagworten wie «permanent water repellent» oder «extreme stain resistance» verdienen einen genaueren Blick. Billige No-Name-Ware ist nicht automatisch schlechter, aber oft weniger transparent. Wenn klare Materialangaben und belastbare Nachweise fehlen, ist eine Einschätzung schwierig. Kinder-Regenkleidung und Alltagsjacken brauchen in der Regel keine extreme Outdoor-Chemie. Gerade hier sind fluorfreie Lösungen heute oft gut machbar. Wichtig ist: Eine teure Markenjacke ist nicht automatisch sauber, und eine günstigere Jacke nicht automatisch problematisch. Entscheidend ist, wie offen ein Hersteller über Membran, Oberstoff und wasserabweisende Ausrüstung informiert. Sind PFC-frei und PFAS-frei dasselbe? Nicht ganz. «PFC-frei» wurde lange als Hinweis verwendet, dass bestimmte fluorierte Chemikalien nicht eingesetzt wurden. Der Begriff ist aber unscharf, weil er technisch und regulatorisch nicht immer einheitlich verwendet wird. «PFAS-frei» ist klarer, sofern der Hersteller wirklich offenlegt, was damit gemeint ist. In der Praxis solltest du vorsichtig sein, wenn nur mit einem knappen «PFC-free» geworben wird, aber keine weiteren Informationen zur Imprägnierung, Membran oder zu eingesetzten Chemikalien folgen. Verlässlicher sind Aussagen, die konkret benennen, dass keine absichtlich zugesetzten PFAS verwendet wurden und die idealerweise durch Prüfsysteme oder nachvollziehbare Chemikalienrichtlinien ergänzt werden. So kaufst du eine möglichst PFAS-arme Regenjacke Die wichtigste Frage ist oft nicht: «Welche Jacke ist perfekt?», sondern: Welche Jacke brauche ich wirklich? Für den Alltag in der Stadt, den Schulweg, das Velo oder einfache Wanderungen reicht häufig eine deutlich einfachere Konstruktion als für mehrtägige Hochtouren. Je realistischer du deinen Bedarf einschätzt, desto leichter findest du eine wasserabweisende Jacke ohne PFAS oder zumindest eine deutlich bessere Alternative. Wenn du eine Outdoorjacke schadstoffarm kaufen möchtest, hilft dir diese kurze Checkliste: Suche nach klaren Aussagen: Steht dort explizit «ohne absichtlich zugesetzte PFAS» oder nur ein vager Werbesatz? Prüfe die Einsatzfrage: Brauchst du wirklich eine technische Hardshell oder genügt eine einfache Regenjacke für Alltag und Freizeit? Achte auf Transparenz: Gute Marken erklären Membran, Oberstoff und Imprägnierung getrennt. Bevorzuge reparierbare Qualität: Eine langlebige Jacke, die du nachimprägnieren und flicken kannst, ist meist nachhaltiger als häufige Neukäufe. Sei kritisch bei Extremversprechen: Sehr starke Schmutz- und Öl-Abweisung ist im Alltag oft unnötig und kann ein Warnsignal sein. Pflege die Jacke richtig: Schonendes Waschen nach Anleitung und fluorfreie Nachimprägnierung können die Nutzungsdauer verlängern. Welche Angaben und Siegel helfen weiter? Einige Labels und Systeme können bei der Einordnung helfen, ersetzen aber nicht den genauen Blick. Wenn du dich zu PFAS Schweiz Textilien informierst, wirst du oft auf Prüfzeichen stossen. Sie sind nützlich, aber nicht alle sagen dasselbe aus. OEKO-TEX STANDARD 100 prüft Textilien auf verschiedene Schadstoffe und kann ein guter Baustein sein. MADE IN GREEN ergänzt Aspekte von Rückverfolgbarkeit und Produktionsbedingungen. bluesign ist vor allem als System für Chemikalien- und Prozessmanagement relevant und kann hilfreich sein, wenn ein Hersteller transparent erklärt, wie es konkret angewendet wird. Keines dieser Zeichen allein beweist automatisch, dass eine Jacke komplett PFAS-frei ist. Sie sind eher ein Hinweis darauf, dass Chemikalienmanagement ernster genommen wird als bei völlig intransparenten Produkten. Wirklich hilfreich sind Herstellerangaben dann, wenn sie nicht nur ein Logo zeigen, sondern offenlegen, welche DWR-Ausrüstung genutzt wird, ob die Membran fluorhaltige Bestandteile enthält und wie mit problematischen Stoffgruppen umgegangen wird. Wenn diese Informationen fehlen, bleibt ein Rest an Unsicherheit. Wann du besser auf weniger «Performance» setzt Viele Menschen kaufen eine Jacke für Situationen, die im Alltag kaum vorkommen: stundenlanger Starkregen im Hochgebirge, kalter Sturm über der Baumgrenze oder tagelange Nässe ohne Trocknungsmöglichkeit. Für den normalen Stadtalltag, kurze Wege oder leichte Wanderungen reicht oft ein einfacher, gut geschnittener Regenschutz. Weniger «Performance» kann mehr Nachhaltigkeit bedeuten: weniger Chemie, weniger Materialmix, oft bessere Reparierbarkeit und meist auch ein angenehmeres Preis-Leistungs-Verhältnis. Wenn du nur selten unter Extrembedingungen unterwegs bist, ist eine schlichtere Lösung oft die vernünftigere Wahl. FAQ Sind Gore-Tex-Jacken automatisch problematisch? Automatisch nein. Aber viele klassische Hochleistungsjacken dieser Art waren historisch eng mit fluorhaltigen Materialien oder Ausrüstungen verbunden. Heute verändert sich der Markt, und einzelne Hersteller stellen Komponenten um. Entscheidend ist daher nicht nur der Markenname, sondern die konkrete Produktgeneration und die transparente Materialbeschreibung. Kann ich PFAS aus einer Jacke auswaschen? Nein, jedenfalls nicht zuverlässig so, dass die Jacke danach «sauber» wäre. Durch Waschen können sich einzelne Stoffe oder Rückstände teilweise lösen, aber PFAS-haltige Ausrüstungen oder Materialbestandteile verschwinden dadurch nicht einfach. Häufiges Waschen kann die Funktion eher verschlechtern und unter Umständen zusätzliche Einträge ins Abwasser verursachen. Ist eine PFAS-freie Regenjacke immer die beste Wahl? Für viele Alltagsanwendungen ja, besonders wenn sie gut verarbeitet und passend für deinen Bedarf ist. Für sehr anspruchsvolle Einsätze kann die Auswahl enger sein. Dann lohnt sich ein bewusster Kompromiss: lieber eine langlebige, reparierbare Jacke mit maximaler Transparenz als ein impulsiver Fehlkauf. Wie erkenne ich Greenwashing? Typisch sind unklare Kurzbegriffe, fehlende Details, viel Naturbildsprache und kaum technische Informationen. Wenn eine Marke gross «nachhaltig» schreibt, aber nicht erklärt, wie Imprägnierung, Membran und Chemikalienmanagement konkret gelöst sind, solltest du skeptisch bleiben. Was ist am wichtigsten beim Kauf? Am meisten bringt meist diese Reihenfolge: realistischen Bedarf klären, transparente Produkte bevorzugen, fluorfreie oder klar PFAS-arme Lösungen wählen, auf Haltbarkeit achten und die Jacke lange nutzen. So reduzierst du Umweltbelastung oft stärker, als wenn du nur auf ein einzelnes Werbewort achtest.