Patrick Hohmann: «Am Anfang war es ein Experiment»

Promo – Trotz aller Rückschläge glaubte er an seine Vision: Wie Patrick Hohmann, der Schweizer Biobaumwoll-Pionier, den globalen Textilhandel zum Besseren verändert hat.

Patrick Hohmann
Patrick Hohmann zu Besuch bei den Biobaumwollbauern in Tansania.
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Die Geschichte, wie Tatendrang trotz aller Widerstände zu einem fast unglaublichen Erfolg führen kann, beginnt Ende der 80er Jahre. Patrick Hohmann, 1950 in Ägypten geboren, im Sudan und der Schweiz aufgewachsen, ist Textilingenieur und Garnhändler. Ihm gehört die Firma Remei AG in Rotkreuz, die sich einen Namen im Baumwollhandel gemacht hat. Die Geschäfte laufen gut – und trotzdem werden sie sich bald radikal ändern.

«Während einer Reise nach Indien fragte ich einen Bauern, wie es ihm mit dem Baumwollanbau geht und wie viel er verdient», erzählt Hohmann. Der Schweizer Geschäftsmann hört, dass das Einkommen der Baumwollbauern nicht zum Leben reicht. Die Beschaffung von Pestiziden frisst den Grossteil der mageren Einnahmen.

 «Das liess mich nicht mehr los. Ich wollte eine Anbaumethode finden, die ökologisch und sozial vertretbar ist», erzählt er.

Nachhaltiges Handeln beginnt mit dem inneren Antrieb, dem Drang, etwas zu verändern: TATENDRANG. Unter «Taten statt Worte» fasst Coop ihr Nachhaltigkeits-Engagement mit knapp 400 Taten zusammen und engagiert sich seit über 30 Jahren für Mensch, Tier und Natur.

Eine Ernte, die im Desaster endet

Biobaumwolle will Hohmann anpflanzen. Was sich so einfach anhört, ist ein Abenteuer. Noch spricht kaum einer von Nachhaltigkeit, Bio-Unternehmer gelten als Träumer, als Exoten. Und trotzdem: Patrick Hohmann will es wagen. «Es musste einen Weg geben», sagt er.

1991 gründet Hohmann zusammen mit lokalen Partnern die «bioRe India», kurz darauf die «bioRe Tansania». «Am Anfang war es eher ein Experiment, ein Hobby», sagt er. Ein Hobby, das mit Rückschlägen verbunden ist. Der erste Versuch ein Baumwollfeld biologisch anzusäen, endet im Desaster. «Alles war kaputt. Die ganze Ernte», erzählt Hohmann.

Biobaumwoll-Ernte in Indien. Foto © rvimages/ E+

Der zweite Feldversuch verläuft besser, man schafft es tatsächlich einige Tonnen Biobaumwolle zu ernten. Aber der Markt reagiert gleichgültig, der Bio-Pionier wird belächelt. «Kaum jemand wollte von uns kaufen», so Hohmann.

Die Partnerschaft mit Coop ist der Durchbruch

Doch dann kommt die Wende. Mit Coop. «Sie riefen mich an, hatten in der Zeitung von uns gelesen und fragten nach Biobaumwolle. Zuerst dachte ich: kommt das gut? Die sind gross und wir sind klein», so Hohmann. Er fährt gemeinsam mit dem Projektleiter von Coop nach Indien, zeigt ihm alles. Es kommt zum Handschlag. 1995 lanciert Coop die Eigenmarke Naturaline für Textilien aus 100 Prozent Bio-Baumwolle. Die Partnerschaft ist der Durchbruch für Hohmanns Idee, die bis heute das Leben von fast 5000 Baumwollbauern und ihren Familien verändert hat und Remei zum Weltmarktführer werden liess.

«Ohne die Marke Naturaline wäre dieses Ausmass an biologisch produzierter Baumwolle und Textilien nie möglich gewesen. Das gilt auch für die Entwicklung von gentechfreiem Saatgut für Indien und für weitere Projekte, an denen Coop beteiligt war und ist», sagt Hohmann.

Gemeinsam gründen die Detailhändlerin und Remei 1997 die «bioRe»-Stiftung. Während Remei für den Baumwollhandel sowie die Herstellung von Textilien zuständig ist und den Bauern den Rohstoff zu einem fairen Preis abkauft, kümmert sich die «bioRe»-Stiftung in den Anbauländern um den Aufbau der Infrastruktur und um soziale Themen wie Ausbildung, Gesundheitsversorgung oder Ernährung. Ausserdem fördert sie die biologische Landwirtschaft und betreibt Saatgutforschung.

Bio ist der Weg in die Zukunft – und hat ihren Preis

Die erfolgreiche Allianz von Coop und Remei sorgt für Aufsehen. Auch international. Beim Klima-Gipfel in Johannesburg 2002 erhalten die beiden Unternehmen den Preis für nachhaltige Entwicklung von Partnerschaften vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen und der Internationalen Handelskammer. «Natürlich ist man stolz, wenn man so einen Preis kriegt», sagt Hohmann. «Aber die wahre Anerkennung, die kriegt man im Alltag. Von den Menschen mit denen man arbeitet.»

Für Hohmann ist klar: Bio ist der Weg in die Zukunft. Den will er weitergehen - mit aller Konsequenz. 2004 beschliesst der Remei-Verwaltungsrat, den Handel mit konventionell erzeugten Garnen aufzugeben und sich auf Biobaumwolle zu konzentrieren. «Ein hirnrissiger Entscheid, aber der einzig richtige», sagt Hohmann.  

Von «einem Zug, der aufs Abstellgleis fährt», sei man «auf einen Zug in die Zukunft» gewechselt, so Hohmann. Das hat seinen Preis. Der Umsatz fällt von einem Jahr aufs nächste von 40 auf 20 Millionen Franken. 

«Doch, du kannst. Zieh es durch»

«Natürlich dachte ich auch ab und zu: Ich kann nicht mehr, ich habe genug», erklärt Hohmann. «Aber da war ja einerseits meine Partner von Coop, die sagten: "Doch, du kannst. Zieh es durch". Und andererseits auch die Bauern, die mir zeigten, dass unserer Arbeit zu wertvoll war, um aufzugeben.”

Hohmann macht weiter. Remei setzt Meilenstein um Meilenstein. Unter der Marke «bioRe» realisiert Remei heute CO2-neutral produzierte Textilsortimente in einer transparenten Lieferkette für internationale Handelspartner und Marken. Alle bioRe-Textilien werden nach höchsten Standards produziert und sind online bis zum Anbau der Biobaumwolle rückverfolgbar. Eine einzigartige Verbindung von den Bauern bis zu den Konsumenten.    

Patrick Hohmanns Tatendrang hat den globalen Textilhandel ein Stück verändert. Auch wenn der Schweizer Bio-Pionier das Wort Pionier nicht mag. «Biobaumwolle ist ein Miteinander. Erfolg entsteht nur im Gleichgewicht zwischen Respekt vor den Menschen und der Natur», sagt er.

Fotos © zVg Coop

Dieser Artikel entstand mit Unterstützung der Coop-Nachhaltigkeitsinitiative «Taten statt Worte». Mit der Einführung der Eigenmarke Coop Naturaline für Textilien gehört Coop zu den Pionieren, die in den 1990er-Jahren Kleider aus Bio-Baumwolle ins Sortiment aufnahmen. Coop Naturaline gehört heute zu jenen Marken mit den höchsten Standards.

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