Weniger ist mehr: Was in Naturmode alles nicht drin steckt

Für Kleidung müssen schon mal Schafe in Pestiziden baden oder auch Baumwoll-Samen genetisch verändert werden. Was mit Naturmode alles nicht gemacht wird und wie das die Umwelt, Tiere, aber auch unsere Gesundheit schont.

Naturmode aus Bio-Baumwolle, Öko-Seide und -Wolle und was das für die Herkunft heisst
Foto: © JANIFEST / iStock / Thinkstock
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Naturmode birgt viele Vorteile und das negative Image vergangener Tage hat sie längst abgelegt. Denn Öko-Kleidung entsteht durch sorgsamen Umgang mit der Natur sowie deren Ressourcen und bietet den Konsumenten die Sicherheit, dass bei der Produktion nicht mit umwelt- und gesundheitsgefährdenden Chemikalien hantiert wird.

Bio-Baumwolle: Chemiefrei und weniger durstig

Eine der beliebtesten Stoffe in der Bekleidungsindustrie ist mit 45 Prozent Marktanteil Baumwolle. Für Naturmode wird hier Bio-Baumwolle eingesetzt, die heute nicht mehr nur vom kleinen Ökodesigner, sondern auch von grossen Modehäusern und Konzernen verarbeitet wird.

Hat Baumwolle eine wirklich nachhaltige Herkunft, trägt sie in der Regel eine der geschützten Bezeichnung wie «aus kontrolliert biologischem Anbau», kurz kbA.

Das «Bio» an der Baumwolle beginnt dann bei der Herkunft der Samen, die nicht mit Gentechnik in Berührung kommen dürfen. Die Pflanzen werden zudem nicht mit chemischen Düngern angereichert, was die Umwelt schont sowie die Bodenqualität verbessert. Zudem wird dadurch der Wasserbedarf der Baumwolle gesenkt, da die naturbelassene Erde das Wasser besser speichern kann.

Wie hoch der Wasserbedarf für Baumwolle sein kann, zeigt der Beitrag «Ganz schön durstig: Unglaublicher Wasserverbrauch für Jeans.»

Bio-Wolle stammt aus tierfreundlicher Haltung

Bio-Wolle ist leicht, wärmespeichernd sowie schmutz- und feuchtigkeitsabweisend. Die am meisten verarbeitete Bio-Wolle stammt von Schafen. Edle Varianten sind vom Kamel, Alpaka oder von der Angoraziege. Die wärmste Wolle kommt vom Yak aus der Mongolei.

Ökologisch hergestellt heisst bei Wolle vorwiegend tierfreundlich. Die Textilie ist dann aus kontrollierter, biologischer Tierhaltung, in der ohne Chemikalien gearbeitet wird. Ganz anders als in der konventionellen Zucht, wo Schafe in Insektiziden gebadet werden. So reichern sie sich in der Wolle an und können damit nicht nur dem Tier und der Umwelt, sondern unter Umständen auch dem späteren Träger der Kleidung schaden.

Auch auf das barbarische anmutende Mulesing, bei dem man Merino-Schafen ohne Betäubung tellergrosse Hautstücke entfernt, wird bei zertifizierter Bio-Wolle verzichtet.

Kleider aus Hanf: Von Natur aus umweltfreundlich

Früher war der THC-freie, also nicht berauschende, Hanf vor allem bei Seilmachern beliebt. Doch die Hanffaser eignet sich auch hervorragend für die Herstellung meist edel wirkender Stoffe.

Für den hohen Anspruch der Naturmode-Hersteller ist Hanf ideal. Von Natur aus benötigt der Hanfbauer keine Insekten- und Pflanzenschutzmittel, da die Pflanze weder krankheitsanfällig ist noch Fressfeinde kennt. Und die Hanfpflanze ist alles andere als durstig. Ihr Wasserbedarf liegt weiter unter dem von Baumwolle.

Wild- und Öko-Seide: Edle Naturmode aus dem Kokon

In der konventionellen Seidegewinnung kommt es oft zu Monokulturen, die mit Kunstdünger und Pestiziden versetzt werden. Auch gehört der Einsatz von Hormonen sowie Antibiotika zu gängigen Hilfsmitteln. Bei der Verarbeitung von Seide wird ebenfalls nicht an Chemikalien gespart.

Zertifizierte Bio- oder Öko-Seide stammt dagegen aus kontrolliert Tierhaltung, in der die Seiden-Raupen nur pestizidfreie Pflanzen fressen. Zudem wird die Naturmode hier ohne schädliche Materialien verarbeitet.

Besonders nachhaltig ist Wildseide. Sie wird von wildlebenden Insekten gesammelt, und zwar erst nach deren Schlüpfen aus dem Kokon. Wildseide ergibt allerdings keine so perfekte Faser, da sie Knötchen und Unregelmässigkeiten enthalten kann. Wildseide wird auch vegetarische Seide genannt, da für ihre Gewinnung keine Raupe sterben musste.

Bei Bio-Leinen kommen keine Pestizide zum Einsatz

Flachs, die Basis für die luftig-leichte Naturfaser Leinen, ist eine der ältesten Kulturpflanzen überhaupt. Generell ist die Pflanze mit wenigen Nährstoffen zufrieden, daher wird sie generell weitaus weniger gedüngt als etwa Baumwolle. Bei Bio-Leinen wird der Einsatz von Pestiziden jedoch komplett ausgeschlossen.

Über die gängigen Naturfasern hinaus, gibt es inzwischen innovative Textilien aus Soja, Algen, Holz und selbst aus Algen oder Milch. Mehr dazu lesen Sie in dem Beitrag «Von Alge bis Milch: Welche innovative Ökomode den Markt erobert.»

Vorsicht: «BIo» heisst nicht unbedingt auch fair

Zwar achten viele Firmen und Designer die Naturmode produzieren auch auf die Arbeitsbedingungen der am Produktionsprozess beteiligten Menschen. Konsumenten, die auf eine faire Produktion ihrer Bekleidung grossen Wert legen, sollten sich aber nicht nur an Öko- oder Biosiegeln orientieren, sondern zusätzlich an den gängigen Labels für Fair Trade Fashion.

Quellen: Nachhaltigkeit.info, Gesamtverband-leinen.de, Stiftung Warentest

Text: Jürgen Rösemeier-Buhmann