Lyocell und Tencel: Warum der Stoff aus Holzfasern so nachhaltig ist

Lyocell, auch Tencel genannt, gilt als die Faser der Zukunft. Der Stoff aus Holzfasern ist nachhaltig und vielseitig einsetzbar. Warum das Material besser ist als Baumwolle & Co.

Lyocell und Tencel: Warum der Stoff aus Holzfasern Zukunft hat
Nachhaltig in der Produktion, angenehm zu tragen: Kleider aus Lyocell. Foto: © Orbon Alija / E+
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Seit mehr als 100 Jahren gibt es mit Viskose eine Faser, die aus Holz gewonnen wird. Moderne Viskose-Produkte wie Lyocell, auch Tencel genannt, ist ein industriell hergestelltes Naturprodukt, dessen Vielseitigkeit erstaunt und erst noch umweltfreundlicher ist als Viskose selber.

So werden die Stoffe aus Holzfasern hergestellt

Viskose ist der wohl bekannteste Stoff aus Holzfasern. Sie wird aus dem Zellstoff (Zellulose) von Buchen, Eukalyptus Fichten oder Pinien hergestellt. Aufgrund der umweltschädlichen Chemikalien, die für die Produktion verwendet werden, steht Viskose heute in der Kritik. 

Lyocell wird etwa seit Ende der 1980-Jahre industriell aus Eukalyptusholz hergestellt. Das Verfahren, mit dem die Holzfasern verarbeitet werden, ist jedoch viel umweltfreundlicher als jenes von Viskose, da auf Chemie verzichtet wird. 

Bei Tencel hingegen handelt es sich um einen Markennamen. Das Material Lyocell ist im Verkauf unter dem Markennamen Tencel zu finden.

Lyocell im Vergleich mit Baumwolle, Seide & Co.

Lyocell ist eine besonders stabile, gleichzeitig aber angenehm weiche und elastische Faser. Der Stoff fühlt sich leicht und angenehm kühl an und hat eine glatte Oberfläche. Vom Tragekomfort her mit Seide oder Leine verglichen. Er wird darum gerne für leichte Kleidung wie Blusen, Shirts oder auch Nachtwäsche verwendet.

Ähnlich wie Wolle kühlt das Material bei Hitze und wärmt bei Kälte. Auch festere Kleidung wie Hosen oder Jacken werden daher aus dem Stoff hergestellt.

Der Stoff reguliert Feuchtigkeit und Temperatur auf natürliche Weise, was auch dem Bakterienwachstum entgegenwirkt. Er wird daher auch für Bettdecken oder Matratzen verwedet und ist geeignet für Menschen mit empfindlicher Haut oder für Allergiker.

Er ist nicht nur atmungsaktiv sondern auch saugfähiger als Baumwolle und zudem ist er robust und reissfest. Dank dieser Eigenschaften ist Tencel bestens geeignet als kunststofffreie Alternative für funktionale Bekleidung.

Aus Lyocell beziehungsweise Tencel können die unterschiedlichsten Produkte gefertigt werden, denn das Garn aus der Holzfaser gibt es in verschiedenen Qualitäten. Zudem kann es mit anderen Materialien wie Baumwolle oder Kunstfasern gemischt werden.

Kleidung mit UV-Schutz

Die Firma Lenzing, die Tencel hautpsächlich produziert, hat die Lyocell-Variante Tencel® SUN entwickelt, eine Faser, die im Labortest einen UV-Schutzfaktor von 110 aufwies. Der UV-Schutz wird durch Mineralien bewirkt, und, ein Nachteil synthetischer UV-Schutz-Stoffe, selbst im durchgeschwitzten Zustand soll der Schutz nicht gemindert werden.

Tencel ist nicht nur für Erwachsene ideal, denn gerade für Babys ist Tencel hervorragend geeignet. Durch die funktionalen Eigenschaften wie Wärmeregulierung ist etwa bei der Tencel-Bettdecke oder dem Tencel-Schlafsack die Gefahr einer Überhitzung oder des Hitzestaus für Babys deutlich reduziert.

Tencel-Faser ist zudem pflegeleicht und kann ganz normal gewaschen werden.

Darum ist der Tencel-Stoff so nachhaltig

Lyocell und Tencel: Eukalyptus zur Produktion von Zellulose

Eukalyptus ist ein ergiebiger Rohstoff. Foto: © alffoto / iStock / Getty Images Plus

Der Eukalyptusbaum, aus dem das Material gewonnen wird, kann ohne Pestizide und ohne künstliche Bewässerung angebaut werden.

Lenzing achtet bei seinen Plantagen in Afrika und Asien auf Flächen, die für die Landwirtschaft nicht gut geignet wären.

Eukalyptus ist zudem ein sehr schnell nachwachsender und ergiebiger Rohstoff, der rund 15 Mal weniger Wasser als Baumwolle braucht.

Das Verfahren, mit dem die Holzfasern verarbeitet werden, ist sehr nachhaltig. Einerseits wird auf schädliche Chemie verzichtet, andererseits kann das verwendete, organische Lösungsmittel wieder aus den Fasern herausgewaschen und erneut für die Produktion verwendet werden.

Ein weiterer grosser Vorteil des umweltfreundlichen Materials: Es ist biologisch abbaubar. Ein Plus, das zum Beispiel bereits Calida für seine kompostierbare Kleiderlinie nutzt.

Ein Stoff mit Zukunft

Lyocell wird in Zukunft immer wichtiger werden, denn der Stoff ist nachhaltiger als Baumwolle, Seide oder auch Stoffe aus Chemiefasern.

Aus Lyocell-Fasern heute schon Alltagskleider, Funktionskleider, Unterwäsche, Nachtwäsche, Bettdecken, Matratzen und sogar Schuhe oder Hygieneprodukte produziert.

Wie Lyocell wird auch der Stoff Lenpur mittels organischem Lösungsmittel aus Zellulose hergestellt. Allerdings wird der Rohstoff für Lenpur nur aus dem Rückschnitt von Bäumen produziert, der in der Forstwirtschaft anfällt. Für die Herstellung müssen also keine Bäume gefällt werden.

Doch im Moment ist Lyocell noch teuer. Dies liegt daran, dass die Standards für die Herstellung von Tencel so hoch sind. Dies sollte sich auch nicht ändern. Um die langen Transportwege des Rohstoffs Eukalyptus zu verhindern, könnten zukünftig vielleicht auch europäische Produktionsländer in Betracht gezogen werden. Das Material Modal, bestehend aus Buchen-Zellulose, könnte in Zukunft ebenfalls eine wichtige Rolle spielen.

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