Philipp Schnell: «Auf ein eigenes Auto könnte ich verzichten»

Philipp Schnell ist seit 2008 Geschäftsleiter von Transa, der Ladenkette für Outdoor-Ausrüstung. Philipp Schnell legt nicht nur im Unternehmen wert auf Nachhaltigkeit, sondern setzt sich auch privat für eine nachhaltigere Gesellschaft ein, wie er im Interview mit nachhaltigleben.ch zu berichten weiss.

Philipp Schnell
Transa-Geschäftsleiter Philipp Schnell, Fotoquelle: fairunterwegs.org
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Philipp Schnell ist Geschäftsführer von Transa, ein Unternehmen, dass soziale Fairness und Nachhaltigkeit fest verankert hat. Seit zwei Jahren beschäftigt Philipp Schnell eine Nachhaltigkeitsbeauftragte, welche Massnahmen wie einen Zulieferer-Fragebogen ausarbeitete. Dieser Fragebogen wird mit jedem Vertrag an die Zulieferer verschickt und soll für mehr Transparenz bezüglich sozialen und ökologischen Standards in den produzierenden Fabriken sorgen. Doch mit 200 verschiedenen Marken-Lieferanten aus aller Welt ist dies kein einfaches Unterfangen. «Heute werden die Waren weltweit produziert, und weltweit werden auch Arbeitsrechte oder Umweltschutzgesetze verletzt.», meint Philipp Schnell. Transa kann also nicht abschliessend garantieren, dass alle ihre Produkte fair sind. Dies macht sie aber zumindest transparent.

Im Interview mit nachhaltigleben.ch spricht Philipp Schnell über sein ökologisches Vorbild und darüber, wie er sich persönlich für eine nachhaltigere Gesellschaft einsetzt.

Wer ist Ihr ökologisches Vorbild? Und was zeichnet dieses Vorbild für Sie aus?

Anita Roddick, die Gründerin von «The Body Shop» – sie hat gezeigt, dass ökologisch nachhaltige Produkte auch ökonomisch nachhaltig vermarktet und verkauft werden können.

Wie stark hat die in den letzten Jahren zunehmende Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit Ihr Leben verändert?

Nachhaltigkeit ist ein integraler Bestandteil des Lebens geworden. Als kleines Beispiel des Alltags kann ich die Abfalltrennung in der Schweiz nennen. Auch Unternehmen setzen sich vermehrt damit auseinander. Wie wir bei Transa, wo Nachhaltigkeit ein Teil der Unternehmenspolitik geworden ist.

Was motiviert Sie, sich für Nachhaltigkeit einzusetzen?

Das ist ganz profan – wir haben nur einen Planeten und als Vater von zwei kleinen Kindern muss ich mich doch auch für die nächste Generation einsetzen.

Wie verhält sich Ihre Familie, wenn es um Nachhaltigkeit geht? Gibt es diesbezüglich Diskussionen am Familientisch?

Wir sind sicher nicht perfekt, aber wir tun schon einiges für die Nachhaltigkeit – vor allem weil wir jetzt mit einem Minergie Eco Hausbauprojekt beschäftigt sind, ist das ein immer wiederkehrendes Thema.

Für welche persönliche Öko-Sünde schämen Sie sich am meisten? Und warum begehen sie diese trotzdem?

Ab und zu eine Zigarette rauchen am Abend. Dies ist nachhaltig schlecht für mich persönlich. Zudem habe ich die schlechte Gewohnheit, die Zigarettenstummel auf offener Strasse wegzuwerfen.

Angenommen, eine nachhaltigere Gesellschaft wäre nur mit persönlichem Verzicht machbar. Auf was würden Sie verzichten?

Auf jegliche Art von Verpackungen von Produkten und auf ein eigenes Auto.

Was für ein nachhaltiges Produkt oder welche nachhaltige Dienstleistung würden Sie sich wünschen?

Eine echt nachhaltige Stromproduktion würde ganz viele Anforderungen einer nachhaltigeren Gesellschaft erfüllen.

Was wäre Ihr dringendster Wunsch an die Politik zur Förderung einer nachhaltigeren Gesellschaft?

Die konsequente Förderung von nachhaltigen Energien und vor allem auch die Förderung von Forschung, Entwicklung und Ausbildung im Bereich der Nachhaltigkeit– so könnte die Schweiz auch sicher stellen, in Zukunft in diesem Markt aktiv mit zu mischen und Arbeitsplätze zu sichern.

Was planen Sie persönlich in den nächsten 2 Jahren, um eine nachhaltige Entwicklung zu unterstützen?

Wir bauen ein Haus nach dem Minergie Eco Standard.

Worin sehen Sie in den kommenden Jahren die grössten Herausforderungen für eine nachhaltige Entwicklung?

Die Frage nach den Kosten und Nutzen der nachhaltigen Stromproduktion und private Einsprachen gegen Projekte, welche die nachhaltige Entwicklungen für die Allgemeinheit vorantreiben.

Nachhaltige Lösungen haben oft ästhetische Beeinträchtigungen zur Folge, wie zum Beispiel Solarzellen im historischen Stadtbild. Wo sollte man die Grenze ziehen?

Die Welt verändert sich – man kann doch historisches Bewahren und trotzdem moderne Lösungen anstreben. Man muss nicht immer nur schwarz-weiss malen. Es gibt meiner Meinung nach genügend Fläche für die Nutzung mit Solarzellen, ohne gleich ein historisches Stadtbild zu gefährden.

Wem würden Sie selbst die letzten 11 Fragen gern stellen? Und warum?

Allen National- und Ständeratskandidaten und allen künftigen Bundesräten. Mehr Transparenz wäre schon wichtig – wer setzt sich wirklich für Nachhaltigkeit ein…

Quelle: www.fairunterwegs.org, www.transa.ch, Text: Marco Stocker