Mikroplastik aus synthetischer Kleidung: wie du es im Alltag reduzierst Theresa Keller Sportshirt, Fleecejacke, Leggings oder Softshell: Synthetische Kleidung ist praktisch, leicht und oft günstig. Gleichzeitig können beim Tragen und besonders beim Waschen winzige Kunststofffasern freigesetzt werden, die als Mikroplastik in die Umwelt gelangen. Die gute Nachricht ist: Du musst deinen Kleiderschrank nicht komplett umkrempeln, um etwas zu verändern – oft helfen schon ein paar gezielte Entscheidungen beim Kauf, im Alltag und in der Waschroutine. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Auch die Waschroutine entscheidet mit darüber, wie viele Fasern freigesetzt werden. © Gemini / Google Wie Mikroplastik aus Kleidung entsteht Wenn von Mikroplastik Kleidung die Rede ist, geht es meist um sehr kleine Kunststoffteilchen oder Fasern, die sich aus Textilien lösen. Bei Kleidung aus Polyester, Polyamid, Acryl oder Elasthan entstehen solche Partikel vor allem durch Abrieb. Das passiert nicht nur in der Waschmaschine, sondern auch beim Tragen: wenn Stoff an der Haut, an anderen Kleidungsstücken, am Rucksack oder am Autositz reibt. Besonders relevant ist die Freisetzung in der Wäsche. Wasser, Bewegung, Waschmittel und Temperatur belasten die Oberfläche der Fasern. Dadurch lösen sich Mikrofasern, die mit dem Abwasser weitertransportiert werden. Kläranlagen halten einen grossen Teil davon zurück, aber nicht alles. Ein Teil gelangt in Gewässer, ein anderer verbleibt im Klärschlamm. Für die Umwelt bedeutet das: Textiler Abrieb ist eine reale Quelle von Mikroplastik. Wichtig ist auch: Nicht nur neue Kleidungsstücke verlieren Fasern. Gerade am Anfang kann die Freisetzung höher sein, aber auch ältere, stark beanspruchte oder minderwertig verarbeitete Textilien fusseln und verlieren Material. Materialmischungen machen die Sache zusätzlich komplex. Ein T-Shirt aus Baumwolle mit etwas Elasthan wirkt auf den ersten Blick «natürlicher», setzt aber trotzdem synthetische Mikrofasern frei, wenn Kunststoffanteile enthalten sind. Forschende der Empa und anderer europäischer Institute weisen darauf hin, dass die Menge nicht von einem einzigen Faktor abhängt. Entscheidend sind unter anderem Faserart, Garnqualität, Gewebestruktur, Oberflächenbehandlung, Alter des Kleidungsstücks und die Art, wie du es nutzt und wäschst. Deshalb gibt es keine einfache Formel wie «jede Synthetik ist gleich schlimm» oder «nur Waschen ist das Problem». Welche Textilien besonders relevant sind Im Alltag fallen vor allem Kleidungsstücke auf, die weich, gebürstet oder stark funktional ausgerüstet sind. Dazu gehören Fleece, viele Arten von Funktionswäsche, Sportbekleidung, Yogawear, Softshell, Outdoor-Zwischenschichten und gewisse Fast-Fashion-Artikel aus dünnen Synthetikgeweben. Solche Stoffe sind beliebt, weil sie schnell trocknen, leicht sind und sich angenehm anfühlen. Genau diese Eigenschaften können aber auch mit einer höheren Faserfreisetzung zusammenhängen. Wenn du nach synthetische Kleidung Mikroplastik oder Sportkleidung Mikroplastik suchst, geht es oft um Polyester. Das ist nachvollziehbar: Polyester ist eine der am häufigsten verwendeten Kunstfasern weltweit. Es steckt in Sportshirts, Jacken, Futterstoffen, Strumpfwaren und Mischgeweben. Gerade aufgeraute Stoffe wie Fleece sind bekannt dafür, dass sie vergleichsweise viele Mikrofasern verlieren können. Ist jede Kunstfaser gleich problematisch? Nein. Kunstfaser ist nicht gleich Kunstfaser. Unterschiede gibt es zwischen Polyester, Polyamid, Acryl und anderen Fasern, aber auch innerhalb derselben Fasergruppe. Ein dicht gewebter, langlebiger Stoff kann sich anders verhalten als ein locker gestricktes, flauschiges Material. Auch die Verarbeitung spielt eine Rolle: gebürstete, angeraute oder stark elastische Textilien können abriebanfälliger sein als glatte, stabile Stoffe. Für den Alltag heisst das: Es lohnt sich, nicht nur auf das Materialetikett, sondern auch auf die Stoffoberfläche und Qualität zu achten. Ein robustes Funktionsshirt, das du jahrelang trägst, kann sinnvoller sein als ein billiges Teil, das schnell ausleiert, pillt und ersetzt werden muss. Wer Mikrofasern Kleidung vermeiden möchte, fährt meist besser mit langlebigen, glatten und möglichst wenig aufgerauten Stoffen. Was du beim Kauf tun kannst Der wirksamste Hebel beginnt oft vor der Kasse. Wenn du ein Kleidungsstück nicht kaufst, muss es weder produziert noch gewaschen noch entsorgt werden. Das klingt banal, ist aber bei Textilien tatsächlich ein grosser Nachhaltigkeitsfaktor. Gleichzeitig musst du nicht jede synthetische Faser konsequent meiden. Sinnvoller ist ein nüchterner Blick auf Bedarf, Qualität und Einsatzbereich. Prüfe zuerst den Bedarf: Brauchst du das Teil wirklich, oder erfüllt bereits etwas Ähnliches in deinem Schrank denselben Zweck? Lies das Materialetikett: Je höher der Anteil an Polyester, Polyamid, Acryl oder Elasthan, desto relevanter ist das Thema Faserabrieb. Bevorzuge glatte, stabile Stoffe: Stark flauschige oder aufgeraute Oberflächen wie klassisches Fleece sind oft anfälliger als festere Gewebe. Achte auf Verarbeitung und Langlebigkeit: Saubere Nähte, formstabile Stoffe und ein hochwertiger Griff sind keine Garantie, aber oft ein gutes Zeichen. Überlege bei Mischgeweben genau: «Baumwolle mit etwas Stretch» ist nicht automatisch unproblematisch, wenn synthetische Fasern enthalten sind. Kaufe gezielt statt vorsorglich: Besonders bei Sport- und Outdoorbekleidung lohnt es sich, nur das anzuschaffen, was du wirklich oft nutzt. Ein häufiger Irrtum ist, dass recyceltes Polyester das Mikroplastikproblem automatisch löst. Recycelte Fasern können aus Ressourcensicht Vorteile haben, weil weniger neue Rohstoffe nötig sind. Für die Frage des Faserabriebs ist aber entscheidend, wie das Textil hergestellt und genutzt wird. «Recycelt» bedeutet also nicht automatisch «setzt keine Mikrofasern frei». Was du beim Waschen tun kannst Gerade beim Thema Polyester waschen Mikroplastik suchen viele nach einer einfachen Lösung. Die gibt es leider nicht. Aber es gibt mehrere kleine Hebel, die zusammen einen spürbaren Unterschied machen können. Grundsätzlich gilt: Je schonender die Wäsche, desto geringer oft der Abrieb. Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern verlängert meist auch die Lebensdauer deiner Kleidung. Viele Kleidungsstücke werden häufiger gewaschen als nötig. Ein Sportshirt nach intensivem Training ist etwas anderes als ein Pullover, den du mit Unterhemd kurz getragen hast. Oft reicht Auslüften, punktuelles Reinigen oder ein längerer Trocknungsabstand zwischen zwei Einsätzen. Weniger Waschgänge bedeuten meist auch weniger Faserverlust. Schonende Programme mit tieferen Temperaturen und geringer Schleuderzahl können helfen, die mechanische Belastung zu senken. Auch eine volle, aber nicht überfüllte Maschine ist sinnvoll: Zu wenig Wäsche erhöht die Reibung einzelner Teile, zu viel stopft die Trommel und belastet Stoffe unnötig. Aggressive Waschprogramme, lange Laufzeiten und intensives Trocknen im Tumbler können den Abrieb zusätzlich fördern. Bei Hilfsmitteln wie Waschbeuteln oder externen Filtern lohnt sich eine nüchterne Einordnung. Sie können einen Teil der freigesetzten Fasern zurückhalten, sind aber keine perfekte Lösung und ersetzen keine schonende Waschroutine. Wichtig ist ausserdem, die aufgefangenen Rückstände korrekt im Hauskehricht zu entsorgen und nicht wieder ins Abwasser zu spülen. Wasche seltener, wenn es hygienisch vertretbar ist. Bevorzuge niedrige Temperaturen und schonende Programme. Vermeide unnötig hohe Schleuderzahlen. Wasche mit voller, aber nicht überladener Trommel. Drehe empfindliche Synthetik wenn möglich auf links. Nutze den Tumbler sparsam, vor allem bei Fleece und Funktionskleidung. Reinige das Flusensieb und entsorge Rückstände im Abfall, nicht im Lavabo. Veraltete Ratschläge wie «einfach alles kalt und mit möglichst viel Weichspüler waschen» sind keine gute Lösung. Weichspüler verbessert nicht automatisch die Umweltbilanz und kann Funktionsmaterialien sogar beeinträchtigen. Auch extrem seltenes Waschen um jeden Preis ist nicht sinnvoll, wenn Kleidung dadurch riecht, Hautprobleme fördert oder schneller verschmutzt. Entscheidend ist eine vernünftige Balance. Wann Synthetik trotzdem sinnvoll sein kann Ein nachhaltiger Umgang mit Kleidung muss nicht dogmatisch sein. Es gibt Situationen, in denen Synthetik funktional sinnvoll ist: bei stark schweissintensivem Sport, bei Regen- und Wetterschutz, bei Bergtouren, im Velopendeln oder wenn schnelle Trocknung und geringes Gewicht wichtig sind. Auch Sicherheits- und Berufskleidung kommt oft nicht ohne technische Fasern aus. Dann ist die bessere Frage nicht «Darf ich das noch tragen?», sondern: Wie kann ich es möglichst lange und bewusst nutzen? Wenn du ein funktionales Kleidungsstück oft trägst, gut pflegst, selten ersetzt und schonend wäschst, ist das meist sinnvoller als häufige Fehlkäufe aus vermeintlich «besseren» Materialien. Nachhaltigkeit entsteht nicht nur durch die Faser, sondern durch die gesamte Nutzungsdauer. Umgekehrt lohnt sich bei Alltagskleidung oft ein genauer Blick: Muss ein normales Freizeitshirt wirklich aus einem stark elastischen Synthetikmix bestehen? Braucht es für jeden Spaziergang eine neue Fleecejacke? Gerade dort, wo keine besonderen Leistungsanforderungen bestehen, kannst du mit einfacheren, langlebigen Materialien oft problemlos auskommen. Checkliste für den Alltag Wenn du Mikroplastik aus Kleidung reduzieren willst, musst du nicht alles auf einmal ändern. Hilfreich ist eine Reihenfolge: zuerst weniger und bewusster kaufen, dann Kleidung länger nutzen, danach die Waschroutine verbessern. Besonders relevant sind flauschige Synthetikstoffe, Fleece, günstige Funktionsware und Mischgewebe mit Kunststoffanteilen. Bei jeder Entscheidung hilft dir eine einfache Frage: Verringert das gerade Abrieb und verlängert es die Lebensdauer? Für viele Leser:innen ist genau das die praktikabelste Strategie: weniger Impulskäufe, bessere Qualität, möglichst wenig aufgeraute Synthetik, Wäsche nur wenn nötig und so schonend wie möglich. Damit reduzierst du nicht nur Mikrofasern, sondern meist auch Energieverbrauch, Materialverschleiss und unnötige Ausgaben.