Die neuesten Trends der «grünen» Fashion Week

Das Interesse und das Angebot an nachhaltiger Mode wachsen, wie sich auch auf der Fashion Week in Berlin zeigte. Längst gibt es auf der Modewoche einen Green Showroom, in dem auch einige Schweizer Designer ihre neuesten Modetrends für den Sommer präsentierten.

Biomode für den Sommer 2013 auf der Fashion Week in Berlin
Die Biomode von Laure Paschoud wurde von den menschlichen Sinnen inspiriert. Foto: © Lionel Henriod
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Nachdem der Concierge in seiner traditionellen Uniform den Weg durch das Foyer weist, staunt man nicht schlecht: Das Adlon am Pariser Platz, in dem die Green Fashion präsentiert wird, gehört zu den luxuriösesten Hotels in Deutschland. Die Veranstalter schafften darin einen «grünen» Showroom, der eine neue Art von Luxus zeigt. Die Mitbegründerin und Designerin Jana Keller meint dazu, dass Nachhaltigkeit allein nicht genüge, damit Kunden mehr für Mode bezahlen. Design und Qualität spielen ebenso eine Rolle. Deshalb biete das Fünf Sterne Hotel einen guten Rahmen für den «Grünen Luxus».

Wer den offensichtlich Modeinteressierten bis in den ersten Stock folgt, gelangt in die verschiedenen Suiten, in denen 26 Labels Mode und Accessoires präsentieren. Alle arbeiten mit ökologischen oder rezyklierten Materialien und lassen sozial produzieren. Auf einem Rundgang sind Kleider, Taschen, Armbänder und Oberteile aus Seide, Leinen, Cashmere, Leder, Wolle, Baumwolle, PET-Stoffen, Viskose oder Feuerwehrschläuchen zu entdecken. Auch zwei Schweizerinnen führen ihre Taschen und Sommermode vor: Sarah Reinhard und Laure Paschoud.

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Das neue Modelabel Inspiring tendiert für den Sommer 2013 zu leichten, pastellfarbenen Stoffen. Foto: © Inspiring
Das neue Modelabel Inspiring tendiert für den Sommer 2013 zu leichten, pastellfarbenen Stoffen. Foto: © Inspiring
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Green Fashion aus der Schweiz

Sarah Reinhard: Taschen, durch die Natur inspiriert

In der Suite 124 stellt Sarah Reinhard ihre neue Ledertaschenkollektion «Magnolia» aus. Die Form erinnert an Blüten des beliebten Frühlingsblühers. Doch die Tasche soll nicht nur schön, sondern auch praktisch sein, meint die studierte Designerin. Deshalb habe sie diese breit geschnitten. Da man die Tasche dadurch sehr weit öffnen kann, ist alles übersichtlich und mit einem Griff wiederzufinden. So kann ihre Besitzerin bequem Laptop, Schlüssel, Handy und andere Alltagsgegenstände transportieren und hat immer alles griffbereit.

Nachhaltige Accessoires: Die Taschen von Sarah Reinhard

Die neue Taschenkollektion ist von der Natur inspiriert. Foto: © Sarah Reinhard

Die Ideen kommen Sarah Reinhard in ihrem Atelier in Zürich, wo sie in den Anfangsjahren alle Taschen selber entwarf, nähte und verkaufte. Ihr erster Entwurf und mittlerweile ein Klassiker, war die «Shelly Bag». Bei dieser Tasche liess sie sich von einer Muschel inspirieren. Das Modell gefiel erst Freunden und dann immer mehr Taschenliebhabern in der Schweiz. Als die Nachfrage stieg, gab sie die Produktion aus den Händen. Heute lässt sie wegen kurzer Transportwege in Europa produzieren und verwendet angenehm weiches Rindsleder aus einer deutschen Gerberei. Dieses wird teils pflanzlich, teils synthetisch und in jedem Fall chromfrei gegerbt. Das Futter ist aus wasserabweisendem EtaProof.

Die Schweizer Designerin präsentiert ihre Taschen zum ersten Mal auf einer Messe in Deutschland. Ihr gefällt der Rahmen des Green Showroom. «Es stellen sich nur ausgesuchte Labels vor. Deshalb ist es übersichtlich und man kann mit Fachleuten und Kunden schnell ins Gespräch kommen.» Auf die Frage, ob sie Trends folge, antwortet Sarah Reinhard: «Ich richte mich weniger nach Trends. Für mich steht Qualität und zeitloses Design im Vordergrund. Ich möchte Lieblingsstücke fertigen, die man lange trägt.» Sie fände es einfach schön, wenn ihre Kundinnen mit dem Griff zur Shelly oder Magnolia Bag ein Glücksgefühl verbinden. Ihre Taschen sind auf Messen, im Webshop und in verschiedenen Geschäften erhältlich.

Atelier Laure Paschoud: Mode nach «Umami»

Die Designerin Laure Paschoud  hat sich - wie bereits in den letzten Kollektionen - von den  menschlichen Sinnen inspirieren lassen. Diesmal geht es um Geschmacksempfindungen. «Es war nicht einfach, diese Idee in Mode zu übertragen,» erklärt die Schweizerin. Deshalb entschied sie sich für den fünften Geschmackssinn: Umami. Man könnte dies mit herzhaft oder pikant übersetzen. In jedem Fall wird Umami durch Geschmacksverstärker hervorgerufen und intensiviert auch süss, bitter, sauer und salzig. Laure Paschoud kannte Umami durch ihren einjährigen Aufenthalt in Japan. Dort lernte sie auch ein Mitglied des japanischen Kollektivs HESO kennen, das den aussergewöhnlichen Print ihrer Sommerkollektion entwarf. «Im ersten Moment sieht man lediglich Streifen. Wenn man jedoch näher kommt, dann sind kleine Punkte zu sehen, die Reiskörnern ähneln.» In Japan ist Reis ein Grundnahrungsmittel und auch das Lieblingsessen vieler Japaner. Ein Leben ohne den Reis wäre daher nicht denkbar.

So ähnlich soll die Kollektion von Laure Paschoud wirken. «Die Idee ist, dass alle Kleidungsstücke auf den Kunden „zum Anbeissen“ wirken sollen.» Laure Paschoud setzt auf kräftiges Blau und Rot, was sie mit Weiss, Grau und Schwarz kombiniert. Die Teile sind zudem modular und teilweise auch drapiert. Dafür verwendet die Designerin organische Baumwolle und Restposten aus Schweizer Firmen. Zudem führt sie die Zusammenarbeit mit einem bosnischen Atelier weiter fort, das vor Ort faire Arbeitsbedingungen bietet.

Der Green Showroom ist nicht die letzte Messe, wo Umami gezeigt wird. Die Schweizerin präsentiert in diesem Jahr noch in Lausanne und in Japan. Was dann komme? Auch in der nächsten Kollektion lasse sie sich vom menschlichen Körper inspirieren, weil sie den ja auch einkleide. Wie Laure Paschoud den Sinnen weiter auf den Grund geht, bleibt also abzuwarten.

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