Einmal aufladen bitte! Mehr E-Autos durch weitere Stromtankstellen?

Fahrer von Elektroautos können diese bisher meist nur bei sich Zuhause aufladen. Mehr Stromtankstellen sollen das ändern und könnten so E-Autos attraktiver machen.

Stromtankstellen in der Schweiz: Wo sie Elektrotankstellen in der Schweiz finden
Foto: © FooTToo, iStock, Thinkstockphotos
  • 27

Bisher haben Elektroautos noch Seltenheitswert in der Schweiz. Denn lediglich etwas mehr als 3.000 Fahrzeuge sollen es sein, die sich hierzulande rein elektrisch fortbewegen. Bei insgesamt 4,4 Millionen zugelassenen Personenwagen ist das eine verschwindend geringe Zahl.

Die Gründe für die wenigen Elektroautos sind vielfältig. Kritische Konsumenten trauen der Technik noch nicht so ganz, bemängeln die hohen Anschaffungskosten und haben Bedenken wegen des bislang nicht gerade dichten Stromtankstellen-Netzes in der Schweiz.

Gerade letzteres soll sich in naher Zukunft aber ändern. Vor allem Schnellladestationen sollen bald vermehrt und flächendeckend eingerichtet werden. Sie füllen den «Tank» eines Stromers in maximal fünf bis zehn Minuten und das zu einem konkurrenzlosen Preis von durchschnittlich vier Franken. An vielen Stellen ist das Laden aber sogar kostenlos.

Schweiz strebt Vollversorgung mit Stromtankstellen an

Stromtankstellen können nahezu überall installiert werden und benötigen mit einer kleinen Säule, die sogar in einer normalen Parklücke im Parkhaus Platz findet, nicht viel Raum. Im derzeit weltweit führenden Land der Elektromobilität, in Norwegen, finden sich die meisten solcher Ladestationen. Alleine in der Hauptstadt Oslo gibt es für Elektroautobesitzer nahezu 1.000 Orte, an denen sie ihr Fahrzeug an die Steckdose anschliessen können.

Von einem so flächendeckenden Netz ist die Schweiz noch weit enfernt, aber der Ausbau von Stromtankstellen schreitet hier, wie auch in anderen europäischen Ländern, mit grossen Schritten voran. Stromversorger wie Energie Ouest Suisse seien derzeit dabei, insbesondere den Ausbau von kompakten Schnellladestationen zu verstärken, die in Zusammenarbeit mit Elektrofahrzeug-Herstellern wie Nissan-Renault umgesetzt werden.

Auch die Zürcher EKZ ist am Ausbau der Stromtankstellen in der Schweiz interessiert und betreibt alleine in und um Zürich zwölf grosse Ladestationen. Das Elektrizitätswerk Altdorf AG soll zudem in Zukunft Stromtankstellen an Schweizer Nationalstrassen aus seinem Netz speisen. Durch diese und weitere Massnahmen soll die Schweiz schon in wenigen Jahren von einer Vollversorgung mit Ladestationen profitieren. Von Vorteil ist hierbei vielleicht, dass wir mit dem Unternehmen ABB den führenden Stromtankstellen-Hersteller im eigenen Land haben.

Elektrotankstellen finden in der Schweiz und ganz Europa

Die Zahl der Stromtankstellen in der Schweiz steigt. So gibt es bereits 20 Elektrotankstellen in Zürich und dem direkten Umland, in Basel gibt es derzeit 21 Stromtankstellen und in Bern sind es bereits zwölf öffentliche Ladestationen. Eine Karte mit den Stromtankstellen in der Schweiz und Europa finden Sie unter chargemap.com.

Auf der Website E-Tankstellen-Finder kann man eine Stromtankstellen-App mit allerlei nützlichen Zusatzinformationen auf sein Smartphone laden. User können hier zudem fehlende Informationen oder Bilder ergänzen.

Wie stark bremsen fehlende Stromtankstellen die Elektromobilität?

Bis 2020, so das Ziel, sollen etwa 700.000 Elektrofahrzeuge auf Schweizer Strassen unterwegs sein. Um dies überhaupt realisieren zu können, ist ein wesentlich dichteres Stromtankstellen-Netz nötig. Es werden dafür, so rechnet die BZ Basel vor, 650.000 Ladestationen in und an Wohnhäusern benötigt, 80.000 an Arbeitsplätzen und 23.000 im innerstädtischen Bereich. Hinzu kommen nötige Schnellladestationen an strategisch wichtigen Punkten, um tatsächlich eine flächendeckende und reibungslose Elektromobilität zu ermöglichen.

Einer der Hauptkritikpunkte am noch nicht optimal ausgebauten Stromtankstellen-Netz ist eine fehlende staatliche Unterstützung, wie Andreas Müller vom Schweizer Forum für Elektromobilität EVite erklärt. Wohingegen etwa Norwegen massive Zuschüsse bei dem Ausbau des Tankstellennetzes anbietet, wird der Schweizer Ausbau privat finanziert.

Mit den derzeit 1.125 Elektrotankstellen und 2.660 Anschlüssen (Stand Juli/2014) liegt die Schweiz in der weltweiten Statistik auf Platz sechs. In Norwegen halfen die Subventionen dabei, dass es schon fünf Mal mehr Ladestationen gibt. Deshalb und weil der Kauf von Elektroautos ebenfalls finanziell gefördert wird, sind dort inzwischen zehn Mal so viele E-Autos unterwegs wie in der Schweiz.

Quellen: Stromtankstellen.eu, EKZ.ch, ewb.ch, Bzbasel.ch, Srf.ch, Forum-elektromobilitaet.ch

Text: Jürgen Rösemeier-Buhmann