Nicht jedes Bio-Benzin ist umweltfreundlich

Bio-Kraftstoffe sind umstritten und haben auch ihre Nachteile. Wenn das Bio-Benzin aber nachhaltig produziert wird, kann er einen Beitrag zu einer umweltverträglichen Mobilität leisten und die Elektromobilität ergänzen.

Mit Biosprit umweltschonender unterwegs sein.
Biotreibstoffe der zweiten Generation sind nachhaltiger produziert und ökologischer. Foto: © wavipicture / iStock / Thinkstock
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Einst als Ausweg aus der Erdöl-Abhängigkeit gepriesen, stehen Biotreibstoffe immer stärker in der Kritik. Viele Studien zeigen, dass der Kraftstoff nur geringe Klimaschutz-Effekte hat. Doch nicht nur das: Die Förderung von Biotreibstoffen führt zu einer Vielzahl von Problemen. Trotzdem werden sie heute in vielen Ländern gefördert. In der EU wurden 2008 knapp zehn Millionen Tonnen Biodiesel und Biobenzin hergestellt. Und es besteht das Ziel, bis 2020 sieben Prozent des Treibstoffverbrauchs durch Biosprit zu ersetzen. Hierbei sind Biotreibstoffe ein riesigen Geschäft. In den USA und der EU werden Mineralölkonzerne dazu verpflichtet, dem Treibstoff einen gewissen Anteil an Biodiesel beizumischen. Mittlerweile setzt die Biospritindustrie weltweit 76 Milliarden Dollar um und diese Zahl soll bis 2020 auf 247 Milliarden ansteigen.

Bio-Benzin noch zu wenig nachhaltig

Die Nachhaltigkeit in der Produktion lässt noch immer zu wünschen übrig. «Bei der Nutzung von Biomasse muss immer darauf geachtet wird, dass diese nachhaltig ist», sagt Uwe Fritsche vom Institut für angewandte Ökologie. Es besteht die Gefahr, dass für den Anbau von Energiepflanzen Urwald gerodet wird oder dass der Energiepflanzenanbau den Nahrungsmittelanbau verdrängt. Wenn gar Nahrungsmittel zur Produktion von Biotreibstoffen verwendet werden, lässt dies die Nahrungsmittelpreise steigen. Deshalb warnt Fritsche, man dürfe nicht nach dem Motto «Zuhause alles fein, woanders das Chaos» handeln. Die Ökobilanz wird dadurch natürlich schlechter.

Auch aus Weizen wird Biokraftstoff gewonnen.

Foto: Linjerry / iStock / Thinkstock

Algen tanken

Es wird daran gearbeitet, Biotreibstoff ökologischer herzustellen. Derzeit werden für die Produktion vor allem Nahrungsmittel verwendet. Für die Herstellung von Biobenzin benutzt man Weizen, Mais, oder Rohr- und Rübenzucker, während Biodiesel meist aus Soja-, Raps- oder Palmöl hergestellt wird. Dabei handelt es sich noch um die Biokraftstoffe der ersten Generation. «Biokraftstoffe der ersten Generation sind nicht gut geeignet, um in nachhaltiger Weise das Klima zu schützen», sagt Renate Schubert, Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats der deutschen Bundesregierung «Globale Umweltveränderungen» (WBGU).

Der WBGU hat in einem Gutachten die Chancen und Risiken von Bioenergie analysiert. Die nächste Generation soll nachhaltiger werden. So sollen in Zukunft auch aus Landwirtschafts- und Forstabfällen oder aus speziellen noch effizienteren Energiepflanzen Biotreibstoffe hergestellt werden. «Die Biotreibstoffe der zweiten Generation sind schon nachhaltiger als die der ersten Generation», sagt Rainer Zah, Leiter der Gruppe Ökobilanzierung der Empa.

Und die Forschung geht voran. Auch die Nutzung von Algen wird intensiv erforscht. Bereits grosstechnisch nutzbar ist Biogas. Hier zersetzen Bakterien Pflanzenreste, Gülle, Klärschlamm oder einfach Müll und setzen dabei Methan frei. Dieses Methan kann man absaugen und anstelle von Erdgas zur Stromerzeugung oder zum Kochen nutzen. Gerade beim Biosprit könnte ein Label zur nachhaltigeren Nutzung führen. «Es sollten Mindeststandards definiert werden, die Biokraftstoffe erfüllen müssen», sagt auch Schubert. Erst bei sehr guten Werten in Punkto Nachhaltigkeit könnte es dann auch eine staatliche Unterstützung geben.

Ergänzung zur Elektromobilität

Die Biotreibstoffe werden auch in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen. «Doch die Produktionsmenge der Agrotreibstoffe ist begrenzt», sagt Zah. In der Schweiz liessen sich bis 2030 höchstens acht Prozent der Mobilität mit Biotreibstoffen betreiben. Mehr als die Hälfte davon aus einheimischer Produktion. «Biotreibstoffe können die Elektromobilität aber gerade auf Langstrecken sehr gut ergänzen», sagt Zah.

Text: Raphael Corneo