Warum wir auch in der Schweiz Wasser sparen sollten

143 Liter Wasser verbraucht ein Schweizer im Haushalt pro Tag — und 4000 Liter für alles andere. Warum und wie wir in der Schweiz Wasser sparen sollten.

Wasser sparen und Wasserverbrauch in der Schweiz: Ist Wasser sparen sinnvoll?
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Die Schlagzeilen, dass Wasser und insbesondere Trinkwasser vielerorts auf der Welt knapp werden, häufen sich. Auch in der Schweiz wird regelmässig das Grundwasser knapp, wenn es länger nicht regnet.

Doch wie können wir in der Schweiz Wasser sparen und bringt das überhaupt etwas?

Virtuelles Wasser sparen: Warum das Sinn macht

Beim täglichen Konsum können Sie schnell und einfach jede Menge Wasser sparen. Man spricht vom «virtuellen Wasser», von dem jeder Schweizer am Tag etwa 4000 Liter verbraucht.

So benötigt ein T-Shirt etwa 2000 Liter Wasser bis es im Laden parat liegt, eine Jeans braucht satte 8000 Liter und der neue PC hat bis zu 20‘000 Liter Wasser verbraucht in allen Produktionsschritten.

Noch viel mehr Wasser wird beim täglichen Lebensmittelkonsum verbraucht. Wie das Water-Foodprint-Network errechnet hat, gehen 92 Prozent des globalen Wasserverbrauchs auf die Lebensmittelproduktion.

Wasser sparen beim Einkaufen

So häufig wie möglich regional und saisonal einzukaufen, ist das A und O.

So verbraucht beispielsweise der Anbau von einem Kilo Tomaten global etwa 214 Liter Wasser, Schweizer Tomaten lediglich 20 Liter Wasser.

Bis eine Tasse Kaffee aufgebrüht ist, wurden 140 Liter Wasser benötigt. Ein Grossteil des Wasserverbrauchs geht in den wasserintensiven Anbau der Bohnen.

Indem Sie bewusster konsumieren und alltägliche Dinge wie Kleider oder Haushaltsgeräte länger nutzen, können Sie mit sehr wenig Aufwand sehr viel virtuelles Wasser sparen.

Mehr zum virtuellen Wasser in Lebensmitteln und warum Fleisch der Spitzenreiter in Sachen Wasserverbrauch ist, lesen Sie hier.

Wasserverbrauch im Haushalt

In den letzten Jahrzehnten ging der Wasserverbrauch in Schweizer Haushalten und in der hiesigen Industrie kontinuierlich zurück. Dies liegt zum einen an einem bewussteren Umgang mit Trinkwasser, zum anderen an der verbesserten Technik bei Waschmaschinen, Geschirrspülern, Spülkästen oder Armaturen.

WC auf Platz eins

Der Topverbrauch im Haushalt geht mit 40 Litern an die Toilettenspülung. Zweiter im Ranking ist das Duschen und Baden. Hier verbrauchen jeder im Schnitt täglich 36 Liter.

Insgesamt verbraucht jeder Schweizer zu Hause täglich noch 143 Liter Wasser. Grosses Aber: Beim Gesamt-Prokopf-Verbrauch, bei dem Industrie und Landwirtschaft mitgerechnet werden, verbrauchen wir pro Einwohner 300 Liter Wasser am Tag.

Immerhin: Gegenüber der 1970er-Jahre ist dies ein deutlicher Rückgang. Damals verbrauchte ein Schweizer täglich 500 Liter Wasser.

Warum also Wasser sparen, gerade im Land, dass sich auch das «Wasserschloss Europas» nennt?

Wasser sparen heisst Energie sparen

Mal quergedacht: Auch wenn es im Haushalt nicht unbedingt nötig ist, weiter Wasser um des Wasserswillen zu sparen, so gibt es dennoch Gründe, um in der Schweiz Wasser zu sparen.

Ein Hauptgrund: Wer Wasser spart, spart Energie.

Duschen, Baden, Wäschewaschen, Geschirrspülen – etwa 55 Prozent des häuslichen Wasserverbrauchs entfallen auf diese Tätigkeiten. Und hierbei wird immer warmes Wasser benötigt, was letztlich Energie braucht. Werden Geräte effizienter genutzt, dann wird nicht nur Wasser gespart, sondern eine signifikante Menge an Energie. Das schont Geldbeutel und Klima.

Wasser sparen beim Geschirrspülen

Ein gut gefüllter Geschirrspüler ist energie- und wassersparender als die Handwäsche des Geschirrs.

Laut Energieeffizienz.ch verbraucht ein 2-Personen-Haushalt durchschnittlich etwa 2‘750 Kilowattstunden (kWh) Strom im Jahr. Etwa 250 kWh entfallen alleine auf den Geschirrspüler. Wird dieser wirklich nur dann eingeschaltet, wenn er richtig gut gefüllt ist, dann spart dies Wasser und vor allem Energie.

Wasser sparen beim Wäschewaschen

Mit 225 kWh ist der Energieverbrauch der Waschmaschine ähnlich hoch. Hier können Sie wieder einiges an Energie sparen, wenn Sie stets eine volle Maschinenladung waschen und die Temperatur auch mal niedriger einstellen. So wählt man statt der 60 Grad- eine 40-Grad-Wäsche – beispielsweise für Handtücher und Bettwäsche.

Kaltduscher schützen die Umwelt

Schliesslich entfallen knapp 14 Prozent des Energiebedarfs auf die Warmwassererzeugung an den Armaturen im Bad und in der Küche. Hier sorgsam mit dem Warmwasserverbrauch umzugehen spart erneut Energie und ist gut für den Umweltschutz.

Pro Tag und Eidgenosse gehen 20 Liter Wasser durch Lecks im Leitungsnetz verloren.

 Die Energie-Verbrauchswerte erhöhen sich übrigens gewaltig, wird mit einem alten Wasserboiler Warmwasser erzeugt und vorgehalten. Bis zu 2‘200 Kilowattstunden benötigt ein altes Modell im ungünstigen Fall und über das Jahr.

Weitere hilfreiche und effektive Tipps zum Wassersparen im Haushalt finden Sie hier.

Was gegen das Wassersparen im Haushalt spricht

Es gibt auch Gründe, die gegen das Wassersparen im Haushalt sprechen. Diese Gründe sind weniger aus ökologischer Sicht, denn aus technisch-hygienischen Gründen wichtig. Der Schweizerische Verein des Gas- und Wasserfachs (SVGW) hält gegen das Wassersparen im Haushalt für nicht unproblematisch.

Wenn weniger Wasser durch die Leitungen fliesst, dann verschlechtert sich unter Umständen durch eine längere Verweildauer die Wasserqualität. Weiter führt der SVGW an, dass sich bei weiteren Sparmassnahmen die Kosten für Wasser- und Abwasser erhöhen könnten, denn dies seien Fixkosten, die gedeckt werden müssten. Auch seien durch weitere Massnahmen in Sachen Wasser sparen stärkere Ablagerungen im Kanalnetz die Folge, was kostenintensive Spülungen erfordere.

Quellen: Bundesamt für Energie, wasserqualitaet.svgw.ch, energieeffizienz.ch, BAFU, trinkwasser.ch

Autor Jürgen Rösemeier-Buhmann