Leihen statt Kaufen: 10 praktische Sharing-Plattformen in der Schweiz

Es gibt Dinge, die wir nur einmal im Jahr brauchen. Leihen statt Kaufen ist in dem Fall nicht nur günstiger, sondern auch nachhaltiger. 10 praktische Plattformen in der Schweiz.

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Leihen statt Kaufen: 10 praktische Sharing-Plattformen in der Schweiz

Foto: © freemixer / Stock / Getty Images Plus, CasarsaGuru / E+, Imgorthand / E+. Collage: Redaktion Nachhaltigleben.

Sie wollen eine Party schmeissen, haben aber keine Popcorn-Maschine? Sie gehen auf eine grosse Wanderung und brauchen noch ein Zelt? Sie müssen in der neuen Wohnung Lampen aufhängen, haben aber keinen Bohrer?

Ob Zelt, Partyzubehör oder Bohrmaschine: Es gibt Gegenstände, die wir nur einmal im Jahr brauchen und die dann wieder im Schrank verstauben. In dem Fall macht es Sinn, solche Dinge zu leihen, statt sie zu kaufen.

Gegenstände zu leihen ist nicht nur günstiger, sondern schont auch Ressourcen durch Wiederverwendung. Meist kann man sogar selber noch etwas Geld verdienen, indem man seine Sachen verleiht.

1. Online Sharing von Alltagsgegenständen mit Sharely

Leihen und mieten mit der online Plattform Sharely

Foto: © Sharely

Über das Online-Portal Sharely kann man schnell und einfach unterschiedlichste Alltagsgegenstände mieten und vermieten. So gibt es zum Beispiel Drohnen, Rucksäcke, Gitarren, Schneeschuhe oder eine Popcornmaschine.

Die Idee: Dinge vom «Nachbarn» leihen, statt vom anderen Ende der Schweiz zu sich schicken zu lassen. Deswegen kann man auf der Webseite sowohl nach Ortschaften als auch direkt nach Gegenständen suchen.

Wer gerne etwas vermieten möchte, stellt den Gegenstand mit einer kurzen Beschreibung gratis online und bestimmt einen Mietpreis pro Tag.

Automatisch versichert

Alle hochgeladenen Gegenstände sind automatisch bis zu 2'500 Franken mit einem Selbstbehalt von maximal 50 Franken versichert. Jeder Mieter zahlt eine kleine Versicherungsprämie, abhängig vom Gegenstand und Mietpreis.

Wenn ein Interessent den Gegenstand mieten möchte, schreibt er dem Vermieter eine Mietanfrage für den gewünschten Zeitraum. Innert 48 Stunden sollte man eine Antwort erhalten, sonst verfällt die Anfrage.

Der Mieter bezahlt den Gesamtbetrag im Voraus an Sharely. Sharely zahlt 80 Prozent des Betrags dem Vermieter direkt aufs Konto.

2. Mit Pumpipumpe Dinge vom Nachbarn leihen

 

Leihen anstatt Kaufen: 10 Anbieter für einfaches Sharing

Foto: © Screenshot Pumpipumpe.ch

Und so geht’s: Auf der Webseite für 5 Franken Sticker von den Dingen bestellen, die man gerne zum Ausleihen freigeben möchte. Zum Beispiel eine Festbank, ein ungenutztes Velo, ein Fasnachtskostüm oder sogar den Zugang zum WLAN. Die Sticker können auch in ausgewählten Stickershops gekauft werden.

Die Sticker dann an den eigenen Briefkasten kleben. Ein Nachbar sieht die Sticker und weiss so, wo er das nächste Mal einen bestimmten Gegenstand ausleihen kann.

Die Einzelheiten überlässt Pumpipume den Nutzern. Sinn der Sache ist aber, Gegenstände kostenlos zu verleihen und nicht gegen Geld zu vermieten. Als Dankeschön springt dann vielleicht sogar mal ein leckeres Stück Kuchen heraus.

Um Gegenstände schnell und einfach zu finden, gibt es auf der Webseite eine Karte mit allen Mitgliedern und deren Sticker. So müssen Sie nicht zuerst Ihr Dorf absuchen, sondern können gezielt klingeln gehen.   

3. «Do it yourself» mit Popnfix

Bei der online Plattform Popnfix seine Fähigkeiten anbieten

Foto: © Popnfix

Popnfix ist ein online Marktplatz aus der Westschweiz, der mieten, kaufen und verschenken vereint. Was die online Plattform aber so besonders macht: Man kann auch seine Fähigkeiten anbieten.

Wer etwas verkaufen oder vermieten möchte, stellt es kostenlos mit dem gewünschten Preis online. Beim Verkaufen gilt der Preis pro Gegenstand, beim Vermieten pro Tag oder pro Monat. Es können auch Gegenstände mit den Nachbarn geteilt oder verschenkt werden.

Das spezielle an Popnfix ist zudem, dass man seine Fähigkeiten und sein Fachwissen anbieten oder auch danach suchen kann. Einfach registrieren und gratis eine Anzeige mit Beschrieb und Preis machen. Zum Beispiel für eine Gartenarbeit, das Installieren einer Lampe oder das Reparieren einer Kaffeemaschine. Jemand mit dem gewünschten Know-how aus der Gegend kann sich dann auf die Anzeige melden.

Die Plattform bietet eine schnelle und einfache Lösung für kleine Handwerkeraufgaben und will dadurch verhindern, dass Dinge voreilig weggeworfen werden. Allgemein soll der nachhaltige Gebrauch gefördert werden.

Bezahlt wird per Kreditkarte oder PayPal direkt unter den Beteiligten. Ein Feedback System auf der Seite sorgt für Transparenz bezüglich der Ausführung der Tätigkeit und der Bezahlung.

4. Die erste Schweizer Leihbar in Bern

Dinge direkt ausleihen in der Leihbar in Bern

Foto: © M_a_y_a/ iStock / Getty Images Plus

Im Dezember 2018 eröffnet die Stiftung für Konsumentenschutz in Bern die erste Leihbar der Schweiz. In dieser «Bibliothek» kann man günstig hochwertige Gegenstände wie Werkzeuge, Partyzubehör, Musikanlagen, Videokameras etc. ausleihen.

Ein Probemonat für die Leihbar kostet 10 Franken. Wer sich der Sache aber schon sicher ist, kann direkt eine Jahresmitgliedschaft für 55 Franken lösen. Auch cool: Wer nicht selber in Bern wohnt, die Sache aber toll findet, kann auch ein Jahres-Abo verschenken.

Solche Leihläden gibt’s bereits in London, Berlin und Wien. Das Pilotprojekt in Bern läuft ab Dezember für ein Jahr und ist noch auf der Suche nach Unterstützung. Bis zum 25. Oktober läuft deshalb ein Crowdfunding, wo man sich am Vorhaben beteiligen kann.

Wer gerne selber anpacken möchte, der kann sich als freiwilliger Helfer für den Aufbau oder Betrieb der Leihbar beim Konsumentenschutz melden.

Falls das einjährige Pilotprojekt der Leihbar in Bern positiv ausgeht, sollen in verschiedenen Städten der Schweiz weitere Leihbars entstehen.

Mehr zum ersten Leiladen in Bern finden Sie im Artikel: Leihen statt kaufen: Erster Schweizer Leihladen eröffnet in Bern.

5. Privatautos mieten und vermieten mit Sharoo

Privautos leihen mit Sharoo

Foto: © Sharoo

Sharoo bietet einen Marktplatz zum Mieten und Vermieten von Privatautos.

Private können über die Plattform Sharoo ihr Auto zur Miete anbieten. Wer ein Auto braucht, kann sich über die Plattform ein passendes Fahrzeug suchen. Je nach Verfügbarkeit kann ein Auto stundenweise, tageweise oder wochenweise gemietet werden.

Eine Schlüsselübergabe ist dabei nicht nötig: Alles funktioniert komplett digital per Smartphone. Das gebuchte Auto kann direkt mit dem Sharoo-App geöffnet werden. Grundlage dafür ist die Sharoo-Box, die in jedem registrierten Auto installiert wird. Achtung: Systemvoraussetzungen beim Smartphone: iOS 10 / Android 6.0 oder höher.

Wer sein Auto vermieten möchte, erstellt ein persönliches Profil und wählt das für sich passendes Abo-Modell.

EASY Abo: Passend, wenn Sie ihr Auto selber regelmässig benutzen und nur ab und zu vermieten wollen:

  • Kostet 19 CHF pro Monat
  • Einbau Sharoo-Box: einmalig 99 CHF
  • 30 % Kommission an Sharoo
  • Vertragsdauer: 2 Jahre

PRO Abo: Passend, wenn Sie Ihr Auto praktisch täglich vermieten wollen.

  • Kostet 49 Franken pro Monat
  • Einbau Sharoo-Box: einmalig 399 CHF
  • 20 % Kommission an Sharoo
  • Vetragsdauer: 2 Jahre

Wenn man sich für ein Abo entschieden hat, einen Termin mit einer Partnergarage zum Einbau der Sharoo-Box machen. Sobald die Box unsichtbar installiert ist, kann das Auto vermieten werden.

 

Was Sharoo nachhaltig macht und mehr erfahren Sie im Porträt des Zukunftsgestalters.

Der Vermieter bestimmt den Mietpreis und die Verfügbarkeit seines Autos. Für den gesamten Mietzeitraum ist jeder Mieter und damit auch das Auto automatisch mit Vollkasko versichert.

Ein Bewertungs- und Feedbacksystem bietet ein zusätzliches Level an Transparenz für die Mitglieder.

Auch Mobility bietet Autos zum Mieten an zentralen Stellen an, die per App geortet und gebucht werden können. Im Gegensatz zu Sharoo sind dies aber keine Privatfahrzeuge. Seit diesem Jahr bietet Mobility in Zürich auch E-Scooter an, mehr dazu hier.

Mit Fahrgemeinschaften Geld sparen

Ob nur zur Arbeit oder ins Ausland: Statt dass jeder mit seinem eigenen Auto fährt, kann man sich zusammentun und so die Fahrtkosten teilen. Weniger Autos auf den Strassen schont nämlich nicht nur die Umwelt, sondern womöglich auch die Nerven durch weniger Stau.

6. Blablacar

Mit Blablacar Carpooling und Fahrgelegenheiten schaffen

Foto: © Screenshot Blablacar.de

Die online Plattform Blablacar vermittelt Fahrgemeinschaften auf der ganzen Welt. Jeder Nutzer wird bei der kostenlosen Anmeldung überprüft und seine Kontaktdaten bestätigt, nach Belieben sogar mit Foto.

Dann kann man entweder nach einer gewünschten Strecke suchen, oder seine eigene Fahrt mit den gewünschten Kosten anbieten. Bezahlt wird online beim Buchen oder direkt bar im Auto, je nach Wunsch des Fahrers. Nach der Fahrt bewertet man sich gegenseitig.

Auch cool: Während der Fahrt ist man automatisch kostenlos von Axa versichert.

7. E-Carpooling

Auf der online Plattform E-Carpooling eröffnet jeder Nutzer gratis ein persönliches Konto und kann dann Mitfahrgelegenheiten anbieten oder suchen.

Vor jeder Fahrt einigen sich Fahrer und Mitfahrer über die Kostenaufteilung mit Hilfe des Kostenrechners, der Strecke, Anzahl Personen und durchschnittlichen Treibstoffverbrauch berücksichtigt. Fahrer und Mitfahrer können sich nach der Fahrt gegenseitig bewerten.

8. Idosh

Mit Carpool App Idosh Fahrgemeinschaften bilden

Foto: © Idosh

Beim Carpooling App Idosh meldet man sich an und sucht dann entweder als Mitfahrer nach einer Strecke oder veröffentlich seine geplante Fahrt mit den gewünschten Fahrtkosten.

Da es den Gründern in erster Linie um die Umweltentlastung geht, ist die App und das Mitfahren kostenlos. Anbieter von Mitfahrgelegenheiten erhalten via Bonussystem zahlreiche Vergünstigungen bei verschiedensten Anbietern. Ein Feedbacksystem mit Kommentaren bietet Transparenz. 

9. Mobility

Mobility bietet ebenfalls eine App für Carpooling an, wobei der Fahrer aber nur 80 Prozent des eigentlich ausgerechneten Preises für eine Strecke erhält. 20 Prozent gehen dabei an Mobility zur Deckung von Angebotskosten.

10. Sharen gegen Food Waste

Food Sharing mit der Restessbar

Foto: © Restessbar 

Ein Sharing der etwas anderen Art bietet der Verein Restessbar. Dieser unterstützt Projekte, die sich gegen Lebensmittelverschwendung einsetzen. Restessbars gibt es bereits in mehreren Schweizer Städten, darunter Zürich, Winterthur, Baden, Luzern, Solothurn oder Basel. Das Ziel dabei ist, unverkäufliche Ware von Geschäften und Restaurants oder Spenden von Privatleuten zu sammeln und gratis an alle zur Verfügung zu stellen.

Die Restessbars variieren je nach Standort und Gründer, doch das Konzept bleibt immer gleich: Das gesammelte Essen soll für alle kostenlos zugänglich sein und Hygiene- und Gesundheitsstandards müssen eingehalten werden. 

Das Essen wird von freiwilligen Helfern bei den Läden und Restaurants abgeholt und in einem Kühlschrank deponiert. Der Kühlschrank ist mit einem Zahlenschloss mit Code versehen, der entweder durch ein Rätsel erraten oder per Mail angefragt werden kann. Die Helfer stellen auch sicher, dass alles sauber ist und nach Vorschriften läuft.

Privatpersonen sollen jedoch nicht einfach überflüssiges Essen in den Kühlschrank stellen. Lebensmittelspenden sind sehr willkommen, müssen aber vorher angemeldet und abgesprochen werden.

An gewissen Standorten werden die Lebensmittel auch zu bestimmten Zeiten von freiwilligen Helfern verteilt, zum Beispiel in Frauenfeld und Ebikon.

Autor: Michelle Kägi, Oktober 2018