Glasrecycling: Schweizer sind Spitze bei der Abfallverwertung

Heute schon Glas zu Glas gestellt? Bestimmt. Denn die Schweizer sind führend im Glasrecycling. 95 Prozent der Gemeinden besitzen einen Glascontainer, jährlich werden mehr als 330.000 Tonnen Glas gesammelt. So könnte es auch mit anderen Materialien funktionieren.

Die Schweizer sind Spitzenreiter beim Recycling von Altglas.
Die Schweizer sind Spitzenreiter beim Recycling von Altglas. Foto: toktak_kondesign / iStock / Thinkstock
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Frau und Herr Schweizer sind Weltmeister im Glassammeln. 95 Prozent des gekauften Verpackungshohlglases für beispielsweise Konfitüre oder Getränke landen im Glascontainer. Sogar fein getrennt nach Farbe. Und das hat nichts mit Kleinkariertheit zu tun, denn die Sortierung nach Glasfarben beim Glasrecycling lohnt sich auf jeden Fall. Der Anschein trügt, dass beim Entleeren der Container die zuvor mühselig nach Farben getrennten Glasflaschen ins gleiche Fahrzeug geleert werden. Die Sortierung des Glases hat einen tieferen Sinn: Auch die Sammelfahrzeuge sind im Inneren eingeteilt, denn es wird aus jeder ursprünglichen Farbe wieder Verpackungshohlglas in derselben Farbe hergestellt. Also wird aus grünem Altglas wieder grünes Verpackungshohlglas und aus einem weissen Gurkenglas könnte eine weisse Weinflasche werden. Aber Achtung: Geht ein Fenster kaputt, haben die Glasscherben nichts im Glascontainer verloren.

Früh übt sich

Das Sammeln von Glas ist in der Schweiz schon lange zur Gewohnheit geworden. Denn seit 1974 sammeln die Eidgenossen systematisch Altglas. Mehr als 330.000 Tonnen bringt die Bevölkerung jährlich zu den Sammelstellen. So wundert es auch nicht, dass im ganzen Land rund 25.000 Glascontainer stehen. Auf diesem Weg gelangen knapp 95 Prozent der verkauften Glasverpackungen in den Kreislauf wieder zurück. Mit dieser Quote liegt die Schweiz zusammen mit Belgien und Dänemark an der Weltspitze. «Das vorbildliche Verhalten beim Glasrecycling lernen die Schweizer schon als Kinder», sagt Peter Reimann von der Firma Vetropack, einem industriellen Glashersteller mit Sitz in Bülach und Genf. Erreicht wird das durch die Zusammenarbeit mit Schulen, Gemeinden und Städten, den Recyclingorganisationen und dem Bundesamt für Umwelt (BAFU). «Wir organisieren Ausstellungen und leisten Aufklärungsarbeit», sagt Reimann.

Fremdstoffe unerwünscht

Und dennoch landen in den Containern auch heute noch viele Stoffe wie Keramik, Fensterglas oder Tischplatten, die eigentlich nicht dorthin gehören. «Der Anteil der Fremdstoffe im Altglas beläuft sich auf etwa fünf Prozent», schätzt Peter Reimann von der Firma Vetrorecycling. Auch wenn Altglas ein sehr ergiebiger Rohstoff ist, weil man es beliebig oft einschmelzen und ohne Qualitätsverlust neu verarbeiten kann, reichen bereits kleine Mengen an Fremdstoffen und schon leidet die Qualität von Recyclingglas. Der grösste Feind ist Porzellan im Weissglas und Tonscherben im Braunglas. Auch alle anderen Abfälle wie Kristallglas haben im Glascontainer nichts verloren. Denn sie verteuern die Glasentsorgung unnötig. Damit aus Altglas einwandfreies neues entstehen kann, dürfen auch auf keinen Fall andersfarbige Scherben im Weiss- oder Braunglas landen. Einzig Grünglas ist da etwas unempfindlicher und verträgt in begrenztem Masse anders farbiges Glas, ohne dass die Qualität bei der Herstellung von Neuglas darunter leidet.