Minimalismus: Warum weniger manchmal so viel mehr sein kann

Um Minimalismus zu leben, muss man nicht gleich alle Sachen verkaufen oder verschenken. Gelegentlich entrümpeln und dabei aussortieren, was wir nicht unbedingt brauchen, geht auch gut im Kleinen. Und das kann richtig befreiend sein.

Minimalismus leben oder die freiwillige Einfachheit
Foto: © NelleG/ iStock / Thinkstock
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Der volle Kleiderschrank, von dem nur die Hälfte regelmässig getragen wird, ist zwar nur eines von endlos vielen Beispielen. Aber es zeigt deutlich, wie sehr wir heute teilweise im Überfluss leben. Genau dem wollen Minimalisten entgegen wirken und entrümpeln deshalb meist nicht nur den Kleiderschrank, sondern ihr ganzes Leben.

Der Minimalismus wird darum auch als «Freiwillige Einfachheit» bezeichnet. Sich darauf einzulassen, geht im Kleinen wie im Grossen und kann, im besten Fall, neben den Schränken auch den Kopf von unnötigem Ballast befreien.

Minimalismus leben bedeutet nicht unbedingt verzichten

Minimalismus soll das Leben nicht einschränken. Vielmehr soll er von eigentlich Überflüssigem befreien. Für viele, die den Minimalismus leben, bedeutet er deshalb sogar «weniger ist mehr». Dabei heisst die freiwillige Einfachheit für die einen Minimalisten schlicht mit weniger auszukommen.

Für andere geht es darum, mit dem zufrieden sein was man hat oder wirklich benötigt und nicht einem Konsumzwang unterworfen zu sein. Das beginnt im Kleinen schon dabei, nicht immer das neuste Smartphone haben zu müssen oder beim Shoppen nur das mitzunehmen, was man wirklich braucht.

Alles Unwichitige muss raus: Minimalisten verschaffen sich Platz

Schon mit geringem Aufwand kann ein wenig Minimalismus das Leben einfacher machen. Die erste Massahme ist dabei das Entrümpeln. Klamotten, die man gar nicht trägt oder unzählige Küchengeräte und anderer elektronischer Schnick-Schnack, der nur Platz benötigt, einstaubt oder die Schränke verstopft.

Mancher Minimalist geht so weit, dass er aus Überzeugung nur noch mit dem Nötigsten lebt, oft den Grossteil seines Hab und Gut verschenkt oder verkauft. Fast leere Schränke und nackte Wände sind aber nicht jedermanns Sache. Deshalb muss man selbst entscheiden, wie viel Minimalismus einem gut tut. Denn die gewählte Einfachheit soll nicht belasten, sondern befreien, und zwar sowohl die Wohnung als auch den Kopf.

Zum Minimalismus gehört auch das gedankliche Entrümpeln

Erreichbarkeit auf gleich mehreren Kanälen, dauerhafte Berieselung durch verschiedene Medien, Arbeits- oder Freizeitstress. Sie alle tragen dazu bei, dass viele von uns heute eigentlich ständig etwas um die Ohren haben und vielleicht sogar manchmal den Durchblick verlieren. So Einige, die Minimalismus leben, sortieren deshalb auch im Kopf ihre Prioritäten neu und entledigen sich vielleicht einem der vielen Social Media Accounts oder den Newsletter-Abos, die ihren Mail-Eingang verstopfen. Aber auch grössere Schritte wie das Internet abzubestellen oder das Handy ganz los zu werden sind hier möglich.

Dieser philosophische Minimalismus soll dabei helfen, sich darauf zu konzentrieren, was einem im Leben wichtig ist und womit man den Tag wirklich verbringen möchte. Sei es der Spaziergang im Park, der Spieleabend mit der Familie oder auch einfach die Ruhe zum Entspannen, minimalistisch zu leben kann uns im besten Fall so Einiges von einem der wertvollsten heutigen Güter zurück geben: Zeit. Und diesen Luxus suchen auch immer mehr Schweizer, wie eine aktuelle Studie zeigt: «Der Luxus, zu verzichten: Schweizer wollen Zeit statt Besitz».

Um Genügsamkeit geht es auch bei der heute oft geforderten Suffizienz. Sie lässt aber nicht nur uns freier leben, sondern trägt auch dazu bei, auf Dauer die Klimabelastung deutlich zu reduzieren. Mehr dazu lesen Sie hier: «Suffizienz: Warum nachhaltig leben Genügsamkeit statt Verzicht ist».

Quellen: Zeit.de, ZDF/Frontal 21, Text: Jürgen Rösemeier-Buhmann