Kritische Stimmen zu den LOHAS

Für die Nachhaltigkeit gilt generell: lieber grün als viel kaufen.

LOHAS kaufen zwar «grün», aber sie kaufen auch viel, und nicht immer ist das nachhaltig. Foto: © Horsche / iStock / Thinkstock

Insbesondere gut Verdienende reisen gerne und viel. Um die Welt zu sehen, steigen sie bevorzugt ins Flugzeug. Doch allein hundert Flugkilometer verursachen etwa 32 Kilogramm CO2. Bei einer Bahnfahrt kommen hingegen nur sechs Kilogramm CO2 zusammen. Ferne Ziele können LOHAS jedoch nur mit dem Flugzeug erreichen. Deshalb zahlen sie freiwillig einen Klimazuschlag und kaufen sich in dem Sinne frei. Da sie das Geld ausgeben können, tut die CO2-Kompensation weniger weh, als auf das Reisen ganz zu verzichten. Diese Kritik am LOHAS Lifestyle setzt sich durchgängig fort: Warum sollte man mit dem Geldbeutel die Welt verbessern können? Ist es LOHAS möglich, Unternehmen durch Kaufentscheidungen zu nachhaltiger Produktion zu bewegen? Die Firmen reagieren häufig nur mit der passenden Kommunikationspolitik und verpassen sich einen grünen Anstrich. Dadurch schaffen sie positive Erlebniswelten für die Konsumenten. Wer bestimmtes Tafelwasser kauft, unterstützt soziale Projekte in Afrika. Viele Unternehmen geben sich ein ökologisch-ethisch einwandfreies Auftreten, das von LOHAS oft nicht hinterfragt wird. Dem so genannten Greenwashing begegnen Medien und unabhängige Organisationen mit mehr Information. In Berichten und Aufklärungskampagnen zeigen diese die Lebens- und Herstellungsbedingungen vor Ort und geben Öko-Tipps für den Alltag. Doch eine DBU-Studie zeigt, dass die Zielgruppe inzwischen gegen zu viel Aufklärung immun ist.

Die LOHAS-Studie, die 2008 von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Auftrag gegeben wurde, beschreibt Ökokonsumenten als konservativ, markenbewusst, naturromantisch, unpolitisch, ästhetisch, anspruchsvoll, näheorientiert und ichbezogen. Statt eines Öko-Trendsetter zeigt sich ein Normalo. Dieser möchte weder verzichten noch sich politisch engagieren. Ihm liegt es fern, eine Petition gegen Gen-Mais zu unterschreiben. Diese Verbrauchergruppe möchte mit wenig Aufwand möglichst viel Umweltschutz erreichen.

Wertewandel durch LOHAS-Lifestyle - doch fehlt die tiefgehende Gewohnheitsänderung

Trotz aller Kritik, haben LOHAS erreicht, dass das Thema Nachhaltigkeit in aller Munde ist und sich gesellschaftlich ausbreitet. In dem Sinne leben sie anderen vor, dass man etwas für die Umwelt tun kann, ohne sein Leben komplett umzukrempeln. So sind die neuen Ökos zwar umweltbewusst, aber noch lange keine Klimaschützer. Doch für die Zukunft reicht bewusster Konsum nicht aus. Letztlich hilft nur ein sich ändernder Lebensstil - wie z.B. geringerer Fleischkonsum, weniger Autofahren und energieeffizientes Bauen.

Linktipps

  • Nachhaltiger Alltag - Der WWF Schweiz informiert über kleine Gewohnheitsänderungen im Alltag kann.
  • Lohas.de - Die Plattform für den lifestyle of health and sustainability.
  • Öko-Tipps - nachhaltigleben gibt zehn Tipps für bewussten Konsum.

 

 

Quellen :Ernst & Young, Konsum Report Schweiz, Universität St. Gallen, Lohas.de, Burda Greenstyle Report, Stratum GmbH, bmvit Text: Kerstin Borowiak

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