Wie schädlich für die Gesundheit ist Fluorid in Zahnpasta?

Während Zahnpasta mit Fluorid früher hoch angepriesen wurde, steht sie heut vermehrt in der Kritik. Aber was stimmt wirklich? Ist Fluor für die Zähne gesund oder schadet es?

Ist Fluor oder Fluorid in Zahnpasta schädlich?
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Fluor ist natürlich vorkommend in vielen wichtigen Lebensmitteln enthalten. Zugesetzt in bestimmten Konsumgütern wie Salz oder eben der Zahnpasta, ist Fluor immer als eine Verbindung zum Beispiel mit Natrium, Aluminium oder Kalzium zu finden. Dann spricht man von Fluorid, wie etwa bei Natriumfluorid.

Zwar geben die meisten Zahnärzte an, dass Fluorid in Zahnpasta eine hervorragende Kariesprophylaxe sei. So soll es die Kariesfälle um etwa 40 Prozent verringern, wie der zahnmedizinische Lehrstuhlleiter Stefan Zimmer in einem Spiegel-Interview erklärte. Doch es gibt auch kritische Stimmen, die vor erheblichen Gesundheitsrisiken von Fluor in Zahnpasta warnen.

Fluor in Zahnpasta: Schädlich oder nicht?

Für Fluor wird etwa vom deutschen Bundesamt für Risikobewertung eine maximale Tagesdosis von 0,05 mg pro Kilo Körpergewicht empfohlen, die völlig unbedenklich sei. Bei einer Frau mit 60 kg Körpergewicht wären dies 3 mg Fluor beziehungsweise Fluorid, bei einem Mann mit 75 Kilo dementsprechend 3,75 mg.

Dies sind Dosen, die man durch eine mit Fluorid versetzte Zahnpasta nie erreichen kann. Mit dem sehr beliebten und von Zahnärzten oft empfohlenen Elmex Gelee kommt man dieser Grenze jedoch schon näher. Denn die wöchentlich empfohlene Menge der Zahnpflege enthält bereits 6,25 mg Fluorid und ist damit weit über der als unbedenklich deklarierten Tagesdosis. 

Zahnpasta mit Fluorid zu verwenden alleine oder die gelegentliche Nutzung von Elmex Gelee sind aber in der Regel nicht bedenklich. Problematisch ist eher, dass Zahnpasta meist nicht die einzige Quelle ist, aus der wir täglich Fluor aufnehmen.

Was gegen Fluor in Zahnpasta spricht

Fluoride begegnen uns heute in vielen alltäglichen Lebensmitteln, so etwa in Leitungs- und Mineralwasser oder fluoridhaltigem Speisesalz. Doch, zu hoch dosiert, wirkt Fluorid ähnlich einem Nervengift. Es soll dem Gehirn schaden, ebenso wie Zähnen und Knochenbau, auch wenn dies derzeit nur in Extremfällen belegt ist.

Kritiker sprechen zudem von Krebsgefahr oder einer Belastung der Organe durch zu viel Fluor. Aktuell hat wegen der anhaltenden Kritik etwa Israel die Fluoridierung von Trinkwasser beendet. In weiteren Staaten wie den USA, Australien, Brasilien, Chile oder Irland wird Fluorid noch immer künstlich dem Trinkwasser zugegeben, was die täglich aufgenommene Dosis schnell in die Höhe treiben kann. In der Schweiz stoppte 2003 Basel als letzter Kanton die Fluoridierung des Wassers, die ursprünglich zur Verminderung von Kariesfällen ins Leben gerufen wurde.

Die Auswirkungen von zu viel Fluor werden kritisch diskutiert und sind bisher nicht eindeutig belegbar. Einen deutlichen Fluorüberschuss erkennt man aber in der Regel zumindest an der Fluorose, die sich in feinen weissen Linien oder Flecken auf den Zähnen äussert. Besonders Kinder sind hiervon betroffen.

Soll man nun Zahnpasta mit oder ohne Fluorid kaufen?

Für das Dilemma, ob man nun Zahnpasta mit Fluorid oder ohne kaufen soll, gibt die Klinik für Zahnerhaltungskunde der süddeutschen Universität Freiburg vielleicht die Lösung. Denn, wie gesund oder schädlich Fluorid ist, hänge von der gesamten Tagesdosis ab, von der wir über Zahnpasta oft nur einen kleinen Teil aufnehmen. Laut der Mediziner könne man deshalb auf zusätzliches Fluorid in Zahnpasta verzichten, wenn regelmässig:

  • Lebensmittel konsumiert werden, die mit fluoridhaltigem Mineralwasser oder Trinkwasser hergestellt werden,
  • man Mineralwasser mit sehr viel Fluorid trinkt,
  • fluoridhaltiges Salz in der Küche benutzt wird,
  • Fluoridgel zuhause regelmässig verwendet oder eine zahnärztliche Fluoridisierung – besonders bei Kindern – durchgeführt wird.

Ansonsten kann man zur besseren Kariesprophylaxe unbedenklich auf Zahnpasta mit Fluorid setzen.

Bei Babynahrung gelte zusätzlich: Ist das Wasser fluoridhaltig – Mineralwasser oder Leitungswasser – dann sollte man sich eine Alternative suchen. Denn Babys unter sechs Monaten sollten besser kein Fluor zu sich nehmen.

Text: Jürgen Rösemeier-Buhmann