Fair bringt mehr: Fair Trade Produkte in der Schweiz

Immer mehr Schweizer kaufen Fair Trade Produkte. Inzwischen sind mehr als 1.500 Produkte in Fachgeschäften, Supermärkten und Onlineshops erhältlich. Doch wofür steht Fairer Handel? Was bewirken Konsumenten mit ihrer Fairtrade-Kaufentscheidung?

Bananen mit Fair Trade Siegel: garantiert fair gehandelt.
Das beliebteste Fair Trade-Produkt ist und bleibt die Banane. Foto: Max Havelaar
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Die Schweizer sind Weltmeister - im Kauf von Fair Trade-Produkten. Sie geben jährlich 40 CHF für fair gehandelte Bananen, Blumen, Fruchtsäfte und Kaffee aus. Mit jedem Kauf unterstützen sie über 1,4 Millionen Menschen in Lateinamerika, Afrika und Asien. Inzwischen scheint es, dass es für jeden Geschmack ein passendes Fair Trade-Produkt gibt. Auch deshalb fällt ihnen die bewusste Kaufentscheidung für etwas teurere, fair gehandelte Produkte leichter (AC Nielsen). Doch was bedeutet Fair Trade und wo kann man die Produkte kaufen?

Was ist Fair Trade? Handel(n) gegen Armut.

Fairer Handel bietet einen Ausweg aus Arbeitslosigkeit, Armut und Verschuldung. Aus eigener Kraft können Bauern und Arbeiter, die eigene Lebenssituation und die ihrer Familien verbessern. Das wird u.a. durch gerechte und transparente Preise, soziale und umweltverträgliche Produktion sowie mit regelmäßigen Kontrollen erreicht. «Mit Fairem Handel können Menschen auf der ganzen Welt durch ihre Arbeit ein Einkommen erzielen, das ihnen und ihren Familien eine menschenwürdige Existenz sichert und langfristig eine echte Chance auf Verbesserung des Lebensstandards bietet», bekräftigt Sonja Ribi von Swiss Fair Trade. «Langfristige, stabile und partnerschaftliche Handelsbeziehungen verschaffen einen fairen Zugang zum Weltmarkt.»

Fair Trade-Produkte

Im letzten Jahr erlebten Fair Trade-Produkte einen Aufwind und verzeichneten ein Umsatzplus von knapp elf Prozent. Bei der Fülle an Angeboten brauchen Verbraucher auf nichts zu verzichten. Doch unangefochtener «Fair Trade-Liebling» ist seit vielen Jahren die Banane. Neben Lebensmitteln sind auch Mode, Kosmetika, Blumen, Kunsthandwerk, wie Schmuck und Orientteppiche, in den Läden zu finden. Neuerdings werden sogar Reisen angeboten. Gütelabels zeigen, dass die Produkte fair gehandelt sind. Die Mehrheit der Schweizer Fair Trade Produkte (96 Prozent) tragen das international anerkannte Gütesiegel von «Fairtrade Max Havelaar», das mit etwa 150 Handelspartnern zusammen arbeitet. Diese erhalten eine Mindestpreisgarantie, die die Kosten für eine sozial- und umweltverträgliche Produktion deckt. Gemeinschaftsprojekte profitieren von Fairtrade-Prämien, die bei jedem Einkauf direkt in den Fonds der jeweiligen Produzenten fliessen. 2010 kamen so 4,8 Millionen Franken zusammen, von denen u.a. Schulen oder Brunnen gebaut wurden. Das sind nur zwei der international festgelegten ökologischen, sozialen und ökonomischen FLO-Standards, die die Spielregeln für den fairen Handel vorgeben. Neben umweltschonenden Anbau beinhaltet das Paket auch langfristige Handelsbeziehungen, Beratung, Versammlungsfreiheit und das Verbot von Diskriminierung sowie Kinderarbeit. Dieses Zertifikat ziert rund 1.500 Produkte. Den Überblick schafft ein Produktefinder im Internet. Denn die Entscheidung fällt nicht leicht, wenn Konsumenten zwischen 117 Kaffeesorten und rund 80 Schokoladesorten wählen können.

Erfolgsgeschichten vom Fairen Handel

Das Hilfswerk SWISSAID ist vor Ort aktiv und erfährt unmittelbar, ob und wie die Vision des Fairen Handels umsetzbar ist. Rudolf Fischer, Leiter Entwicklungszusammenarbeit, erklärt «Der faire Handel hat für Bauernfamilien - zum Beispiel für Cashew-Farmer in Tansania - spürbar positive Auswirkungen: Sie können mit einem relativ stabilen Preis für ihr Produkt kalkulieren und sind nicht den Schwankungen des Weltmarkts und politisch motivierten Preis-Interventionen unterworfen. Die Zertifizierung stärkt die organisatorische Kraft und Kompetenz der Bauern, und in Kombination mit biologischer Produktion entsteht echter Wissenstransfer - für die Bauern ein wichtiger Wettbewerbsvorteil.» Dies belegen auch erste Studien zur Wirkung von Nachhaltigkeitsstandards. Sie weisen nach, dass insbesondere die erlernten Managementkompetenzen und effizientere Herstellungs, Verarbeitungs- und Vermarktungsmethoden den Fairen Handel stärken, so Hans-Peter Egler, Leiter Handelsförderung vom Staatssekretariat für Wirtschaft.