Parabene: Machen Konservierungs-Stoffe in Kosmetik krank?

Parabene machen ein Produkt haltbar oder schützen es vor Bakterien und Pilzen. Aufgrund dieser positiven Eigenschaften sind sie unter anderem in vielen Kosmetikprodukten enthalten. Doch Parabene sollen hormonell wirken, Allergien auslösen und Krebs erregen können. Werden deshalb Cremes und Shampoos durch sie zum Gesundheitsrisiko?

Parabene in Cremes, Schanpoos und was sie bewirken
Oftmals sind Parabene in Cremes, Shampoos oder Deos enthalten. Einige Forscher schlagen Alarm. Doch die Studien zu ihrer gesundheitlichen Gefahr sind nicht eindeutig. Foto: © Jacob Wackerhausen / iStock / Thinkstockphotos
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Parabene im Blut nachweisbar

Das Fachmagazin Science Nordic hat eine alarmierende Studie des Forschers Torkjel M. Sandanger veröffentlicht. Er untersuchte im Jahr 2012 mehr als 350 Blutproben von Frauen auf den Gehalt an künstlichen Parabenen. Dabei zeigte sich, dass die Konzentration an Parabenen höher war, je mehr Kosmetikprodukte sie verwendeten.

«Dieses Ergebnis gibt Anlass zur Sorge, da Parabene den Hormonhaushalt stören», folgerte der Forscher aus seinen Ergebnissen. Denn bereits vorherige Untersuchungen hätten gezeigt, dass diese Stoffe ein hormonelles Ungleichgewicht auslösen könnten, welches die Fruchtbarkeit beeinflusst. Selbst die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung an bestimmten Krebsformen könnte durch den Langzeitgebrauch von Produkten mit Parabenen erhöht werden.

Doch die Zahl der Studien ist noch zu gering, um grundsätzliche Aussagen über die Folgen von Parabenen im Blutkreislauf aufzustellen. Darum fordert Sandanger deren Verwendung zu stoppen, bis es eindeutig ausgeschlossen werden kann, dass sie eine Gefahr für die Gesundheit bedeuten.

In Babykosmetik keine Parabene mehr

Nach einer Untersuchung in Dänemark wurden dort in Babypflege-Produkten für unter Dreijährige Parabene verboten. Denn laut der Studie haben die Stoffe auf Kinder eine östrogene Wirkung, welche die geschlechtliche Entwicklung beeinflussen soll. Parabene in Shampoos und Co sind seitdem somit wenigstens für die Kleinsten in Dänemark tabu.

Etwas später wurde auch in der restlichen EU ein ähnliches Verbot verabschiedet. Das wissenschaftliche Committee der Europäischen Kommission für Verbrauchersicherheit, kurz SCCS, teilte die aus der dänischen Studie hervorgebrachten Bedenken zwar nicht. In 2011 verbot sie Parabene trotzdem zumindest in Säuglingsprodukten für unter 6 Monate alte Babys.

Nach dem Verbot folgt Entwarnung

Noch kurz vor dem Verbot für Babyprodukte in 2011 wurde von wissenschaftlicher Seite vielfach vor Parabenen in Cremes und anderen Kosmetikprodukten gewarnt. Erst danach gaben neue Untersuchungen bedingt Entwarnung, zumindest was die krebsauslösende wie auch die allergisierende Wirkung angeht.

Den Grund für das Hin und Her bezüglich der Gefahr von Parabenen erklärt das SCCS mit den weiterhin bestehenden Unsicherheiten. So zeigte die in Kosmetika verwendete Menge bei Tierversuchen keine negativen Folgen. Jedoch sind diese Tests nicht komplett auf den Menschen übertragbar und somit uneindeutig.

Auf diese Restunsicherheiten beruft sich auch die Zeitschrift Öko-Test und wertet daher bei ihren Tests Produkte mit Parabenen ab, wie uns auf Nachfrage der Redaktion bestätigt wurde. Auch immer mehr Hersteller scheinen die Zweifel umgehen zu wollen und bringen nur noch Cremes ohne Parabene auf den Markt, meist dann mit dem Vermerk «ohne hormonelle Wirkung». Wer auf diesen Inhaltsstoff verzichten möchte, hat es sonst bei konventioneller Kosmetik nicht einfach, denn die Liste der verwendeten Parabene ist lang.

Woran man Parabene erkennt

Neben der häufig in der Zutatenliste zu findenden Abkürzung PHB gibt es viele weitere Bezeichnungen für Parabene: Methyl-Paraben, Ethyl-Paraben, Propyl-Paraben oder Butyl-Paraben, Isobutyl-Paraben, Isopropyl-Paraben und Pheny-Paraben. Und dann auch noch: Propagin, Metagin, Nipagin, Nipasol, Oxybenzoesäure oder Oxybenzoat, Hydroxybenzoesäure und Hydroxybenzoat, schliesslich Parahydroxybenzoat.

Nicht nur ist die Parabene-Liste endlos lang, sie besteht auch zum Grossteil aus Begriffen, die sich die Wenigsten merken können. Im Zweifelsfall ist es daher am besten Shampoo, Duschgel und Creme zu kaufen, die explizit darauf hinweist, frei von Parabenen zu sein. Sicher ist der Verbraucher hier insbesondere bei zertifizierter Naturkosmetik.

Neben Kosmetik werden Parabene übrigens auch für einige Medikamente und Lebensmittel genutzt. Hier sind sie an den E-Nummern E 214 bis E 219 zu erkennen.

Quellen: Sciencenordic.com, Ökotest, Wikipedia

Text: Jürgen Rösemeier-Buhmann