So viel Natürliches steckt wirklich in Naturkosmetik

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Naturkosmetik ist kein geschützter Begriff. Darum kann sie eigentlich alles Mögliche enthalten. Wir zeigen, wann Kosmetik wirklich natürlich ist – und wann nicht.

Wie viel Natur ist wirklich in Naturkosmetik?
Foto: © Jacob Ammentorp Lund/iStock/Thinkstock

Stecken in der gross beworbenen Naturkosmetik tatsächlich nur pflanzliche Zutaten? Oder verkauft sich ein Label damit nur als besonders grün? Diese Fragen sind oft schwierig zu beantworten. Nachhaltigkeit liegt im Trend und zieht deshalb auch viele Unternehmen an, die ihr ökologisches Engagement auf die PR-Abteilung begrenzen.

Woran Sie echte Naturkosmetik erkennen

Wer wirklich nur Natur in der Creme oder dem Lippenstift haben möchte, muss deshalb oft genauer hinsehen. Denn gesetzlich geregelt ist nicht, was sogenannte Naturkosmetik enthalten darf und was nicht. Es liegt bei den Herstellern selbst, was sie darunter verstehen.

Etwas helfen bei der Orientierung im Naturkosmetik-Dschungel können einige Gütesiegel, die natürliche Zutaten versprechen. Und es gibt auch in der Schweiz innovative Kosmetikmarken, bei denen garantiert nur Natur im Tiegel landet.

Das sollte in Naturkosmetik auf keinen Fall stecken

Wenn Sie selbst beurteilen möchten, ob ein Produkt aus Naturkosmetik besteht oder nicht, hilft nur der genaue Blick auf die Zutatenliste. Diese finden Sie neben der Verpackung auch bei Eingabe unter codecheck.info. Nicht darin enthalten sein sollten beispielsweise synthetische Chemikalien wie Silikone, künstliche Farb- und Duftstoffe, Lösungsmittel oder Erdölvarianten. Mehr dazu lesen Sie hier: «9 Schadstoffe, die Sie in Naturkosmetik garantiert nicht finden.»

Welche Siegel natürliche Zutaten versprechen

NaTure beachtet die Inhaltstoffe sowie den  Herstellungsprozess der Naturkosmetik.

NaTrue beachtet die Inhaltstoffe sowie den  Herstellungsprozess der Naturkosmetik. Bei der Zertifizierung unterscheidet das Label zwischen Naturkosmetik, Naturkosmetik mit Bioanteil und Biokosmetik. Für ein Zertifikat mit Bioanteil müssen 70% , für Biokosmetik 95% der natürlichen Inhaltsstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau oder Wildsammlung stammen.

Das BDIH-Siegel garantiert bei allen pflanzlichen Inhaltsstoffen eine ökologische Herkunft.

Das BDIH-Siegel garantiert bei allen pflanzlichen Inhaltsstoffen eine ökologische Herkunft. Rohstoffe von Tieren dürfen in der zertifizierten Naturkosmetik enthalten sein, wie etwa Milch oder Honig. Jedoch schliesst das BDIH-Siegel die Verwendung von Zutaten aus toten Wirbeltieren aus, zum Beispiel tierische Fette oder Collagen. Naturkosmetik mit diesem Siegel wurde zudem auf keinen Fall an Tieren getestet.

 

Zusätzlich prüft das BDIH Siegel ökologische Aspekte bei der Produktion. Das Herstellungsverfahren der zertifizierten Naturkosmetik muss etwa umwelt- und ressourcenschonend sein. Die Produkte sollen zudem möglichst wenig Verpackung haben und auch recycelbar sein.

Um das Ecocert Siegel zu erhalten, müssen die Inhaltsstoffe der Naturkosmetik aus erneuerbaren Ressourcen bestehen und umweltschonend hergestellt sein.

Um das Ecocert Siegel zu erhalten, müssen die Inhaltsstoffe der Naturkosmetik aus erneuerbaren Ressourcen bestehen und umweltschonend hergestellt sein. 95% der Zutaten müssen dabei natürlichen Ursprungs sein sowie mindestens 50% biologisch produziert. Um das erweiterte Bio-Siegel von Ecocert zu erhalten, müssen 95% der natürlichen Inhaltsstoffe aus biologischen Anbau stammen. Zudem prüft das Siegel die Abbaubarkeit der Produkte und  negative Auswirkungen auf Gewässersind unerwünscht.  

Manche Gütesiegel lassen Inhalte aus dem Labor zu

Naturidentische Inhaltstoffe heissen die Zutaten. Dabei handelt es sich um Stoffe, die zwar grundsätzlich in der Natur vorkommen. Statt diese Rohstoffe zu nutzen, werden sie jedoch im Labor reproduziert . Viele Konservierungsstoffe, Mineralien oder Pigmente fallen beispielsweise darunter. Diese gibt es in der Natur meist nur in sehr geringen Mengen. Um den Bedarf zu decken, werden sie künstlich nachgebaut. NaTrue und BDIH geben etwa an, naturidentische Inhaltsstoffe zuzulassen.

Diese Schweizer Marken haben nur Natur im Tiegel

Sie verfügen nicht unbedingt über ein Siegel, das sie als Naturkosmetik zertifiziert. Trotzdem haben sich diese Label in der Schweiz dafür entschieden, nur natürliche Zutaten zu verarbeiten. Meist gehen ihre eigenen Kriterien dabei deutlich weiter als die der grosser Marken mit Gütesiegel.

Five Skincare: Was bedeuten kryptische Inhaltsangaben und warum braucht eine Creme 30 Zutaten? Anna Pfeiffer wollte sich damit nicht abfinden und hat deshalb ihre eigene vegane Kosmetik mit jeweils maximal fünf Inhaltsstoffen entwickelt.

farfalla: Vier Freunde bündelten ihre Begeisterung für ätherische Öle und pflanzliche Wirkstoffe und machten daraus eine Naturkosmetik-Marke. farfalla soll den Konsumenten einen wertschätzenden Umgang mit der Natur mitgeben.

Nicht immer ist Naturkosmetik drin, nur weil es draufsteht.

In dieser Naturkosmetik steckt wirklich nur Natur drin. Foto: © Ivary / iStock / Thinkstock

Naturseifä: Yannick Clénin «Yänu» ist eine bärtige Erscheinung. Als er beschloss seinen Bart nur noch mit 100% natürlichen Produkten zu pflegen, begann er Naturkosmetik herzustellen. Mit Naturseifä hat er nun auch Produkte für die Frauenwelt am Start.

pretty&pure: Auf der Suche nach einem veganen Schminkpinsel? Einem Beautycase aus Hanf? Luxeriöse Kosmetikartikel, die aus reinen Inhaltsstoffen bestehen und keinem Tier Leid zugefügt haben gibt es bei pretty&pure.

Pia Hess Naturkosmetik: Die Küche wird hier zum Heimlabor für natürliche Cremes, Lotionen, Bäder und Shampoos. Pia Hess entwickelte ihr eigenes Kosmetik- und Teesortiment, welches sie in der eigenen Ladenwerkstatt verkauft.

Autoren: Olivia Sasse / Bianca Sellnow, aktualisiert im Februar 2018