6 häufige Schadstoffe in Lippenstift und wie man sie umgeht

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Lippenstift landet nicht nur auf dem, sondern oft auch im Mund. Bei vielen Produkten nehmen wir damit auch Schadstoffe auf. Doch diese lassen sich einfach meiden.

Lippenstift-Tests zeigen viele Gifte: So umgehen Sie Schadstoffe
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Annähernd 355 Millionen Franken haben wir laut dem Schweizerischen Kosmetik- und Waschmittelverband 2016 hierzulande für dekorative Kosmetik ausgegeben. Lippenstifte gehören dabei nicht nur zu den wichtigsten Produkten. Sie kommen uns auch besonders nahe.

Etwa drei Kilogramm soll laut einer Berechnung des Unternehmens Raw Natural Beauty jede Frau in ihrem Leben verschlucken. Sei es beim Essen und Trinken, einfach beim Lippenbefeuchten oder beim Sprechen und Küssen.

Auch deshalb lohnt es sich, darauf zu achten, was in den liebsten Lippenstiften so alles drinsteckt. Denn oft enthalten sie Schadstoffe, wie etwa diese sieben, die das Magazin Ökotest im März 2018 bei Untersuchungen fand:

1. Was das Auto schmiert, schminkt auch die Lippen

Ihre cremige Konsistenz verdanken Lippenstifte den enthaltenen Fetten. Diese basieren oft auf Mineralöl, in der Kosmetik werden sie als Paraffine bezeichnet. Grundsätzlich werden diese Paraffine nicht als gesundheitsschädlich eingestuft, es sei denn, sie enthalten bestimmte Verbindungen wie 12 der 22 Lippenstifte in der Untersuchung von Ökotest.

 

Denn stehen Paraffine und MOAH, Mineralölkohlenwasserstoffe, auf der Zutatenliste, geht man von einer Krebs verursachenden Kombination aus. Das ist laut Ökotest beispielsweise der Fall bei Lippenstiften der Marken Artdeco, H&M, Max FactorX, Manhattan oder der Douglas-Eigenmarke.

2. Sonnenschutz kommt mit Hormon-Cocktail           

Einige Lippenstifte haben bereits einen eingebauten UV-Filter. Dieser Schutz vor der Sonne kann jedoch mit Nebenwirkungen einhergehen, wie das Fazit der Ökotester zeigt. Ethylhexyl Methoxycinnamate und Benzophenon heissen die schädlichen Zutaten, welche in den Untersuchungen gefunden wurden.

Diese UV-Filter gelten als hormonell aktiv und sollen im Körper ähnlich wie Östrogen wirken. Im Artdeco-Lipstick Shine sowie im Douglas-Tutti Frutti fanden die Tester den chemischen Schadstoff. Aufgrund der Kritik gegen die Zutat hatte jedoch Artdeco gegenüber Ökotest angegeben, die Rezeptur des Lippenstifts umzustellen.

3. Zur langen Haltbarkeit gibt es oft Nebenwirkungen

Parabene sind gängige Konservierungsstoffe in Kosmetik. Sie können Allergien auslösen, gelten als krebserregend und beeinflussen ebenso die Hormone.

Gleich auf mehreren Zutatenlisten fanden die Tester diesen Schadstoff mit der Bezeichnung Prophylparaben, so etwa bei den Artdeco Lippenstiften Perfect Color Lipstick und Dark Purple 86.

4. In der Lippenstift-Farbe steckt die Allergie

Auf der Verpackung sind sie mit CI 45410, CI 19140 oder CI 15985 aufgeführt. Darunter befindet sich eine sogenannte halogenorganische Verbindung sowie der Schadstoff Tartrazin. Allesamt sollen sie Allergien auslösen können.

 

«Oh so orange!» heisst beispielsweise ein Lippenstift der Marke Manhattan, der von Ökotest aufgrund dieser färbenden Inhalte im Test bemängelt wurde. Insgesamt sind es jedoch ganze 12 von 22 Lippenstiften – wie auch einer von Max FactorX, NYX oder Maybelline, in denen die schädlichen Farbstoffe vorkamen.

5. Silikon dichtet das Bad und und die Lippen ab

In vier Lippenstiften, wie etwa dem Maybelline Color Sensational und Summer Pink 148, fanden die Tester Silikon. Der sonst für Fugen im Bad verwendete Stoff, dient beim Lippenstift in der Regel als Faltenfüller. Jedoch versiegelt er die Haut so gut, dass sie nicht mehr richtig atmen kann.

Das verursacht mit der Zeit spröde Lippen. Zudem ist der Schadstoff in der Umwelt nur schwer abbaubar.

6. Blei lässt Lippenstift zum Nervengift werden

Eigentlich ist Blei als Zutat im Lippenstift nicht erlaubt. Denn selbst geringe Mengen davon wirken wie ein Nervengift und können zu Abgeschlagenheit sowie Kopfschmerzen führen.

Trotzdem kann es vorkommen, dass während der Herstellung etwas von dem Gift im Lippenstift landet. Unter Umständen wird darüber hinweg gesehen, wie Ökotest angibt: «Verunreinigungen akzeptieren Behörden nur, wenn es sich um technisch unvermeidbare Gehalte handelt».

So können Blei und andere Schwermetalle beispielsweise über den Farbstoff in den Lippenstift gelangen. In den Untersuchungen fanden die Tester den Schadstoff in einem der 22 Lippenstifte, dem H&M Cream Lip Colour, Mauveine Queen.

Diese Lippenstifte sind frei von Schadstoffen

Nicht alle Lippenstifte fielen in dem Test durch unangenehme Inhaltsstoffe auf. Grundsätzlich zeigten die Untersuchungen etwa, dass zertifizierte Naturkosmetik insgesamt deutlich besser abschnitt als die konventionellen Produkte.

Zwar können auch natürliche Zutaten ungewünschte Nebenwirkungen haben. Schadstoffe suchten die Tester jedoch vergeblich in den Öko-Lippenstiften. Deshalb erhielten auch alle sieben Naturkosmetik-Marken die Note sehr gut. Darunter waren etwa der Santé Lipstick No. 02, der Lavera Pink Orchid 32 sowie der Dr.Hauschka Lipstick Camellia 03.

Quellen: Ökotest 03/2018, haut.de, codecheck.info, skw-cds.ch

Autor: Jürgen Rösemeier-Buhmann, im März 2018