Hormonell wirksame Stoffe in jedem vierten Körperpflege-Produkt

Jeder vierte Kosmetikartikel enthält hormonell wirksame Chemikalien. Ein gefährlicher Cocktail-Effekt mit gesundheitsschädlichen Auswirkungen kann entstehen. Konsumenten erkennen belastete Produkte mit der App von Codecheck.info auf einen Blick.

Hormonell wirksame Stoffe in jedem vierten Körperpflegeprodukt
Foto: © BUND
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Vor gut einem Jahr sorgte eine Studie des deutschen Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) für Furore. In jedem dritten Kosmetikartikel waren hormonell wirksame Stoffe enthalten, so die Autoren der Untersuchung. Untersucht wurden 60'000 Artikel. Ein Jahr später untersuchte der BUND 80'000 Produkte und stellte fest, dass noch jedes vierte Körperpflegeprodukt betroffen ist. Es hat sich also was getan. Zufrieden können wir dennoch nicht sein, denn auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet die Chemikalien als «globale Bedrohung».

Risiken, die von hormonell wirksamen Chemikalien ausgehen

Die Palette belasteter Produkte reicht von Sonnencreme über Duschgel, Rasierschaum, Haargel, Lippenstift, Handcreme und Bodylotion bis zu Zahnpasta. Hormonell wirksame Chemikalien werden in diesen Produkten vor allem als Konservierungsmittel und UV-Filter eingesetzt. Die Substanzen ähneln den körpereigenen Hormonen und gelangen über die Haut in den Körper.

Besonders Föten im Mutterleib, Kleinkinder und Pubertierende sind durch die Substanzen gefährdet, denn diese können die sensiblen Entwicklungsphasen nachhaltig stören. Auch werden die Stoffe mit gesundheitlichen Problemen in Verbindung gebracht, die in den vergangenen Jahrzehnten weltweit immer häufiger auftreten. Dazu gehört der Rückgang der Spermienqualität, eine verfrühte Pubertät bei Mädchen und die Zunahme bestimmter hormonbedingter Krebsarten wie Brust-, Prostata- oder Hodenkrebs. Besonders alarmierend ist die Zahl einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der zufolge in Europa bereits bis zu 40 Prozent der jungen Männer unter einer verminderten Spermienqualität und -anzahl leiden.

Nachhaltigleben

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Der Cocktail-Effekt

Jeder Mensch hat eine Vielzahl von Chemikalien in seinem Körper. Studien haben gezeigt, dass sich hormonell wirksame Chemikalien gegenseitig in ihrer Wirkung verstärken können. Sie wirken dann sozusagen als Chemikaliencocktail, der einen deutlichen Effekt haben kann, selbst wenn die einzelnen Stoffe in so niedrigen Dosen vorhanden sind, dass sie alleine keinen beobachtbaren Effekt besitzen.

So zeigten beispielsweise Nachkommen von Ratten, die man während der Schwangerschaft mehreren hormonellen Stoffen in für sich alleine betrachtet wirkungslosen Einzeldosen ausgesetzt hat, Deformationen der männlichen Genitalien. Die Studie, welche die Kombinationswirkung von 13 ähnlich wirkenden Chemikalien (u. a. Parabene und UV-Filter aus Kosmetika, Phthalat-Weichmacher, Pestizide sowie Bisphenol A) in für den Menschen realistischen Belastungshöhen untersucht hat, kommt zu dem Schluss, dass vor allem Frauen im gebärfähigen Alter unzureichend vor Kombinationseffekten durch hormonell wirksame Chemikalien geschützt sind.

Durch den häufigen Einsatz von Parabenen und UV-Filtern in Kosmetikartikeln können also Kombinationswirkungen auftreten. Die gegenwärtige Risikobewertung der Europäischen Union berücksichtigt diese Cocktaileffekte aber nicht und legt das Augenmerk allein auf die Grenzwerte für einzelne Stoffe. Auch die WHO geht davon aus, dass die Gesundheitsrisiken, die von Kombinationswirkungen hormonell wirksamer Chemikalien ausgehen, stark unterschätzt werden.

Besserung in Sicht

Der Rückgang der belasteten Produkte ist dem unermüdlichen Engagement verschiedener Umwelt- und Gesundheitsschutzorganisationen zu verdanken. Im Sommer 2013 entwickelte Codecheck.info zusammen mit dem BUND die «ToxFox- App». Die App zeigte nicht nur belastete Produkte an, es war nun erstmalig möglich eine Protest-E-Mail an die Hersteller dieser Produkte zu senden. Sage und Schreibe 70'000 Konsumenten haben davon Gebrauch gemacht und so haben einige Hersteller damit begonnen, ihre Produktion umzustellen.

Schwarze Schafe gibt es überall. Und hat der Multi Procter & Gamble, Hersteller unter anderem von Wella und Gilette, den Anteil hormonell belasteter Produkte sogar um 2 Prozent auf stattliche 48 Prozent erhöht. Das heisst also, in jedem zweiten Produkt des Multis sind hormonell wirkende Chemikalien enthalten.

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Wie sich Konsumenten schützen können

Um Konsumenten zu helfen, sich vor hormonell wirksamen Chemikalien zu schützen, bietet Codecheck.info auf der Webseite und in der Gratis-App für iPhone und Android die Möglichkeit sofort zu erfahren, ob ein Kosmetikprodukt künstliche Hormonstoffe enthält. Dazu muss lediglich der Strichcode eines Produkts mit der Handy-Kamera gescannt werden.

Wenn man erkennt, dass man in Besitz eines belasteten Produkts ist, muss man es nicht gleich wegwerfen. Als Erwachsener kann man das Produkt noch aufbrauchen, sollte aber beim nächsten Einkauf auf hormonfreie Produkte achten. Um auf der sicheren Seite zu sein, sollten man auf Bio- oder Naturkosmetiksiegel achten.

Schwangere, Babys, Kinder und Teenager sollten jedoch von belasteten Produkten die Finger lassen, vor allem wenn es sich um Körperpflegeprodukte handelt. Gerade diese Artikel werden meist nicht sofort wieder abgewaschen, sondern bleiben lange auf dem Körper. So zum Beispiel Bodylotions oder Sonnencremes.

Quelle: Codecheck.info

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