Natürliche Sonnencremes sind schwer zu finden

Wer eine rein natürliche Sonnencreme sucht, hat es schwer. In der Schweiz sind diese Kosmetik-Produkte kaum erhältlich, denn EU- und Schweiz-Regularien machen es Herstellern schwer. Wer sich schützen will, muss den Schatten suchen.

Natürliche Sonnencremes sind schwer zu finden.
In der Schweiz sind ökologisch korrekte Sonnenschutz-Produkte nicht leicht zu finden. Foto: Jacob Wackerhausen / iStock / Thinkstock
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Sommer, Sonne, Sonnencreme. Mit das wichtigste in der heissen Jahreszeit ist ausreichender Sonnenschutz. Denn so sehr die Sonne unserer Seele gut tut, so sehr kann sie unserer Gesundheit schaden. Die Sonnenstrahlung, zusammengesetzt aus UVA- und UVB-Strahlung, schädigt die Haut. Die Folge: Der «schwarze Hautkrebs» nimmt in der Schweiz alarmierend stark zu, wie erst im April 2011 wieder offiziell vermeldet wurde. Somit birgt regelmässiges oder übermässiges Sonnenbaden ein hohes Risiko und die beste Prävention besteht aus Sonnenvermeidung und Schutz. Erst recht in den Ferien, wenn man viel an der frischen Luft und gegebenenfalls im Süden ist. Sonnenschutz in Form von richtiger Kleidung, Sonnenhut und Creme oder Lotion dürfen daher in keiner Reisetasche fehlen. Für die zarte Kinderhaut empfiehlt sich immer ein besonders hoher UVA und UVB Faktor, dazu spezielle T-Shirts mit UV-Schutz. Doch wer hier auf ökologisch korrekte Sonnenkosmetik-Produkte setzen will, hat es nicht leicht.

Sonnencremes ohne chemischen Filter

Ökologisch und natürlich sollte sie sein, einen möglichst hohen Schutzfaktor aufweisen und am besten rein mineralischen UV-Schutz bieten - so sähe die perfekte Sonnencreme aus. Denn bei den herkömmlichen Produkten sind die chemischen Filter problematisch, da einige von ihnen in Verdacht stehen, wie ein Hormon zu wirken. Die Stoffe gelangen über die Haut in den Körper und lagern sich durch das Abwasser in der Umwelt ab. Keine schöne Vorstellung. Umso mehr steigt die Nachfrage nach Produkten, die diese chemischen Filter nicht enthalten. Doch in der Schweiz sind kaum mehr Sonnenschutzprodukte von Naturkosmetikanbietern zu finden.

Sonnenschutzmittel müssen vor UVA- und UVB-Strahlen schützen.

Kaum eine natürliche Sonnencreme genügt den EU-Empfehlungen. Foto: © MarKord / iStock / Thinkstock

Der Grund dafür liegt in einer Empfehlung der Europäischen Kommission. Darin heisst es, dass Sonnenschutzmittel nicht nur vor den sonnenbrandverursachenden UVB-Strahlen schützen sollen, sondern auch verstärkt vor UVA-Strahlen. Beide Strahlentypen können Hautkrebs hervorrufen. Naturkosmetikhersteller wie Weleda setzen bei ihren Sonnenschutzprodukten auf die mineralischen Pigmente Zinkoxid und Titandioxid und erreichten damit einen Schutz nach australischem Standard. Nun empfiehlt die EU-Kommission aber eine Prüfung aller Sonnenschutzprodukte nach den Messmethoden der COLIPA (European Cosmetics Association). So soll beispielsweise das Verhältnis von UVA zum UVB Filter 1:3 betragen. Diese Anforderung deckt sich nicht mit dem australischen Standard.

Zudem ist Zinkoxid in der Schweiz zwar in Babykosmetika erlaubt, nicht aber als Sonnenschutz. Weleda sucht derzeit nach einer neuen Rezeptur. «Aber es kann Jahre dauern, bis wir in der Lage sind, ein Produkt anzubieten, das der EU-Empfehlung gerecht wird», sagt Firmensprecher Michael Leuenberger. Die herkömmlichen und umstrittenen UV-Filter aus der Chemieküche sind in der Naturkosmetik tabu. Immerhin gibt es einige wenige als Naturkosmetik zertifizierte Sonnencremes, die es geschafft haben. Eco Cosmetics verfügt sowohl über den von der EU empfohlenen UVA-Schutz und gleichzeitig ist die Creme zinkoxidfrei. Auf portanatura.ch kann man zudem Sonnenschutz von Lavera, Alva, Annemarie Börlind oder Sante finden.

100 Prozent mineralischer Sonnenschutz

Daneben gibt es noch zahlreiche Sonnenschutzprodukte, die zwar keine Naturkosmetik sind, aber dennoch einen rein mineralischen Schutz bieten. Wie etwa jener der Schweizer Firma Ultrasun, die einen Sonnenschutz unter dem Namen high 50SPF reflex kids‘ formula für die Kleinsten entwickelt hat. Dieser enthält ein hocheffektives UVA- und UVB-Lichtschutzfilter-System, das zu hundert Prozent auf mineralischen Filter basiert und somit ohne chemische Lichtschutzfilter auskommt. Auch die französische Kosmetikmarke Avène bietet Mineralische Sonnenmilch SPF 50+ an.

Text: Anna Birkenmeier

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