Hans-Peter Fricker: «Es braucht eine ökologische Steuerreform!»

Hans Peter-Fricker ist Geschäftsführer von WWF Schweiz, der grössten Umweltschutzorganisation des Landes. Im Interview mit nachhaltigeleben.ch spricht er über seinen eigenen Einsatz für mehr Nachhaltigkeit und seine Forderung an die Politik, nachhaltige Gesetze für den Klimaschutz zu schaffen.

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Hans-Peter Fricker, Geschäftsführer von WWF Schweiz, Fotoquelle: natur.ch
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Zusammen mit WWF Schweiz möchte Hans-Peter Fricker den ökologischen Fussabdruck der Schweizer Bevölkerung verkleinern. Dies ist auch dringend nötig. Die Welt verbraucht heute die Ressourcen von 1,5 Planeten. Die Schweiz liegt mit ihrem Ressourcenverbrauch noch darüber und benötigt gar 2,8 Planeten. Hans-Peter Fricker möchte vor allem den Energieverbrauch der Menschen reduzieren. Dafür betreibt der WWF Aufklärungsarbeit: «Sich einschränken bedeutet nicht, auf ein angenehmes Leben zu verzichten und in einer kalten Höhle zu leben. Im Gegenteil, Minergie- und Minergie-P-Häuser sind sehr komfortabel.»

Im Ausland engagiert sich der WWF Schweiz speziell in China. Das grosse Land mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern hat eine starke wirtschaftliche Entwicklung. Der WWF hilft China einen Mittelweg zwischen wirtschaftlichem Wachstum und Umweltverträglichkeit zu finden. In Zusammenarbeit mit der chinesischen Regierung und weiteren Partnern werden ressourceneffiziente und innovative Technologien entwickelt.

Herr Fricker, wer ist Ihr ökologisches Vorbild? Und was zeichnet dieses Vorbild für Sie aus?

Es gibt keine einzelne Person, die mir als ökologisches Vorbild dienen würde. Vorbilder sind für mich all diejenigen, die dort, wo sie leben und arbeiten, dafür sorgen, dass ihr ökologischer Fussabdruck möglichst klein bleibt.

Wie stark hat die in den letzten Jahren zunehmende Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit Ihr Leben verändert?

Ich bin mir dessen, was Nachhaltigkeit wirklich bedeutet, viel bewusster geworden und achte im Alltag viel konsequenter darauf, dass ich mich möglichst nachhaltig verhalte.

Was motiviert Sie, sich für Nachhaltigkeit einzusetzen?

Das Leben, die Natur, unsere Welt sind wunderbar. Ich möchte so gut wie möglich dazu beitragen, dass auch die kommenden Generationen einen möglichst intakten Planeten vorfinden, auf dem sie mindestens die gleichen Lebenschancen haben wie wir heute.

Wie verhält sich Ihre Familie, wenn es um Nachhaltigkeit geht? Gibt es diesbezüglich Diskussionen am Familientisch?

Diskussionen gibt es natürlich immer wieder, weil dieses Thema meinen Beruf komplett prägt. Aber es gibt keinen Streit dazu. Darüber, wie wir Nachhaltigkeit möglichst gut leben wollen, sind wir uns eigentlich immer einig.

Für welche persönliche Öko-Sünde schämen Sie sich am meisten? Und warum begehen sie diese trotzdem?

Es kann vorkommen, dass ich ein Bier oder ein anderes Getränk kaufen möchte, das am Ort, an dem ich bin, nur in Alubüchsen zu haben ist. Trotzdem kaufe ich es. Ist das der Fall, so achte ich wenigstens darauf, die Büchse anschliessend dem Recycling zuzuführen.

Angenommen, eine nachhaltigere Gesellschaft wäre nur mit persönlichem Verzicht machbar. Auf was würden Sie verzichten?

Auf jeglichen Fleischkonsum.

Was für ein nachhaltiges Produkt oder welche nachhaltige Dienstleistung würden Sie sich wünschen?

Flugzeuge, welche den raschen Transport von Menschen und Gütern in unserer Welt ermöglichen, ohne dass sie eine ökologische Belastung darstellen.

Was wäre Ihr dringendster Wunsch an die Politik zur Förderung einer nachhaltigeren Gesellschaft?

Auf nationaler Ebene braucht es meiner Meinung nach eine konsequente, aber gut handhabbare ökologische Steuerreform.

Auf internationaler Ebene braucht es ein weltweit gültiges und durchgesetztes Klimaregime, das den Treibhausgasaustoss bis 2050 auf höchstens 10% des Werts von 1990 drückt.

Was planen Sie persönlich in den nächsten 2 Jahren, um eine nachhaltige Entwicklung zu unterstützen?

Passiv achte ich weiterhin darauf, die Anzahl Flug- und Autokilometer so gering wie möglich zu halten, obwohl ich in einer weltweit tätigen Organisation arbeite.

Aktiv halte ich weiterhin mein persönliches Engagement überall dort aufrecht, wo man für die Nachhaltigkeit etwas bewirken kann.

Worin sehen Sie in den kommenden Jahren die grössten Herausforderungen für eine nachhaltige Entwicklung?

Die reichen, hoch entwickelten Industrienationen auf einen nachhaltigen Pfad zu bringen und die sich rasch entwickelnden Länder von Anfang an für die Nachhaltigkeit zu gewinnen.

Nachhaltige Lösungen haben oft ästhetische Beeinträchtigungen zur Folge, wie zum Beispiel Solarzellen im historischen Stadtbild. Wo sollte man die Grenze ziehen?

Solange wir allein in der Schweiz auf Gebäuden ohne besonderen ästhetischen oder historischen Wert Platz haben für Solarzellen, die dreimal soviel Strom produzieren wie ein grosses AKW, gibt es dieses Problem nicht. Also braucht es auch keine Grenzziehungen. Und: hat schon jemand die Errichtung eines Wasserkraftwerks in einem vorher unbeeinträchtigten Alpental aus «ästhetischen Gründen» verboten?

Wem würden Sie selbst die letzten 11 Fragen gern stellen? Und warum?

Frau Bundesrätin Doris Leuthard, da sie seit einem Jahr in unserer Landesregierung für die Energie-, Klima- und Umweltpolitik und damit für einen wesentlichen Teil der Nachhaltigkeitspolitik zuständig ist.

 

Quellen: www.beobachter.ch, www.wwf.ch