Erderwärmung verschiebt Ökosysteme nach Norden

Die globale Erwärmung hat Einfluss auf das Öko-System.

Die Klimaerwärmung bewirkt, dass gewisse Lebensformen von der Erde verschwinden werden. Foto: © Ian Bracegirdle / iStock / Thinkstock

Wenn sich Lebensräume verschieben, sind Tiere sehr häufig gezwungen, mit den Nahrungspflanzen oder den Beutetieren zu wandern. Das trifft besonders Lebewesen, die in kühleren Lagen zu Hause sind und nun in höhergelegene Regionen ausweichen müssen. Wer dann wenig mobil ist oder keine weitere Ausweichmöglichkeit hat, wird letztlich aussterben. Doch eine Studie zeigte, dass auch einige der «Mobilen» mit der Erderwärmung nicht Schritt halten können. Der Lebensraum der Tagfalter wanderte in den letzten 20 Jahren 239 Kilometer nach Norden. Jedoch legten die Schmetterlinge nur 114 Kilometer in die gleiche Richtung zurück. Diese Insekten dienen Vögeln als Nahrung. Deshalb schaute man sich die Wanderbewegungen der Vögel genauer an. Obwohl diese sehr grosse Distanzen zurücklegen können, bewegten sie sich nur um durchschnittlich 37 Kilometer. Generell befürchten Experten, dass die Erderwärmung Nahrungsketten und gut funktionierende Lebensgemeinschaften von Tieren auseinanderreissen wird. Inzwischen machen sich sogar Veränderungen beim Winterschlaf, beim Zugverhalten und bei der Fortpflanzung bemerkbar. Beispielhaft sei der Siebenschläfer genannt, dessen Winterschlaf sich nunmehr um mehrere Wochen verkürzt hat. Das Säugetier sucht sich Höhlen, um Nachkommen aufzuziehen. Bisher gab es keine Konkurrenz zu höhlennistenden Vögeln. Doch nun pflanzt sich der Siebenschläfer früher fort, fast zur gleichen Zeit wie beispielsweise Meisen. Deshalb geschieht es häufig, dass dieser bei der eigenen Nestsuche die bereits dort lebenden Jungvögel oder Eier frisst. Dadurch werden die Vögel nach und nach verdrängt.

Anpassung an die globale Erderwärmung: Gewinner und Verlierer

Sehr mobil und anpassungsfähig sind hingegen die Insekten. Diese bevorzugen die Wärme, können in nur einem Jahr mehrere Generationen durchlaufen und sich schnell an veränderte Bedingungen anpassen. Grosse Säugetieren stellen sich eher langsam auf die Erderwärmung ein. Bereits geringe Temperaturänderungen verschlechtern die Fruchtbarkeit sowie die Versorgung der Embryos, was bei Kühen nachgewiesen wurde. Noch stärker sind die Bewohner der Polarregionen betroffen. Forscher der Duke Universität meldeten in «Plos ONE», dass Robbenbabies in Kanada sterben, weil der eisige Lebensraum schmilzt. Doch die Erderwärmung macht nicht nur dem Norden, sondern noch mehr den Tropen zu schaffen. Die dort lebenden Tiere könnten dadurch unter ständigem, körperlichem Stress leiden, weil diese kaum saisonale Temperaturschwankungen wie in den gemässigten und arktischen Regionen gewohnt sind. Weiterhin fand man heraus, dass die Erderwärmung viele Lebewesen schrumpfen lässt. So hat sich die Körpergröße einiger Fischarten in den letzten Jahrzehnten halbiert, was sich auch negativ auf deren Fruchtbarkeit auswirkt. Gibt es weniger Fische, geht auch den Raubfischen die Beute aus, was sich in der Nahrungskette bis zum Menschen fortsetzt (Originalquelle: «Proceedings of the National Academy of Sciences», 2009). Insbesonders die Parasiten, profitieren von der Erderwärmung. Dazu untersuchten britische Forscher von Würmer befallene Stichlinge. Die Parasiten wuchsen im warmen Wasser vier Mal schneller. Die Folge: Die Fische waren von kleiner Statur und legten weniger Eier. (Originalquelle: Global Change Biology, 2011)

Ob Süden oder Norden - die Ökosysteme reagieren auf die globale Erderwärmung. Es wird befürchtet, dass sich teils unumkehrbare Veränderungen einstellen: Ganze Nahrungsketten könnten sich auflösen, Arten aussterben und Exoten einheimische Lebewesen verdrängen. Besonders wärmeaffine und eher anspruchslose Arten profitieren von der globalen Erderwärmung. Wer jedoch in einer engen Nische lebt, ist durch die neuen Verschiebungen gefährdet. Nach und nach geraten die eingespielten Ökosysteme aus dem Takt. Je mehr das Thermometer bis 2100 steigt, desto stärker spüren Pflanzen, Tiere oder Menschen die Folgen.

Quellen: FAO  idw  eurekalert.org  Europäische Union  Ökologische Forschungsstation Schlüchtern / Dr. Miriam Pampus  spiegel-online  ETHZ / ETH Life  Umwelt 3/2011  plosone.org  sinexx  Hotspot 16/2007  RFF REPORT / Running & Mills 2009

Text: Kerstin Borowiak

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