Lavendel richtig schneiden für sommerlichen Duft- und Farbenrausch

Lavendel schneiden ist wichtig für kompakten, schön verzweigten Wuchs und eine reiche Blüte der mediterranen Pflanzen. Wie Sie den Rückschnitt im Frühjahr und nach der Blüte im Sommer machen.

Wie und wann Sie am besten Ihren Lavendel schneiden
Eine Farbenpracht und einen intensiven Duft im eigenen Garten: Dafür sollten Sie Ihren Lavendel richtig schneiden! Foto: © iStock / Thinkstock
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Der Lavendel hat seine Heimat im Mittelmeerraum und ist an Hitze, Trockenheit und nährstoffarme, kalkhaltige Böden perfekt angepasst. Es gibt heute mehr als 200 Arten dieser Pflanzengattung, von denen einige weit mehr als einen Meter Durchmesser haben. Andere Pflanzen der Gattung Lavandula wiederum bleiben mit etwa 30 Zentimetern Höhe schön kompakt.

Die Herkunft der Pflanzen macht sie zu einer der anspruchsloseren Garten- und Topfschönheiten. Bei richtiger Pflege kann Lavendel mindestens 10 Jahre oder sogar noch älter werden und auch in raueren Gegenden zwei Mal im Sommer blühen. Für die richtige Pflege braucht's nicht viel! Mulch, Dünger oder Nässe nimmt der sonnen- und wärmehungrige Lavendel übel. Er wächst nur spärlich, gedüngt bekommt er lange, herabhängende Triebe, was übrigens auch an schattigen Standorten der Fall ist.

Warum zurückschneiden beim Lavendel so wichtig ist

Für ansehnliches, kompaktes Wachstum und üppige Blütenpracht darf dagegen der richtige Schnitt nicht vernachlässigt werden. Lavendel ist eine Pflanze, die man auch Halbstrauch nennt und dessen Triebe ohne regelmässiges Zurückschneiden mit den Jahren von unten her verholzen und kahl werden. Erhalten Lavendel dagegen den richtigen Schnitt, begeistern Sie lange. Ganz gleich, ob im Topf oder Beet.

Erster Schnitt im Frühling

Egal ob im Beet oder im Kübel - Ihrem Sommerblüher verpassen Sie zwei Mal im Jahr einen korrekten Rückschnitt. Den ersten Schnitt erhält die Pflanze im Frühling. Hier kann es zu regionalen Unterschieden beim richtigen Schnitttermin kommen, der abhängig vom Klima am Standort ist. Für den idealen Zeitpunkt des ersten Schnitts wählt der Gärtner die Zeit um Anfang bis etwa Mitte April. Dies ist dann etwas abhängig davon, wann bei Ihnen das Frühjahr durchstartet und die Pflanzen sichtbar wachsen. Mancherorts oder bei besonders langen Wintern kann dieser Zeitpunkt später sein und von Jahr zu Jahr etwas variieren.

Zu diesem Zeitpunkt schauen Sie sich jedenfalls die Pflanze mal genauer an. Mit einer scharfen Gartenschere bewaffnet, blicken Sie Richtung Boden, auf die Mitte (plus-minus) der Pflanze. Da befinden sich nun mehr oder weniger bodennah neue Triebe. Sind diese deutlich sichtbar und ist erstmal kein Frost zu erwarten, dann erfolgt der Rückschnitt.

Hier gilt es zu unterscheiden: Die noch eher jungen Lavendel benötigen meist einen stärkeren Rückschnitt bis auf etwa die Hälfte oder gar zwei Drittel, bei älteren Lavendelsträuchern wird in der Regel weniger Grünmaterial beim Schnitt entfernt. Geschnitten wird hier etwa ein Drittel. Aber: Das ist immer von den jeweiligen Pflanzen abhängig und wo Sie die ersten Austriebe sehen.

Das alte Holz nennt der Profi jenen Bereich in dem Echter Lavendel, wie die Pflanze korrekterweise heisst, keine neuen Austriebe mehr bildet. Das ist meist mit zunehmendem Alter der Fall. Oder bei vorheriger, schlechter Pflege wenn der Schnitt ausblieb oder schlecht gemacht wurde. In dieses alte Holz sollten Sie möglichst nicht schneiden. Stattdessen schauen Sie, wo die meist erst wenige Zentimeter langen neuen Triebe austreiben. Hier können Sie 2, 3 am jeweils alten Trieb stehen lassen. Über solch einem Austrieb schneiden Sie nun wenige Millimeter darüber den jeweiligen Zweig ab. Ob Sie jetzt 2 oder 5 dieser Austriebe stehenlassen, ist sekundär.

Ist ein Trieb definitiv tot oder abgefroren, was durchaus mal passieren kann, dann wird er bodennah entfernt. Wird er Jahr für Jahr so geschnitten, dann haben Sie lange Freude an kompakt und gesund wachsenden Pflanzen, die eine schöne Form beibehalten.

Übrigens: Je später Sie den Lavendel schneiden, desto später geht der mediterrane Star in die Blüte.

Der Rückschnitt im Sommer

Strenggenommen ist der Sommerschnitt kein Rückschnitt, sondern allenfalls ein Pflegeschnitt. Hierbei schneiden Sie direkt nach der vollen Blüte den verblühten Lavendel so, dass Sie lediglich die Blütenstände entfernen. Meist sieht man unter dem leicht erhaben stehenden Blütenstängel zwei parallel stehende Austriebe. Diese stehen bereits startbereit, um ein zweites Mal Blüten zu bilden.

Warten Sie mit diesem Schnitt nicht zu lange, denn schnell bilden die Pflanzen Samen und blühen sehr wahrscheinlich kein zweites Mal. Der Sommerschnitt ist auch nicht ratsam, wenn die Blüte bis weit in den August hineinreicht und der Standort in einer besonders rauen Region ist. Das könnte bei frühen Frostnächten mehr schaden als nutzen.

Lavendel im Herbst schneiden?

Jetzt müssen Ordnungsfanatiker, die den Garten im Herbst aufräumen, stark sein. Denn: Diese Pflanzen im Herbst zu schneiden ist keine gute Idee. Nicht nur in sehr rauen Gegenden kann das den Pflanzen schaden. Denn so sind sie dem Frost stärker ausgesetzt, was erhebliche Schäden auslösen kann. Schneiden Sie daher die Sträucher wirklich nur im Frühjahr und Sommer.

Lassen Sie den Halbstrauch daher besser bis zum Frühjahr in Ruhe. Nebenbei: Sieht er so auch noch schön über den Winter aus. Manche Vögel wie Sperlinge schätzen sogar die noch anhaftenden Samen als willkommenes Winterfutter.

Vernachlässigten Lavendel radikal zurückschneiden

Haben Sie in Ihrem Garten ein bereits sperriges Exemplar mit langen stark verholzten Ästen, ist eine Radikalkur die einzige Möglichkeit, den Lavendel durch Schneiden eventuell noch zu retten. Für diesen radikalen Rückschnitt schneiden Sie den Lavendel beherzt etwa 10 - 15 Zentimeter über dem Boden ab. Mit diesem Schnitt sollten Sie aber bis zum Sommer warten, da stehen die Chancen für einen erneuten Austrieb aus dem Holz noch am besten.

Wussten Sie übrigens, dass Lavendelöl aufgrund der Vielfalt seiner positiven Wirkungen auch das «Schweizer Messer» der Aromatherapie genannt wird? Lesen Sie hier, wie Sie Lavendelöl selber machen und wie es wirkt.

Tipps vom Profi zum Lavendel Schneiden im Garten

Lavendel richtig pflanzen

  • Ausser beim Schnitt können Sie auch bei der Pflanzung Fehler machen. Gleich ob im Topf oder Beet, die Pflanze mag eine durchlässige Erde.
  • Durchlässig nennt der Fachmann die Beet- oder Topferde, wenn sie schlecht Wasser speichert und vergleichsweise schnell abtrocknet. Normale Blumenerde ist daher nicht so richtig optimal.
  • Auch eine lehmige, wasserhaltende Gartenerde ist suboptimal und kann die Lebensdauer der Pflanze reduzieren.
  • Tipp für Beetgärtner: Geben Sie, wenn vorhanden, beim Pflanzen der Erde etwas Sand oder Splitt hinzu. Hierzu ein ausreichend grosses Pflanzloch graben, die Erde mischen und den Lavendel einsetzen.
  • Tipp für Topfgärtner: Genauso die Erde vorbereiten, oder nährstoffarme Kräutererde verwenden, gerne auch etwas Blähton oder Kies auf den Topfboden geben. Die Abzugslöcher sollten sich nicht zusetzen. Ideal: Scherben alter Töpfe verhindern das Zusetzen des Abzugs. Zudem im Winter einen eventuell vorhandenen Topfuntersetzer entfernen und eher geschützt aufstellen.
  • Düngen müssen beide die Blühpflanze nicht, nach dem Setzen wird der Halbstrauch gut angegossen.
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