Raum und Ressourcen besser genutzt

Kleine Gärten für Städter: U-Farms.

Kleine U-Farms können überall angelegt werden. Foto: arinahabich, iStock, Thinkstock

Die neuen Bauern wollen zum einen kleine Anlagen möglich machen, so genannte «U-Farms», die beispielsweise in Containern untergebracht sind. So sieht man sie vor dem Hub Zürich. Und Anfang Juni feierten sie im Berliner Kulturzentrum Malzfabrik die Premiere ihres Minischrebergartens 2.0 in Deutschland. In einem umgebauten Schiffscontainer, der mit einem Glashaus als Dach versehen ist, sollen auch Berliner auf kleinstem Raum ihr täglich Gemüse anbauen. Auf dem Dach der Malzfabrik soll eine Aquaponic-Urban Farm entstehen. Denn das ist das zweite Ziel: Flächen zur Zwischennutzung für Fischanlagen finden. Und weil Probleme wie das der Lebensmittelknappheit in der Schweiz weniger dringlich ist als in ärmeren Staaten, ist für Andreas Graber klar, dass Zürich nur ein Testballon ist: «Ich will, dass das Prinzip hier funktioniert. Dann kann man es auch weltweit einsetzen.»

«keinkaufswagen» statt Einkaufswagen

Die Mitmach-Hürde ist in Basel geringer. Und das ist von den Initianten der Aktion «keinkaufswagen» auch so gewollt - Städter sollen merken, wie viel Spass und wie stolz es macht, Selbstgezogenes zu geniessen. Während drei öffentlichen Pflanzaktionen haben in diesem Jahr bereits 150 Menschen 115 ausrangierte Einkaufswagen zu mobilen Gemüsegärten umgestaltet. Erfunden von der 25-jährigen Tilla Künzli, wird hierbei in einen alten Einkaufswagen Erde geschüttet und dann bepflanzt. So einfach ist das. Und für wen das immer noch zu schwer ist, der findet Gärtnertipps und persönliche Hilfe auf der Webseite der Organisatoren. Auf gemeinsamen Picknicks wird das Gewachsene dann verspeist.

Der Bauernhof im Hochhaus

Ein Vorreiter des städtischen Bauerntums ist Dickson Despommier, Professor für Umweltgesundheit und Mikrobiologie an der Columbia University in New York. Er hat mit seinen Studenten die Idee des «Vertical Farmings» entwickelt. Denn Kleingärten und Gewächshäuser auf den Dächern des Big Apple wurden immer beliebter. Doch er denkt in grossen Dimensionen: In mehrstöckigen Gebäuden, so genannten Farmscrapers, soll dem Konzept nach Landwirtschaft mitten in Städten möglich sein. So soll bis zu zehnmal mehr Ertrag als in traditionellen Gewächshäusern möglich sein. Auf den diversen Ebenen der «hängenden Gärten» könnten auf Basis von Hydrokultur und Kreislaufwirtschaft Früchte wachsen, Gemüse, Speisepilze und Algen. Und auch Tiere wie Huhn und Henne oder Schwein sollen dort glücklich werden. Solar- und Biogasanlagen liefern die notwendige Energie. Lang könnte es nicht mehr dauern, bis erste Farmscrapers eröffnet werden – unter anderem in New York und in Suwon, einer Satellitenstadt vor den Toren Seouls, laufen Planungen zur Realisierung.

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Text: Yvonne von Hunnius