Pflanzen in der Schweiz: Bereits jede dritte auf der Roten Liste

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Saftige Wiesen, einsame Wälder und fruchtbare Felder, auf denen nicht nur Getreide steht, sondern sich auch Schweizer Wildpflanzen ein kleines Fleckchen Erde erobert haben. Das war einmal, denn sich selbst überlassene, natürliche Habitate sind immer seltener zu finden. Daher sind viele Pflanzen der Schweiz in grosser Gefahr.

Pflanzen in der Schweiz: Bereits ein Drittel auf Roter Liste
Viele Pflanzen in der Schweiz sind heute nur noch selten zu sehen. 48 Prozent der Pflanzen sind gar auf der Roten Liste oder stehen kurz davor. Foto: Daniel Bärtschi, iStock, Thinkstock

Gut ein Drittel der über 3‘000 ermittelten Schweizer Pflanzen- und Pilzarten sind gefährdet, wie das Schweizer Bundesamt für Umwelt berichtet. 105 Pflanzenarten sind in den letzten 150 Jahren sogar komplett von Schweizer Wiesen und aus Wäldern verschwunden. Lediglich 52 Prozent der Schweizer Pflanzen sind noch nicht bedroht.

Die Zahl der ausgestorbenen Pflanzen mag zunächst nicht sonderlich viel klingen. Doch der stetige Zuwachs an Bebauung und das Verschwinden natürlicher Lebensräume wird die Zahl der bedrohten Pflanzen in naher Zukunft weiter in die Höhe schnellen lassen. Und so manch zartes Pflänzchen wird seines Lebensraums beraubt werden und bald ebenso verschwinden.

Zwar können Pflanzen auch aus ganz natürlichen Gründen aussterben, doch spätestens seit 1960 sind der Mensch und sein EIngriff in die Natur Grund Nummer eins für das Aussterben vieler Pflanzen.

Bedrohte Pflanzen: Ein Kreislauf

Pflanzen dominieren den Grossteil vieler Lebensräume, sind die Basis für das Vorkommen, das Überleben zahlreicher Tierarten. Fehlen die entsprechenden Pflanzen, selbst wenn nur ihr Bestand zurückgeht, kann auch manche Tierart bedroht sein. Beste Beispiel: Hungernde Vögel, die keine Nahrung finden, oder die emsigen Bienen, die sich von ihren schmackhaften Lieblingsblumen verabschieden mussten. Viele Lebensräume wären erst gar nicht so wie wir sie kennen, gebe es nicht die entsprechenden Pflanzen. Moore sind hierfür ein gutes Beispiel.

Pflanzen der Schweiz: Unzählige sind bedroht

Das Dilemma im Pflanzenschutz ist gross, die Zahl der gefährdeten Pflanzen so umfangreich, dass man sich von Seiten des Staates und einiger Umweltverbände entschloss, sogenannte prioritäre Arten besonders zu schützen. Daher wurden Proiritäten in Sachen Artenschutz gesetzt. Jene Pflanzen mit der höchsten Bedrohung und solche von internationaler Bedeutung profitieren daher am meisten von Schutzmassnahmen. Und diese greifen sehr gut, wie beispielsweise der flächendeckende und konsequente Schutz der Schweizer Moore.

Bedrohung für Schweizer Pflanzen: Invasive Neophyten

Sowohl absichtlich als auch unabsichtlich eingeführte neue Arten können für Pflanzen in der Schweiz zum Problem werden. Wie das Nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora, infoflora, berichtet, gibt es einige Sorten, die sich sehr leicht vermehren und so manch heimische Pflanze verdrängen. Sie werden invasive Pflanzen oder invasive Neophyten genannt.

Sogar für den Menschen gefährlich werden können zwei Sorten, der Riesen-Bärenklau und das Beifussblättrige Traubenkraut, auch Ambrosia genannt. Beide lösen starke allergische Reaktionen aus. Ist es beim Riesen-Bärenklau der ätzende Saft, der die Haut stark schädigen kann und schon bei Annäherung an die Pflanze eingeatmet zu Atemnot führen kann, so sind es bei der Ambrosia sehr aggressive Pollen, die nicht nur Heuschnupfenallergiker im wahrsten Sinne des Wortes die Luft abschnüren können. In Deutschland, ebenfalls stark von diesen Arten betroffen, gibt es folgende Berechnung: Je nach Ausbreitung wird mit jährlichen Mehrkosten im Gesundheitswesen von 190 Millionen bis 1,2 Milliarden Euro gerechnet. Übrigens: Der geliebte Sommerflieder gehört ebenfalls dazu. Er samt sich allzu leicht aus und macht schon heute so manchem Schweizer Pflänzchen Konkurrenz.

Jeder kann Pflanzen der Schweiz helfen

Die Schweizerische Kommission für den Erhalt von Wildpflanzen macht es dem Hobbygärtner und Landwirt leicht. Denn sie hat Empfehlungen für den Anbau und die Verwendung von Pflanz- und Saatgut einheimischer Wildpflanzen herausgegeben. Diese können auf landwirtschaftlichen Ausgleichsflächen genauso ausgebracht werden wie im heimischen Garten. Auch Frau Biene und Herr Lerche werden es danken. Der bedrohte Vogel mag zwar keine Blumen, die darunter angesiedelten Regenwürmer indes schon. Empfehlungen für die richtigen Pflanzen finden Sie in dieser Broschüre.

Die Rote Liste der Schweizer Pflanzen des Bundesamt für Umwelt finden Sie hier.

Quellen: Kanton Bern, stern, Apotheken Umschau, Stiftung Warentest, Text: Jürgen Rösemeier-Buhmann