Spektakulärer Vier-Quellen-Weg: Auf den Spuren unserer Flüsse

Der Vier-Quellen-Weg ist ein spektakulärer Wanderweg. Auf 85 Kilometern und in einzelnen Etappen entdecken Sie im traumhaften Gotthardmassiv vier Quellen grosser Schweizer Flüsse.

Vier-Quellen-Weg im Gotthardmassiv: Wandern zu den Quellen unserer Flüsse
Foto: © Stiftung Vier-Quellen-Weg im Gotthardmassiv (Reussquelle fliesst in den Lucendro Stausee)
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Der Vier-Quellen-Weg: Vom Oberalppass zum Rhonegletscher

Der Vier-Quellen-Weg ist einmalig. Sobald der Schnee etwa Mitte bis Ende Juni den Weg für die Sommerwanderung freigegeben hat, lädt die Natur zwischen dem Oberalppass und dem Rhonegletscher zur Entdeckung der Quellen von gleich vier grossen Flüssen ein. Denn hier oben im Gotthardmassiv entspringen Rhein, Reuss, Ticino und Rhone.

In etwa 32 Stunden reiner Wanderzeit und mit jeweils 6‘000 Höhenmeter Auf- und Abstieg auf gut gesicherten Bergwanderwegen ist diese Wanderung in der Zentralschweiz auch für Familien geeignet.

Start ist nach der Anreise mit der Matterhorn-Gotthard-Bahn am 2‘000 Meter hochgelegenem Oberalppass.

Praktisch: Am Anfang und Ende jeder Etappe haben Sie Anschluss an öffentliche Verkehrsmittel.

Etappe 1: Vom Oberalppass zur Vermigel-Hütte

Tipp: Die Vermigel-Hütte wird im Sommer von Ende Juni - Mitte Oktober bewartet. Voranmeldung ist hier, wie bei den folgenden Hütten, unbedingt ratsam! Trotz Erweiterung für 2018 bietet die Vermigel-Hütte nur 36 Schlafplätze!

Auf der ersten Etappe des Vier-Quellen-Weges sind Sie etwa fünfeinhalb Stunden unterwegs. Auf 14,4 Kilometern folgen Sie den gelben Wandertafeln. An diesem Tag geht es zunächst hinauf in Richtung des etwa 300 Meter höher gelegenen Tomasee. Hier erwartet den Wanderer mit dem Rhein bereits die erste Quelle. Traumhafte Aussichten laden hier zum Verweilen ein. Diese Station ist gleichzeitig die höchste für diesen Tag.

Weiter geht es zur Maighels-Hütte, die zu einer wilkommenen Stärkung einlädt, ehe es über den gleichnamigen Pass hinunter zur 2‘042 Meter hoch gelegenen Nachtstation geht. Hier auf der Aussichtsterrasse «Sunbiel», hoch über Andermatt, lässt es sich prima einen phantastischen Wandertag ausklingen.

Vier-Quellen-Weg im Gotthardmassiv: Wandern zu Quellen unserer Flüsse

Foto: © Stiftung Vier-Quellen-Weg im Gotthardmassiv (Lai Urlaun in der Nähe der Maighelshütte im Val Maighel)

Etappe 2: Hoch hinaus und zum Gotthardpass

Am 2. Tag der Vier-Quellen-Wanderung und über alte Saumpfade erreichen Sie den höchsten Punkt der ganzen Tour, den Piz Giübin mit seinen stolzen 2‘776 Metern Höhe. Der Berg sitzt wie ein Grenzstein zwischen den Kantonen Uri und Tessin, er ist felsigkarg und bietet phantastische Aussichten.

Vier-Quellen-Weg im Gotthardmassiv: Wandern zu Quellen unserer Flüsse

Foto: © Stiftung Vier-Quellen-Weg im Gotthardmassiv (Aufstieg von der Vermigel-Hütte zum Sellapass.)

Vom Piz Güibin geht es über den Sellapass und dem Grat in Richtung Passo Posmeda felsige Hänge hinunter. Stetig bergab geht es nun zum Lago della Sella, der in tiefem Blau erstrahlt. Von hier aus ist es nicht mehr weit, bis man die Strasse Richtung Gotthardpass erreicht; beinahe 700 Meter unterhalb des höchsten Punktes der Wanderung. Die Albergo San Gottardo bietet hier die ersehnte Verpflegung und Unterkunft. Auf dieser Etappe des Vier-Quellen-Weges haben Sie 12,8 Kilometer in etwa fünfeinhalb Stunden reiner Wanderzeit zurückgelegt.

Etappe 3: Vom Gotthardpass zur Reussquelle

Mit 20,6 Kilometer erwartet Sie auf der dritten Etappe des Vier-Quellen-Weges der längste Abschnitt der Tour. Diesen sollten Sie – abgesehen von den Pausen zum Verschnaufen und Staunen – in siebeneinhalb Stunden bewältigen können.

Zunächst wandern Sie hier am dunkelblauen Lucendro-Stausee entlang, zunächst gemächlich, dann immer steiler werdend, ehe Sie am Fusse des gleichnamigen Passes die Reussquelle entdecken. Mit der Überquerung des Passes auf über 2‘500 Metern Höhe haben Sie für heute den höchsten Punkt der Tour erreicht. Ab hier befindet sich der Wanderer bereits im Tessin.

Vier-Quellen-Weg im Gotthardmassiv: Wandern zu Quellen unserer Flüsse

Foto: © Stiftung Vier-Quellen-Weg im Gotthardmassiv (Vor der Piansecco-Hütte,1982 m)

Tipp: Die Capanna Piansecco ist ein beliebtes Ausflugsziel für Familien, da von hier aus jede Menge Ausflüge locken. Hier lohnt es sich, einen Tag zu Verweilen.

Von nun an geht es eher bergab, wie etwa über einen steilen Zickzack-Pfad zur Alp Rosso di Fuori. Ab hier führt der Vier-Quellen-Weg auf einem breiten Wanderweg weiter zu den Ri di Cavanna, Ri di Bedretto und Ri di Ronco. Bei letzterem unterschreitet man knapp die 2‘000 Höhenmetermarke.

Nach einer sehr aussichtsreichen Höhenwanderung über das Bedrettotal erreichen Sie das Tagesziel, die Piansecco-Hütte.

Etappe 4: Ticino-Quelle, zu Füssen des Nufenpasses

Auch heute geht's nochmals hoch hinaus, denn der 450 Meter höher gelegene Nufenenpass wartet auf Sie. Auf der fast 20 Kilometer langen Etappe geht es zunächst weiter durch das Bedrettotal, bis Sie zu Füssen des Nufenenpasses die Ticino-Quelle erreichen. Ein idealer Platz für eine kleine Rast.

Vier-Quellen-Weg im Gotthardmassiv: Wandern zu Quellen unserer Flüsse

Foto: © Stiftung Vier-Quellen-Weg im Gotthardmassiv (Von der Piansecco-Hütte Richtung Nufenenpass)

Die Wanderung bietet gerade auf dieser Etappe besonders abwechslungsreiche Gebirgs- und Tallandschaften, Feuchtbiotope und eine atemberaubende Rundumsicht vom Nufenenpass.

Weitere Highlights: Die Querung einer wilden Schlucht über eine Hängebrücke, Murmeltiere auf der Tour und am Ziel in Obergesteln der vermutliche älteste Baum der Schweiz – eine etwa 1‘500 Jahre alte Lärche.

Vier-Quellen-Weg im Gotthardmassiv: Wandern zu Quellen unserer Flüsse

Foto: © Stiftung Vier-Quellen-Weg im Gotthardmassiv (Auf dem Weg zum 4. Etappenziel Obergesteln, Goms)

Tipp: Eine aus mehreren Unterkünften in Ulrichen oder Obergesteln – Hotels und Pensionen – können sie über obergoms.ch buchen.

Nach 7 Stunden und einer tollen Wanderung erreichen Sie die Unterkunft vor der nächsten Etappe am tiefsten Punkt (1‘366 m) in Obergesteln oder im benachbarten Ulrichen. Beide bieten Übernachtungsmöglichkeiten im Hotel.

Etappe 5: Von Obergesteln zur Rhone-Quelle

Heute wird es nochmals anspruchsvoll, denn die letzten 17 Kilometer zur Rhone-Quelle haben einige fordernde Anstiege. So geht es auf der letzten Route des Vier-Quellen-Weges peu à peu von 1‘355 Meter hinauf auf 2‘429 Meter. Dieser höchste Punkt, der kurz vor dem Ziel erreicht ist, ist der Furkapass. Er ist Teil der europäischen Wasserscheide, liegt in unmittelbarer Nähe des Rhonegletschers und bietet malerische Aussichten in das Rhonetal.

Vier-Quellen-Weg im Gotthardmassiv: Wandern zu Quellen unserer Flüsse

Foto: © Stiftung Vier-Quellen-Weg im Gotthardmassiv (Auenlandschaft bei Gletsch, Rückzugsgebiet des Rhonegletschers)

Die Wanderzeit der letzten Etappe beträgt rund siebeneinhalb Stunden. Zunächst geht es einige Kilometer fast eben durch eine traumhafte Landschaft, ehe hinter Oberwald (VS) allmählich und über mehrere Kilometer stetig bergauf gewandert wird.

Auf den insgesamt 1‘600 zu überwindenden Höhenmeter entdecken Sie mit den Hotels Glacier du Rhône in Gletsch und Belvédère beim Furkapass alte Zeugen eines Tourismusbooms am Fusse des Rhonegletschers. Der Blick auf den Gletscher selbst ist, neben der bald folgenden Rhone-Quelle, ein abschliessendes Highlight auf der wunderschönen Wanderung.

Vier-Quellen-Weg im Gotthardmassiv: Wandern zu Quellen unserer Flüsse

Foto: © Stiftung Vier-Quellen-Weg im Gotthardmassiv (Die Quelle der Rhone entspringt beim Rhonegletscher)

Das Hotel Belvédère bietet nach diesen fünf Tagen auf dem Vier-Quellen-Weg eine gute Übernachtungsmöglichkeit. Oder aber Sie wandern noch etwas weiter Richtung Andermatt. Dort erwarten Sie weitere Übernachtungsmöglichkeiten.

 

Autor: Jürgen Rösemeier-Buhmann