«Ich habe einen ganz direkten Bezug zum Openair-Boden»

Das Essenszeit am Spitzen Openair.

Spitzen Openair: Ein Bio-Speisezelt im Grünen. Foto: privat

Welche Kriterien werden bei der Programm-Zusammenstellung beachtet? Dürfen nur nachhaltige Bands am Spitzen Openair auftreten? 

Nun, schwierig zu definieren was Nachhaltigkeit für Bands überhaupt bedeutet. Wichtig ist uns aber, dass der Fokus auf Bands aus der Region liegt. Wir hatten zwar auch schon internationale Künstler bei uns, wir setzen den Schwerpunkt aber bewusst nicht darauf. In erster Linie natürlich aus budgettechnischen Gründen, aber auch, weil wir lokalen Bands eine Auftrittsmöglichkeit geben möchten. Für uns ist das eine Art von «kultureller Nachhaltigkeit». Bands, die in den letzten zehn Jahren hier einen ihrer ersten Auftritte haben, sind heute europaweit bekannt. So zum Beispiel die Laufentaler Grunge-Rockband Navel, die inzwischen sogar schon in den USA getourt hat.

Das Bandbudget könnten Sie aber effektiv durch die Positionierung von Werbung erhöhen.

Könnten wir, klar, das liegt unserer Philosophie aber fern. Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, Werbepartnerschaften einzugehen. So können wir auf die das Naturbild störenden Werbebanner verzichten und unseren schönen Flyern werden keine unpassenden Logos aufgedrückt. Wegen dieser Entscheidungen können wir keine schwindelnd hohen Gagen vergeben – gratis musste bei uns aber noch niemand spielen. Das wäre nämlich auch nicht nachhaltig. Seit rund 3 Jahren werden wir jedoch durch Gönner finanziell unterstützt. Dies sind zum Teil Firmen aber auch Private, welche immerhin auf dem Web-Auftritt erwähnt werden und jeweils als kleines Dankeschön zu einem reichhaltigen Apéro ans Festival eingeladen werden.

Spitzen Openair by night: Keine Überbeleuchtung!

Auch nachts ist die Stimmung am Spitzen Openair traumhaft: Die Organisatoren beleuchten bewusst nur das Mindeste. Foto: privat

Ist es immer möglich, mit Ihrer nachhaltigen Linie gewissen Ansprüchen der Künstler gerecht zu werden? 

Viele Bands bringen ihre eigenen Ton- und Lichttechniker mit. Diese möchten natürlich immer ihr Bestes zeigen und lassen sich selten gleich davon überzeugen, dass wir viel mehr Wert auf einen schonenden Stromverbrauch als auf eine imposante Lichtshow setzen. Aber da wir bei der Gage schon knauserig sein müssen, sind wir was Equipment und Technik betrifft eher nachsichtig. Besonders, seit die LED-Technik geschliffener ist. Dank der LED-Lampen sparten wir bei der vergangenen Ausgabe bis zu 30 Prozent Energie.

«Green Events» wie das Spitzen Openair sind heute noch eine Seltenheit. Was muss passieren, damit sie alltagstauglicher werden?

Was die Veranstalter von Riesenevents daran hindert, nachhaltiger zu handeln, sind bestimmt Preis und Aufwand. Das sind kommerzielle Veranstaltungen, die ihr Tun mehr nach dem Profit ausrichten. Nachhaltigkeit hat da leider nach wie vor zu wenig Platz.
Die Besucher hingegen müssen weiterhin stark sensibilisiert werden. Viele rümpfen die Nase, wenn wir kommunizieren, dass am Spitzen Openair nur Bio-Gerichte serviert und Bio-Getränke ausgeschenkt werden. Wenn sie aber merken, dass Bio-Käse super fein ist oder dass Bio-Bier der lokalen Brauerei würziger ist als das der holländischen Riesen, kommen sie gerne zu uns. Die Gesellschaft muss darauf aufmerksam gemacht werden, dass für gewöhnlich an Festivals nur Schrott gegessen wird und dass die Openairs nur auf grünem Boden stattfinden können, weil sich das ganze Jahr über jemand um das Land kümmert. Nachhaltigkeit soll unbedingt auch im Freizeit- und Unterhaltungsbereich die Norm sein!

 

Florian Buchwalder (38), Bio-Bauer.

Florian Buchwalder (38) ist verheiratet und Vater eines kleinen Jungen (1,5 Jahre). Der gelernte Meisterlandwirt ist Bauer auf seinem Bio-Hof Spitzenbühl im Kanton Baselland. Auf dem Hof leben behornte Kühe, Rinder und Kälber, mit deren Milch zunehmend eigenverarbeitete Produkte hergestellt werden. Am Wochenmarkt in Laufen verkaufen Buchwalder und seine Frau wöchentlich Käse, Fleisch- und Obstprodukte. Diese werden auch an Gastronomiebetriebe in der Region verkauft. Buchwalder ist Vorstandsmitglied der Schweizer Bauernorganisation «Uniterre» und wird demnächst den Posten als Präsident der «Uniterre Nordostschweiz» übernehmen. Bei Uniterre setzt er sich für die Förderung der Vertragslandwirtschaft und für die Durchsetzung der Ernährungssouveränität in der Ernährungs- und Agrarpolitik ein. Das Spitzen Openair, das er mit viel Herzblut entwickelt hat, findet auch dieses Jahr Mitte August auf dem Spitzenbühl statt. (Foto: privat)

 

 

Interview und Text: Sabrina Stallone - Februar 2012