Klimaschutz im Wintersport: Skigebiete fangen an umzudenken

Wer an Umweltschutz denkt, dem kommen Skigebiete nicht unbedingt als erstes in den Sinn. Wir haben bei Daniela Bär von Schweiz Tourismus nachgefragt, was auf und neben den Pisten für den Schutz der Natur unternommen wird und wie viel das wirklich bringt.

Für den Klimaschutz kann in Skigebieten noch viel getan werden
Foto: Hemera, iStock, Thinkstock
  • 1

Am nachhaltigsten für die Umwelt wäre es, das Skifahren komplett abzuschaffen. Doch ganz auf Touristen verzichten, die sich im Winter auf den Bergen tummeln, würde enorme finanzielle Einbussen für die betroffenen Regionen bedeuten. Ausserdem, bei aller Freude an einem nachhaltigen Lebensstil, auch von uns sausen bestimmt einige hin und wieder gern auf Skiern oder dem Snowboard die Piste runter.

Dieses Dilemma ist auch den Betreibern vieler Wintersportgebiete nicht entgangen. Darum schreiben sich immer mehr Regionen Nachhaltigkeit auf die Fahnen. Und laut Daniela Bär, Leiterin Internationale Medienarbeit und Unternehmenskommunikation bei Schweiz Tourismus, können Skigebiete auch so einiges tun, um die Natur besser zu schützen. «Das Engagement ist sehr gross. Zahlreiche Regionen in der Schweiz suchen umweltfreundliche Lösungen», erklärt sie und verweist unter anderem auf das «entschleunigte» Skigebiet Schatzalp in Davos. Dort wird inzwischen komplett auf Kunstschnee verzichtet. Das heisst: Spass im Naturschnee garantiert, so lange es die Temperaturen eben zulassen.

Andere Skigebiete setzen bereits auf autofreie Städte, zum Beispiel Zermatt. «Hier fahren nur Elektromobile, Elektrobusse und Pferdekutschen. Gäste und Einwohner gehen zu Fuss», wird auf der Internetseite der Stadt erklärt. Saas Fee macht dabei auch mit und trägt zusätzlich das Label «Energiestadt», das an Gemeinden verliehen wird, die sich besonders für eine nachhaltige Energie- und Verkehrspolitik einsetzen.

Weitere Beispiele sind der erste Solarskilift im Safiental sowie eine solarbetriebene Gondel auf der Passhöhe Wildhaus im Toggenburg. Und solche Projekte bringen nicht nur im Skigebiet direkt einen Nutzen. Denn laut den Seilbahnen Schweiz (SBS) könnten diese zukünftig einen deutlichen Beitrag zur regionalen Energiezukunft leisten. «Seilbahnen haben durch ihre Lage in den Bergen und die bestehende Infrastruktur ein grosses Potenzial zur Produktion erneuerbarer Energien», heisst es auf der Internetseite der SBS. Darum sollen sie sich vermehrt durch Strom aus Sonnen-, Wind- und Wasserkraft selbst versorgen. Daraus entstehender überschüssiger Strom könnte ins Netz abgegeben werden und Haushalte mit Energie versorgen. So, wie es der Solarskilift im Safiental schon heute leistet.

Im Vergleich zu anderen Lebensbereichen, wie Lebensmitteln oder Energieversorgung, steht der Ski-Tourismus bei der nachhaltigen Entwicklung zwar noch etwas abgeschlagen. «Beim Thema Nachhaltigkeit ist es wie mit der Qualität: Optimierungsbedarf gibt es immer», fängt dies Daniela Bär auf. Einheitliche Anhaltspunkte oder übergreifende Entwicklungen gibt es in den Skigebieten nämlich noch nicht. Vielmehr bemühen sich die Regionen jeweils auf ihre eigene Weise um mehr Nachhaltigkeit.

Bei vielen Betreibern ist das Thema Umweltschutz aber zumindest angekommen. Und obwohl Skifahren oder Snowboarden nie zu den nachhaltigsten Wintersportarten gehören wird, so fährt es sich in einigen Regionen doch vielleicht mit einem etwas besseren Gewissen die Berge hinunter.

Die Favoriten der Redaktion unter den umweltfreundlichen Skigebieten finden Sie in unserem Artikel «Im Test: Umweltfreundlichkeit der Schweizer Skigebiete».

Quellen: Schweiz Tourismus, seilbahnen.org, Text: Bianca Sellnow