Was Gäste wirklich wollen?

In der «schönsten Zeit des Jahres» wollen sich viele Urlauber nicht auch noch mit Problemen auseinandersetzen. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt eine internationale Studie über die Folgen des Klimawandels im Alpenraum. Und auch der umweltbewusste Gast möchte in seinem Komfort möglichst wenig eingeschränkt sein. Nachhaltige Angebote müssen einen echten Mehrwert bieten um zu überzeugen. Er entsteht vor allem durch unverwechselbare – authentische – Angebote mit denen man anspruchsvolle Zielgruppen erreichen kann.

Klimafreundliche Unterkünfte in der Schweiz
Auch die Alpwirtschaft hat klimafreundliche Angebote. Alpsteingebiet in der Ostschweiz. Foto: Dominik Siegrist
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Ein Gast möchte etwas Schönes erleben von dem er anschliessend zu Hause erzählen kann. So einfach lässt sich das Fazit einer internationalen Expertenrunde zusammenfassen, die in einer Delphi-Umfrage im Projekt ClimAlpTour von ForscherInnen der Hochschule Rapperswil befragt wurden. Insgesamt beteiligten sich 39 Experten aus sechs Alpenländern. Vertreten waren die Tourismusbranche, einzelne Destinationsvertreter und NGO. Eine zentrale Frage zielte auf das Verhalten der Gäste. Nach Auffassung der Experten kann man hier zwei Gruppen beobachten.

Viele Gäste suchen das konventionelle Angebot im Alpenraum und die übliche Infrastruktur. Sie wenden sich im Winter zunehmend den schneesicheren Skigebieten in der Höhe zu und suchen ergänzend Angebote im Wellness oder Indoor-Sport. Diese nach wie vor sehr grosse Gruppe der Gäste Schweizer Tourismusdestinationen nimmt aber kaum noch zu. Immer mehr ältere Menschen verzichten auf Wintersportangebote und fahren im Winter lieber in den Süden. Machtlos beobachten die touristischen Anbieter in den Alpen seit Jahren diesen Trend. Veränderte Freizeitgewohnheiten, günstige Fernreiseangebote, der Kostendruck der Bergbahnen und der starke Schweizerfranken wirken verstärkend.

Eine grosse Minderheit der Gäste setzt sich hingegen mit der aktuellen Entwicklung im Alpenraum auseinander – auch mit den Folgen des Klimawandels. Sie wollen die Bergwelt erleben – ihre Natur ebenso wie ihre vielfältige Kultur. Sie suchen unverwechselbare Erlebnisse und wollen den Urlaubsort in seiner Eigenart kennen lernen. Regionale Produkte und Produktionsweisen finden so ihren Markt – Traditionelles ebenso wie Unerwartetes wie beispielsweise die Biervision in Davos Monstein. Die Landschaft der Alpen ist für diese Gruppe ausschlaggebend – Wandern und Natursport die wichtigsten touristischen Angebote.

Der Tourismus im Alpenraum kann dem Klimawandel trotzen, so das Fazit der Experten. Aber die Angebote müssen an die veränderten Rahmenbedingungen angepasst werden. Sie empfehlen Anpassungsstrategien, die gezielt auf die spezifische Destination angepasst sind und eine Umsetzung in kleinen Schritten. Alpenbegeisterte Gäste kann man auf diesen Weg mitnehmen; sie werden sich noch mehr mit der Region identifizieren. Die grosse Zeit des wintersportgetriebenen Massentourismus ist aber wahrscheinlich vorbei.