Warum wir das Airbnb beim nachhaltigen Reisen weglassen

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Auch auf Reisen muss die Nachhaltigkeit keine Ferien machen. Tipps, um Ihren nächsten Urlaub fair zu geniessen, gibt Christine Plüss im Interview.

Warum Sie das Airbnb beim nachhaltigen Reisen weglassen sollten
Foto: © seb_ra / iStock / Getty Images Plus

Die Koffer packen und ab in die Sonne! Was das betrifft, haben wir Schweizer die Nase vorne. Im Vergleich zu unseren Nachbarländern besteigen wir doppelt so häufig ein Flugzeug, wie der WWF erhoben hat. Dabei gibt es immer viel zu bedenken, angefangen mit dem Zeitpunkt und der Dauer der Reise, bis hin zu dem Urlaubsziel. Dabei noch auf Nachhaltigkeit zu achten ist nicht immer einfach.

Wie Sie ökologisch und sozial nachhaltig Reisen können, hat uns Christine Plüss, die Geschäftsführerin von fair unterwegs, im Interview verraten:

Frau Plüss, was ist das Wichtigste, wenn wir fair unterwegs sein wollen?

Setzen Sie auf Qualität statt auf Quantität. Streichen Sie den Wochenendtrip nach New York und erholen Sie sich stattdessen in der Nähe. Wenn Sie weiter weg gehen, dann bleiben Sie möglichst lange, um die Ferien richtig auskosten zu können.

Wie viele grosse Reisen sind in Ordnung, um noch nachhaltig zu sein?

Eine grosse Reise nach Übersee oder Asien sollten Sie höchstens alle drei Jahre planen.

Wenn wir kleinere Reisen planen, ab wann sollten wir dann auf das Flugzeug verzichten?

Alle Ziele, die unter 1000 Kilometer liegen, können Sie gut mit dem Zug oder auch mit dem Fernbus erreichen.

An unserem Reiseziel angekommen, auf was sollten wir hier besonders achten?

Fragen Sie sich, was die Leute vor Ort von Ihrem Aufenthalt haben. Versuchen Sie, wann immer möglich, die lokale Bevölkerung zu unterstützen. Wählen Sie dafür lokale Hotels und gehen Sie in lokale Restaurants.

Kann das auch gefährlich sein?

Ja. Wir empfehlen nicht in jedem Land in die hintersten Ecken zu gehen. Das ist aber auch nicht nötig, es gibt viele Hotel Resorts, die auf Nachhaltigkeit setzen und mit der lokalen Bevölkerung zusammenarbeiten.

Total im Trend liegen im Moment Airbnbs, was halten Sie davon?

Die ursprüngliche Idee der Airbnbs war sehr gut. Das Wohnen bei Privatpersonen zu Hause unterstützte den direkten Kontakt mit Einheimischen. Leider wurde die Idee zu einem riesigen Geschäftmodell, bei der die lokale Bevölkerung nicht mehr profitiert.

Inwiefern hat das jetzige Geschäftmodell negative Folgen?

Es werden unterdessen oft normale Ferienwohnungen als Airbnb vermietet, denn für diese werden keine Steuern erhoben. Diese Ferienwohnungen liegen oft in den besten Stadtteilen, so schrumpft der Wohnraum für die einheimische Bevölkerung.

Als nachhaltiger Reisender sollten wir also Airbnbs meiden. Was ist noch ein totales No-Go?

Unterwegs sein mit dem Kreuzfahrtschiff. Der CO2 Ausstoss ist immens, zudem sind die Arbeitsbedingungen auf den Schiffen sehr schlecht. Während den Landgängen strömen oft tausende Menschen gleichzeitig an Land, das ist eine totale Überforderung und steigert auch den Unmut der lokalen Bevölkerung gegenüber Touristen.

Worauf Sie bei der Reiseplanung noch achten können

Auf fairunterwegs.org bekommen Sie weitere Tipps für die Planung und den Genuss eines nachhaltigen Urlaubs. Wenn Sie dennoch unsicher sind, können Sie Ihre Fragen in der Facebook Gruppe von fair unterwegs diskutieren.

Betrieben wird die Seite vom Arbeitskreis Tourismus & Entwicklung (Akte). Eine Schweizer Fachstelle die sich mit den sozialen, kulturellen, ökologisch und ökonomische Wirkung des Tourismus auseinandersetzt.

Autor: Olivia Sasse, am 8. Mai 2018