Ferien in ökologischen Jugendherbergen

In den Ferien wird gerade für Familien modern, im Land zu bleiben, regionales Essen zu geniessen, zu wandern und auf den Flug zu verzichten. Von diesem Trend hin zum nachhaltigen Urlaub profitieren ökologische Jugendherbergen in der Schweiz.

Ferien in ökologischen Jugendherbergen
Schweizer Familien machen vermehrt Ferien in der Heimat und übernachten in Jugendherbergen. Foto: © Cathy Yeulet / Hemera / Thinkstock
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In der Jugendherberge Rotschuo in Gersau übernachten seit 1929 Wanderer am Ufer des Vierwaldstättersees. Heute mehr denn je. Mit einem Unterschied: Heutzutage sind besonders viele Alleinerziehende aus Schweizer Städten dabei. Sogar aus dem 30 Kilometer entfernten Luzern entscheiden sie sich zu einem Erholungstrip nach Gersau. Leiter Daniel Angst: «Oder der eine Elternteil muss arbeiten, während der andere für ein paar Tage mit den Kindern zu uns fährt.» Bei Eseln, Kinderecke, Spielplatz, Kanus und Internetzugang fühlen sie sich gut aufgehoben. Schweizer Familien sind die Hauptzielgruppe der Herbergen. Nicht selten kocht die Küche mit ökologisch einwandfreien Zutaten aus der Region und das Steinbock-Label für Nachhaltigkeit prangt neben der Eingangstür. Seit 2009 decken die Schweizer Jugendherbergen ihren gesamten Strombedarf von jährlich 3500 MWh aus erneuerbarer Wasserkraft und gehen damit weiter in Richtung CO2-freie Jugendherbergen. Und nachhaltiger Tourismus hat auch zur Folge, dass Gäste Engagement mit Treue belohnen.

Markt mit Fokus auf Familien

Da jeder in der Krise den Gürtel etwas enger geschnallt hat, konnten die Schweizer Jugendherbergen durch die Budgetpreise ab 30 Franken pro Nacht und Person profitieren. Kinder übernachten bis zwei Jahren meist gratis, bis sechs Jahre für die Hälfte. Die Herbergen haben sich in den vergangenen zehn Jahren aus ihrer eigenen Krise herausgeholt. Für 2009 kommen sie mit 980.000 Nächtigungen in 56 Häusern auf mehr Nächtigungen als 1998 mit 70 Häusern. 2010 ist die Nächtigungsrate so gut wie gleich geblieben, man konnte jedoch den Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 1,4 Prozent steigern.

Aber auch heute reagiere man auf sich verändernde Bedingungen, sagt der Sprecher der Schweizer Jugendherbergen Tobias Tuth: «Schulklassen fallen vermehrt weg, denn die Budgets der Schulen werden kleiner und Maturareisen gehen oft ins Ausland. Das müssen wir durch Nahmärkte und Familien kompensieren.» Achterzimmer sind in den neuen Jugendherbergen so gut wie ganz verschwunden.

Man kooperiert mit dem Ikea-Kundenclub Ikea Family, mit der Versicherungsgesellschaft CSS bietet man Familienurlaube zum Thema Wasser an. Während Mitglieder Vorteile bei der Autovermietung Avis geniessen, wird an einer Partnerschaft mit der SBB noch getüftelt. Inzwischen sind jedoch bereits alle Jugendherbergen mit dem Nachhaltigkeitszertifikat «Steinbock» zertifiziert worden. Künftig könnte die Anzahl der Steinböcke als Orientierungsmerkmal gleich der Hotelsterne fungieren. Für ökologisch-bewusste Familien ein wichtiges Argument. Lena Hubert, Sprecherin des Steinbock-Labels aus Chur: «Mit ihrem neuen Konzept sind die Jugendherbergen neben Ökohotels für uns ein spannender Partner.» Die Jugendherberge in Scuol beispielsweise besitzt fünf Steinböcke, die höchste zu erreichende Anzahl. Ein Grund dafür war der Neubau im Minergie-Eco-Standard. Und die eidgenössischen Familien honorieren das Engagement: In den letzten Jahren kommen immer mehr Schweizer Familien. Rund 20 Prozent der Gäste sind Familien.

Trend geht hin zu Natur

20 Prozent der Gäste in den Jugendherbergen sind Familien.

Viele Jugendherbergen besitzen das Nachhaltigkeitszertifikat «Steinbock».

Warum diese Zielgruppe so beliebt ist, liegt auf der Hand: Familien sind treu, wenn sie einen reibungslosen und unkomplizierten Urlaub hatten, der die Ökobilanz und Frankenbilanz nicht verschlechtert. Und später kommen die Kinder als Rucksacktouristen wieder. Dann sind sie die sogenannten «Flashpacker»: Junge Urlauber, die mit Laptop und Reisehandtuch unterwegs sind. Der Leiter des Forschungsinstituts für Freizeit und Tourismus an der Universität Bern, Hansruedi Müller, formuliert es so: «Es gibt immer mehr Touristen, für die das Unterwegssein zentrales Reisemotiv ist. Zudem hat die Trendstudie von Schweiz Tourismus durch das Gottlieb Duttweiler Institut ergeben, dass Wandern immer populärer wird.» Familien bleiben bei der Herberge, um zu wandern, die Flashpacker wandern von einer zur nächsten. Und das ist nicht altmodisch, sondern topmodern.

Text: Yvonne von Hunnius

Links:

  • Verzeichnis aller Jugendherbergen: youthhostel.ch/de
  • Jugendherberge Scuol (ausgezeichnet mit fünf Steinböcken): youthhostel.ch/de/hostels/scuol
  • Zertifizierung für nachhaltigen Tourismus: steinbock-label.ch
 

 

 

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