Nachhaltige Urlaubs-Reisen mit Zug, Auto oder Flugzeug

Fliegen schadet Umwelt und Klima. Wer nicht auf den Flug in die Ferien verzichten will, kann seinen ökologischen Fussabdruck mittels CO2-Kompensation verkleinern. Bei kurzen Reisen innerhalb von Europa sollte das Auto oder der Zug benutzt werden. Diese sind zwar langsamer, aber ökologischer.

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Foto: Michele Piacquadio / iStock / Thinkstock
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Ab in den Urlaub - dem Alltag entfliehen, für viele ist eine Flugreise der Inbegriff grenzenloser Freiheit. Per Flugzeug legt man grosse Distanzen in sehr kurzer Zeit zurück - und Fliegen wird immer billiger. Doch bei vielen fliegt auch das schlechte Gewissen mit. Ist man sich doch inzwischen bewusst, dass der grosse Treibstoffverbrauch des Luftverkehrs mit einer enormen Belastung für das Klima verbunden ist. Allerdings noch zu wenig, meint der Mobilitätsexperte der Hochschule Luzern, Roger Sonderegger: «Der Unterschied zwischen Bewusstsein und Handeln bei ökologischen Fragen ist beim Reisen besonders offensichtlich.»

CO2-Ausstoss beim Fliegen schadet Klima

Moderne Flugzeuge verbrauchen im Schnitt etwa drei Liter Kerosin pro Passagier auf 100 Kilometer. Die Menge des verbrannten Treibstoffs hängt von der Flughöhe, dem Wetter, der Aerodynamik, der Flugzeuggrösse und der Zuladung des Flugzeugs ab. Die Flugzeuge erzeugen in hohen Luftschichten Kondensstreifen, die das Sonnenlicht auf die Erde nahezu ungehindert durchlassen, jedoch die Wärmeabstrahlung der Erde ins Weltall behindern. Das führt dazu, dass die Wirkung des CO2-Ausstosses von Flugzeugen auf unser Klima um den Faktor 2 bis 4 erhöht wird.

Ein Überseeflug leistet einen beträchtlichen Beitrag zum persönlichen CO2-Fussabdruck. Ein Retour-Flug von Zürich nach New York verursacht beispielsweise fast drei Tonnen CO2. Und was unternimmt die Flugindustrie, um die Treibhausgasemissionen zu reduzieren? Sonja Ptassek, Mediensprecherin von Swiss International Air Lines, erklärt: «In den letzten Jahren hat SWISS die Langstreckenflotte vom Typ Airbus A330-200 durch den A330-300 ersetzt. Die neuen Flugzeuge verbrauchen, bezogen auf die Transportleistung rund 13 Prozent weniger Treibstoff. Und ab 2014 werden wir unsere Regionalflotte durch die Bombardier C-Series ersetzten, was die CO2-Emissionen pro Passagier um bis zu ein Viertel senken wird. SWISS spart damit rund 90.000 Tonnen CO2 pro Jahr. Das entspricht den Emissionen von 7.000 Flügen auf der Strecke zwischen Zürich und London.»

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Ferienausflüge ins Ausland, wie beispielsweise ans Meer, sind bei SchweizerInnen sehr beliebt. Foto: Fuse / Thinkstock

Wer nicht nur auf die langfristige Arbeit der Airlines setzt und die Klimawirkung seiner Reise «neutralisieren» möchte, kann den CO2-Ausstoss seiner Flugreise an einem anderen Ort kompensieren, indem er CO2-einsparende Projekte unterstützt. Denn allein die Schweiz hält einen beachtlichen Anteil am weltweiten Reisen: Gemäss Angaben der UNO-Welttourismusorganisation hält sie mit ihren Ausgaben für das grenzüberschreitende Reisen einen Marktanteil von 1,4 Prozent. Würde ein entsprechender Anteil an den Emissionen kompensiert, so wären das 21 Millionen Tonnen, schätzt das Non-Profit-Onlineportal für nachhaltiges Reisen. Eine grosse Menge, die inzwischen einige Anbieter kompensieren helfen, wie die Hamburger Greenmiles-Initiative oder die Schweizer Non-Profit-Stiftung myclimate.

Und das geht so: Man geht meist auf die Seite eines der Anbieter und gibt Start- und Zielort oder Distanz in einen Emissionsrechner ein und erhält den entsprechende Kompensationsbetrag angezeigt. Auf der Strecke von Zürich nach Barcelona beispielsweise beträgt gemäss myclimate der CO2-Ausstoss mit dem Flugzeug 205 Kilogramm und mit dem Auto 169 Kilogramm. myclimate investiert wiederum in Klimaschutzprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländern, welche Emissionen reduzieren, indem klimabelastende, fossile Energiequellen durch erneuerbare Energie ersetzt oder energieeffiziente Technologien gefördert werden. Für die Strecke Zürich Barcelona ist es somit möglich, bereits einen Flug mit sieben Franken, eine Autofahrt mit sechs Franken zu kompensieren. Über den geleisteten Geldbetrag erhält man dann ein CO2-Zertifikat. Angesichts der Tatsache, dass das die Hälfte des Preises eines Billigfluges ist, sollte sich jeder Gedanken darüber machen, inwieweit dessen Preis nachhaltig berechnet wurde.

Langsame Reisen schonen die Umwelt

In diesem Frühjahr hat die Stiftung die erste Millionen Tonne CO2 kompensiert. Bei Kuoni etwa investieren in den Reisebüros etwa vier Prozent aller Buchenden in Projekte, welche den CO2-Ausstoss um so viel verringern, wie der Flug ausstösst. Gerade bei unvermeidlichen Fernreisen ist das Prinzip somit immer bekannter. Bei Kurz- und Wochenendtrips innerhalb Europas lohnt sich immer ein Vergleich, ob man umweltfreundlicher mit dem Auto, dem Flugzeug oder mit dem Zug reist. Ob und wann auch über grössere Distanzen eine Busreise oder Kreuzfahrt in Frage kommt, muss jeder für sich entscheiden. Ökologisch reisen heisst in den meisten Fällen langsamer reisen – aber eben auch bewusster.

Text: Martina Gyger

Angebot an CO2-Kompensations-Projekten:

Die Berechnung der CO2-Emission ist bei allen Anbietern unterschiedlich, da die Anbieter unterschiedliche Berechnungsformeln verwenden. Auch der Preis pro Tonne CO2-Emission ist unterschiedlich, da der Preis unter anderem von den durchgeführten Projekten abhängt.

 

Öko-Reiseplaner:

  • Finden Sie Ihre umweltfreundlichste Reiseroute: www.routerank.com/de-ch
  • Tipps und Informationen, wie Sie Ihre Ferien nachhaltig gestalten können: www.fairunterwegs.org
  • Nachhaltige Reiseangebote: www.traverdo.de