Osteopathie: Heilung durch sanfte Handgriffe

  • 160

Ein leichtes Ziehen am Bein, sanfter Druck auf der Wirbelsäule, den Arm ein wenig verdrehen - Osteopathie soll Wunder vollbringen, wenn es um die Heilung von Krankheiten geht. Doch was steckt dahinter der alternativen Heilpraktik? Wir machen den Check und verraten Ihnen die Diagnose.

Osteopathie: Heilung durch sanfte Handgriffe
Foto: © Guschenkova / iStock / Thinkstock

Leben ist Bewegung. das ist der wichtigste Grundsatz der Osteopathie. Mit sanften Handgriffen löst der Osteopath so genannte «Funktionsstörungen» in unserem Körper und setzt seine Selbstheilungskräfte wieder in Gang. Die Philosophie: Sind die Krankheitsursachen erst einmal behoben, löst sich der Stau in unserem Körper von ganz alleine. Die Osteopathie kann und will Krankheiten allerdings nicht unmittelbar heilen, vielmehr unterstützt sie den Körper dabei. Entwickelt wurde diese Methode im 19. Jahrhundert vom amerikanischen Arzt Andrew Taylor Still. Nach Still bilden die Organe, Knochen und Muskeln des Körpers ein perfektes Zusammenspiel.

Osteopathie – die alternative Heilpraktik

Die Osteopathie sieht den Körper wie eine Waagschale: Ist ein Punkt in unserem Körper blockiert, kann sich das als Krankheit an einem anderen Punkt äussern. Die geschickten Berührungen des Osteopathen sollen diese Blockaden lösen. Eine sanfte Behandlung für eine schnelle Genesung - das macht Osteopathie zu einer der beliebtesten, alternativen Heilmethoden. Allerdings gibt es bis heute noch keine einheitliche Definition, was Osteopathie ist. Oft wird «Osteopathie» mit «Manueller Medizin», «Manualtherapie» oder «Chiropraktik» verwechselt, da sich manche Verfahren ähneln.

Osteo, Cranio, Sacral: Die Wirkungsfelder der Osteopathie

Was unterscheidet die Osteopathie von anderen alternativmedizinischen Heilmethoden? Die Osteopathie untersucht den Körper bis auf die Knochen (lat. «osteo») und ist in drei Bereiche unterteilt:

  • Die parietale Osteopathie, die den gesamten Körper mit all seinen Knochen, Gelenken, Muskeln, Sehnen und Bändern betrachtet.
  • Die viszerale Osteopathie, die sich auf alle inneren Organe mit deren Blut- und Lymphgefässen, Nerven und faserigem Bindegewebe konzentriert.
  • Die kraniosakrale Osteopathie, die sich mit dem Schädel, dem Kreuzbein wie auch dem Nervensystem und der Hirnflüssigkeit befasst.

Wie läuft eine osteopathische Behandlung ab?

Erst testet der Osteopath die Beweglichkeit von Wirbelsäule, Rippen, Gelenken und Organe sowie die Elastizität des Gewebes. Hat er so den Körper komplett ausgehorcht, beginnt die eigentliche Behandlung. Der Osteopath lockert mit behutsamen Griffen die Muskeln, aktiviert die Nerven oder verbessert den Durchfluss der Venen, Arterien und Lymphbahnen.

Osteopathen sind keine Wunderdoktoren

Obwohl viele Patienten von den Heilkräften schwärmen, die die Osteopathie herauf beschwört - Osteopathen wehren sich selbst gegen das Image der «Wunderdoktorei». Schliesslich handele es sich um eine wissenschaftlich fundierte Behandlungsmethode, die genaue anatomische, physiologische und biochemische Kenntnisse voraussetzt. Osteopathen sind keine Zauberer: Osteopathie ist nur für Patienten geeignet, deren Körperstruktur noch soweit in Takt ist, dass sie sich selbst regenerieren kann. Bei starken Verletzungen, Tumoren oder psychischen Erkrankungen muss die sanfte Osteopathie passen. Dafür sorgt sie in vielen anderen Bereichen für eine gute Besserung.

Wo Osteopathie helfen kann

  • im Bereich der inneren Medizin: bei Herzbeschwerden, Verdauungsstörungen, Organsenkungen oder Vernarbungen        
  • im urogenitalen Bereich: bei einer chronischen Blasenentzündung, Inkontinenz oder Nierenproblemen
  • im Hals-Nasen-Ohren-Bereich: bei Kopfschmerzen, Nasennebenhöhlen-Entzündungen, Schwindel, Tinitus oder Kieferproblemen
  • im gynäkologischen Bereich: bei Menstruationsschmerzen, Unfruchtbarkeit oder Geburtvorbereitung und -nachsorge

Eine Sitzung, drei Wochen Pause

Eine Sitzung dauert zwischen 20 und 60 Minuten. Zwischen den Sitzungen werden zwei bis dreiwöchige Pausen eingelegt, damit sich der Körper selbstregulieren kann. Die Osteopathie ist erfolgreich darin, Blockaden zu lösen. Seien Sie aber vorsichtig bei Krankheiten, die bereits weit fortgeschritten sind. Diese Schmerzen kann ein Osteopath höchstens lindern. Sollte sich nach drei Behandlungen keinerlei Besserung abzeichnen, sollten Sie die Therapie abbrechen.      

Osteopathie in der Schweiz als Heilverfahren anerkannt

In einigen Kantonen der Schweiz haben die Gesundheitsdirektionen die Osteopathie bereits anerkannt. Der Schweizerische Verband der Osteopathen arbeitet an einer weiteren Verbreitung und bildet auch qualifizierte Osteopathen aus.

Osteopathie – nur ein Placebo?

Esoterik, Aberglaube, falsche Magie: Kritiker zweifeln an der wissenschaftlichen Glaubwürdigkeit der Osteopathie. Den Erkenntnissen der Osteopathie fehle es an eindeutigen Nachweisen. So steht beispielsweise das Auf- und Abschwellen des Gehirnwassers, dass die Osteopathie annimmt, unter dem Verdacht reine Scharlatanerie zu sein. Auch den Annahmen eines «Energieflusses» oder «Gewebsgedächtnisses» fehlt die wissenschaftliche Untermauerung.

Haben die Kritiker Recht? Ist die Behandlungsmethode, auf die so viele schwören, nur ein Placebo unter den Physiotherapien? Tatsächlich, zur genauen Wirkungsweise gibt es noch keine umfassenden Studien. Auch mögliche Risiken der Osteopathie sind weitgehend unergründet. Forscher können sich lediglich an Publikationen von Einzelfällen orientieren. Osteopathie-Jünger stört das nicht: Die Heilmethode ist mittlerweile eine chiropraktische Trendwelle. Und die muss nicht jeder mitfahren. Der Grossteil der Schulmedizin steht der Osteopathie jedoch positiv gegenüber: sie sei eine sinnvolle Ergänzungstherapie.

Kostenübernahme? Nur mit Zusatzversicherung!

Eine Sitzung beim Osteopathen kostet je nach Praxis 140 CHF bis 160 CHF. Die Kosten übernimmt Ihre Krankenkasse nur, wenn Sie eine entsprechende Zusatzversicherung abgeschlossen haben. In dem Fall werden 70 bis 90 Prozent der Kosten von der Krankenkasse abgedeckt. Bevor Sie mit einer Therapie beginnen, sollten Sie daher erst mit Ihrer Krankenkasse Rücksprache halten.

Text: Ananda Grade