Mineralien statt Medizin: Schüssler Salze im Wirksamkeitscheck

Mineralien, die gesund, schön und schlank machen. Das tönt zu simpel, um wahr zu sein. Und so gehen Meinungen über die Schüssler Salze auch auseinander. Letztlich hat aber derjenige Recht, der heilt. Ob der wohl Dr. Schüssler heisst?

Mineralien statt Medizin: Schüssler Salze im Wirksamkeitscheck
Foto: © HasnJoachim / iStock / Thinkstock
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Die Schüssler Salze tragen den Namen ihres Erfinders. Der deutsche, homöopathische Arzt Wilhelm Heinrich Schüssler stellte im 19. Jahrhundert die These auf, dass die Ursachen sämtliche Krankheiten und Gebrechen des Menschen auf zellulärer Ebene zu finden seien. Es sei stets ein Mangel oder ein Ungleichgewicht im Mineralhaushalt des Körpers, der früher oder später einen pathologischen Zustand erzeuge. Zum Ausgleich des Mineralmangels zog Schüssler die fehlenden Stoffe heran, die er in extrem abgeschwächter, nahezu homöopathischer Form und unter dem Namen Schüssler Salze an seine Patienten verabreichte.

Das Wirkungsprinzip der Schüssler Salze

Schüssler ging insgesamt von zwölf heilenden Mineralien aus, die unter dem Oberbegriff «Funktionsmittel» bekannt geworden sind. Nach Schüsslers Tod entwickelten Anhänger seiner Therapieform weitere 15 Schüssler Salze, die als «Ergänzungsmittel» bekannt wurden. Jedem der insgesamt 27 Schüssler Salze kommt eine bestimmte Funktion und Wirkweise zu.

Das Schüssler Salz Nr. 2 (Calcium Phosphoricum) soll beispielsweise dem Aufbau und Erhalt von Knochen und Zähnen dienen, während Schüssler Salz Nr. 4 (Kalium Chloratum) bei Erkrankungen der Schleimhäute dienlich sein soll. Am bekanntesten ist das Schüssler Salz 7 (Magnesium phosphoricum). Es gilt als das Schmerzmittel unter den Schüssler Salzen und wird bei krampfartigen Schmerzen, wie beispielsweise Magenkrämpfen, Krampfhusten, Menstruationskrämpfen, Koliken, aber auch Migräne angewendet. Weil es meist aufgelöst in heissem Wasser getrunken wird, ist das Magnesium phosphoricum auch als «Heisse Sieben» bekannt.

Die in den Schüssler Salzen enthaltenen Mineralien werden in den Potenzen, also Verdünnungsgraden, D3, D6 oder D12 verabreicht, wie man sie auch von homöopathische Mitteln kennt. Die strukturierte Anwendung der Salze machte sie vor allem unter Anhänger der Alternativmedizin beliebt. Anders als in der Homöopathie, in der es mehr als tausend verschiedene Wirkstoffe gibt, vereinfacht die nummerierte Übersichtlichkeit der Schüssler Salze den Gebrauch.

Kristall-Know-how: Behandlung, Anwendung und Risiken von Schüssler Salzen

Schüssler selbst erfand neben den Salzen auch eine spezielle Behandlungsmethode seiner Heil-Kristalle. Nach der sogenannten Antlitzanalyse betrachtet der Arzt den Patienten und kann anhand des äusserlichen Augenscheins erkennen, an welchem Mineralmangel er leidet und welches Schüssler Salz dagegen hilft. Verfärbungen oder Strukturveränderungen der Haut dienen beispielsweise als Diagnosekriterium. Noch heute praktizieren Therapeuten nach dieser Methode. Inzwischen sind Schüssler Salze aber auch ohne ärztliche Rücksprache rezeptfrei  in der Apotheke erhältlich. Vor dieser Form der Selbstheilung muss man auch insofern nicht zurück schrecken, da eine Überdosis aufgrund  der verschwindend geringen Mineralkonzentration in den Schüssler Salze nahezu ausgeschlossen sind.

Schüssler Salze zum Abnehmen und Entschlacken

Die Minerale sind aber nicht nur aus medizinischen Gründen äusserst beliebt. Auch in Sachen Schönheit und körperliches Wohlbefinden versprechen Schüssler Salze eine natürliche Alternative. Besonders beliebt ist das Schüssler Salz 10 (Natrium sulfuricum) zum Abnehmen bzw. Entschlacken. Das Natriumsulfat ist im Körper für den Abtransport von Abfallstoffen zuständig und soll den Körper von Giftstoffen befreien, die durch ein Zuviel an Genussmittel wie Alkohol oder einer falschen Ernährung im Körper abgesetzt haben.

Welches Salz wirkt wie? Und wirkt es überhaupt?

Nebenwirkungen sind von Schüssler Salzen also nicht zu befürchten. Doch wie sieht es mit dem Wirkungseffekt aus? Helfen die minimal-dosierten Salze wirklich? Die moderne Wissenschaft teilt die Annahme jedenfalls nicht. Zwar sind tatsächlich keine Risiken von Schussler Salzen entdeckt wurdeb, Wirkungen aber ebenso wenig. Auch die Zeitschrift Ökotest bestätigt, es gibt bis heute keine Studien, die das Heilungspotential der Schüssler Salze nachweisen. Kritiker sehen zudem Schüsslers Theorie  als veraltet an. Die heutige Forschung konnte auch mit modernen Methoden nicht feststellen, dass eine Verschiebung des menschlichen Mineralhaushalts grundsätzlich ursächlich für Krankheiten jeglicher Art sei. Manche Kritiker warnen vor den Salzen sogar, da sich viele Patienten, aufgrund des Versprechens einer Selbstheilung auf Salzbasis, erst spät oder gar nicht in die Obhut eines Arztes begeben.

Aller Kritik zum Trotz

Trotz hagelnder Kritik der modernen Medizin zählen Schüssler Salze zu den Verkaufsschlagern in der Apotheken. Unmengen an zufriedenen Kunden können doch eigentlich gar nicht irren, oder? Tun sie auch nicht. Denn eine Tatsache kann selbst die kritische Medizin nicht negieren: Wer heilt, hat Recht. Und sei es nur wegen der Placebo-Wirkung der minimal-dosierten Salze. Wirkung ist Wirkung. Egal, ob sie im Kopf oder im Körper entsteht. Deshalb bieten auch immer mehr Krankenkassen Zusatzversicherungen an, die komplementärmedizinische Leistungen wie Schüssler Salze vergüten. Von der Grundversicherung werden Schüssler Salze aber noch nicht gedeckt.

Schüssler-System: Welches Salz hat welche Wirkung?

Nr. 1 Calcium fluoratum: Bindegewebe, Gelenke, Haut
Nr. 2 Calcium phosphoricum: Knochen, Zähne
Nr. 3 Ferrum phosphoricum: Immunsystem
Nr. 4 Kalium chloratum: Schleimhäute
Nr. 5 Kalium phosphoricum: Nerven, Psyche
Nr. 6 Kalium sulfuricum: Entgiftung (Entschlackung)
Nr. 7 Magnesium phosphoricum: Muskeln, Nerven
Nr. 8 Natrium chloratum: Flüssigkeitshaushalt
Nr. 9 Natrium phosphoricum: Stoffwechsel
Nr. 10 Natrium sulfuricum: Innere Reinigung (Ausscheidung)
Nr. 11 Silicea: Haare, Haut, Bindegewebe
Nr. 12 Calcium sulfuricum: Gelenke
Nr. 13 Kalium arsenicosum: Haut und Schleimhäute
Nr. 14 Kalium bromatum: Zentralnervensystem, Schleimhäute, Haut
Nr. 15 Kalium jodatum: Schilddrüse, Herz-Kreislauf-System
Nr. 16 Lithium chloratum: Nervensystem, Stoffwechsel
Nr. 17 Manganum sulfuricum: Stütz- und Bewegungsapparat
Nr. 18 Calcium sulfuratum: Haut und Schleimhäute
Nr. 19 Cuprum arsenicosum: Muskeln, Nerven
Nr. 20 Kalium aluminium sulfuricum: Magen-Darm-Trakt, Nervensystem, Haut
Nr. 21 Zincum chloratum: Nervensystem, Stoffwechsel, Geschlechtsorgane
Nr. 22 Calcium carbonicum: Schleimhäute
Nr. 23 Natrium bicarbonicum: Stoffwechsel
Nr. 24 Arsenum jodatum: Haut, Atemwege
Nr. 25 Aurum chloratum natronatum: Weibliche Geschlechtsorgane
Nr. 26 Selenium: Leber, männliche Geschlechtsorgane, Haut
Nr. 27 Kalium bichromicum: Atemwege, Magen-Darm-Trakt, Stütz- und Bewegungsapparat

Text: Linda Freutel