Bisphenol A: Schädlicher Weichmacher oder harmloser Inhaltsstoff?

Als Bestandteil von Babyschoppen ist der Weichmacher bereits verboten. Doch steckt das umstrittene Bisphenol A weiterhin in vielen Alltagsprodukten wie Kassenzetteln. Ein generelles Verbot gibt es bisher nur in Frankreich. Aber wie schädlich ist Bisphenol A denn nun wirklich und wo ist der Weichmacher überall enthalten?

Bisphenol A: Ist der umstrittene Weichmacher gefährlich
Der Weichmacher Bisphenol A ist in vielen Verpackungen enthalten und wandert von dort aus in die Lebensmittel. Foto: Fedor Kondratenko, iStock, Thinkstock
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Im Gespräch ist der umstrittene Inhaltsstoff von Plastikgefässen und Konservendosen schon lange. Noch 2009 erklärte das Bundesamt für Gesundheit (BAG), dass die Einnahme von Bisphenol A (BPA) über die Nahrung keine Gefahr darstelle, auch nicht für Kinder. 2011 wurde der Weichmacher trotzdem im Nachbarland Deutschland in Babyflaschen verboten. Kurz darauf verschwanden auch die Schoppen mit BPA aus den Schweizer Regalen.

Andere Länder gehen inzwischen noch weiter. So hat Frankreich ab 2015 ein generelles Verbot von Bisphenol A in Lebensmittelverpackungen beschlossen und fordert dies bei Kassenbons für die gesamte EU. In Schweden wird ein Komplett-Verbot ebenso diskutiert. Das Schweizer Parlament zieht jetzt auch nach und beauftragte kürzlich den Bundesrat, ein Verbot des Weichmachers schnellstmöglich durchzusetzen. Aber warum plötzlich die Eile? Alles nur Panikmache, oder ist Bisphenol A doch so gefährlich?

Bisphenol A: So wirkt der Weichmacher auf unsere Gesundheit

Die Meinungen darüber, ob Bisphenol A gesundheitsschädlich ist oder nicht, sind geteilt. Es gibt Untersuchungen die zeigen, dass der Weichmacher eine mit dem Sexualhormon Östrogen vergleichbare Wirkung hat. Deshalb nehmen Spezialisten an, dass Bisphenol A die Fortpflanzung stören und gerade bei Babys und Kleinkindern die Entwicklung des Gehirns empfindlich negativ beeinflussen kann. Auch andere Weichmacher wie Phtalate und Bisphenol S (BPS) stehen im Verdacht, auf die gleiche Weise schädlich für die Gesundheit zu sein.

Warum wurde Bisphenol A nicht längst verboten?

Die Wirkung von kleinen Mengen solch chemischer Stoffe eindeutig zu beweisen, ist schwierig. So sind die Experten uneins darüber, ob ein Verbot wirklich nötig ist. Viele Forscher sprechen sich lediglich für einen Grenzwert aus, da sie davon ausgehen, dass BPA und andere Weichmacher nur in höheren Dosen der Gesundheit schaden können. Kleinere Mengen seien daher akzeptabel.

Viele Konsumentenschützer und andere Experten widersprechen diesem Urteil jedoch. Sie fordern zumindest Bisphenol A, das über die Haut oder damit in Berührung gelangte Lebensmittel aufgenommen wird, ganz zu verbannen. Denn Bisphenol A kommt in vielen täglich genutzten Lebensmittelverpackungen vor. Ausserdem ist es im Vergleich zu BPS oder Phtalaten bisher am deutlichsten untersucht und trotz nicht immer übereinstimmender Ergebnisse von vielen Forschern und Experten auch in kleinen Mengen als gesundheitsschädlich eingestuft.

Sie wollen deshalb zumindest ein vorübergehendes Verbot von Bisphenol A erreichen, bis noch spezifischere Studien die genaue Gesundheitsgefahr darlegen können. Trotz der vielen Forderungen nach einem Verbot gibt es bisher jedoch nur einzelne Vorstösse und eine europaweite Regelung ist nicht in Sicht. Auch in der Schweiz ist noch unklar, ob der Weichmacher bald generell aus Verpackungen und Kassenzetteln verschwinden wird. Dabei wäre ein Verbot relativ unproblematisch, da es mittlerweile viele Alternativen zu Bisphenol A gibt.