Schweiz = Wasserschloss: Wieso also müssen wir Wassersparen?

  1. Meine Mutter hat alle unsere Wasserhähnen mit diesen Wasserspardingern versehen. Wegen der Umwelt sagt sie. Die Schweiz gilt aber doch als Wasserschloss. Wir haben Wasser in Hülle und Fülle! Wieso müssen wir trotzdem Wasser sparen? (ich glaube, sie will einfach geld sparen)

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  2. Wassersparen "müssen" tut bislang in Deutschland oder der Schweiz noch keiner. Man "sollte" es vielleicht tun, aber man wird bislang noch nicht gesetzlich oder sonstwie dazu gezwungen - höchstens Manche von ihrem eigenen Gewissen. :;;D:

    Eigentlich ist "Sparen" ein sehr relativer und daher weiter Begriff. Wer kann das schon global pauschalisieren? Im Vergleich zu den Sahelstaaten zum Beispiel spart kaum jemand von uns Mitteleuropäern wirklich. Wir baden darin, duschen (fast) täglich damit, wässern Pflanzen oder füllen Schwimmbecken. Inwieweit ist unser Wasserverbrauch tatsächlich nötig, folglich, wie viel Wasser könnten wir potenziell sparen? Ich habe heute schon fünf Tassen Tee getrunken - waren die nötig? Hätte ich das Wasser besser sparen sollen?

    Auch die Bewässerung in großen Teilen unserer Landwirtschaft ist nicht wirklich nachhaltig - jedenfalls, wenn wir unsere gängigsten Methoden (Gießen, Sprühbewässerung) mit Methoden wie der Tröpfchenbewässerung vergleichen, die in wasserärmeren Staaten längst Gang und Gebe sind.
    Ich glaube, mein Aussagepunkt wird allmählich verständlich. In Relation zu einem Sahelstaat hat unser mitteleuropäischer Umgang mit "Sparen" absolut nichts zu tun. Je nach Vergleich sparen wir überhaupt nicht.

    Du fragst, warum wir als Bewohner wasserreicher Staaten wie Deutschland oder der Schweiz Wasser sparen sollten? Wo wir doch, wie du sagst, mehr als ausreichend davon besitzen?

    Einerseits denke ich, sollten wir uns dessen bewusst sein, dass viele Menschen auf der Welt (insbesonders in Afrika oder dem Toten Herz Asiens) mittlerweile zwar Zugang zu frischem Trinkwasser haben, das Wasser in vielen Fällen dennoch nur für das Nötigste reicht. Regelmäßiges Waschen wird noch immer für viele Menschen problematisch sein, von Baden ganz zu schweigen. Man könnte also argumentieren, dass wir eingedenk der globalen Situation Wasser sparen sollten, um vor wasserärmeren Staaten nicht das Gesicht zu verlieren. Es handelt sich hierbei zwar nicht um einen "praktischen" Grund, auf den sich Elena99 wahrscheinlich bezieht - aber man sollte dennoch überlegen, inwieweit Moral zur Entscheidungsfindung eine Rolle spielen sollte.

    Außerdem sollte man daran denken, dass unser Wasser in Deutschland oder der Schweiz aktuell im Überfluss vorhanden ist - aber wer sagt uns, wie lange wir noch in dieser Situation sein werden? Wenn der anthropogene Klimawandel tatsächlich existiert, könnte die Option auftreten, dass zwar nicht wir, aber dennoch unsere Kinder und Kindeskinder einmal einer anderen Situation ausgesetzt sein werden.
    Ich denke, man kann aktuell nicht sagen, wie sich die Wasserverteilung tatsächlich verändern wird, wenn es tatsächlich zu einer Veränderung kommt, was meines Wissens nach noch nicht beweisbar feststeht. Gesetzt den Fall, dass diese Veränderungen eines Tages Niederschlagseinbußungen mit sich führen, halte ich es dennoch für nötig, sparbereit zu sein, damit unsere gesamte Kultur nicht zugrunde geht.
    Das Beispiel einer aktuellen Entwicklung fällt mir gerade ein: Die Eltern meines Nachbarn stammen aus der Region, welche in Deutschland als die "Neuen Bundesländer" bekannt ist. Mein Nachbar hat mir nach einem Besuch dort einmal erzählt, dass in der Heimat seiner Eltern seit einigen Jahrzehnten erhebliche Niederschlagseinbußungen zu verzeichnen sind. Er sagte, man rechne dort im Zuge fortschreitender Desertifikation damit, dass sich die Landschaft allmählich (innerhalb der nächsten drei - vier Jahrzehnte!) in eine wüstenähnliche Landschaft verwandeln könnte. Damit wäre dies die erste wüstenähnliche Landschaft in Mitteleuropa.
    Wer sagt also, dass unsere klimatischen Prozesse wasserbetreffend in Mitteleuropa so stabil sind, wie man gemeinhin annimmt? Des Weiteren haben Wüsten die Tendenz, sich auszubreiten. Man kann es beispielsweise an der Sahelzone der Sahara sehen.

    Ich denke auch, dass Wasser künftig eine größere Rolle in der internationalen Politik spielen wird. Zwar verfügen immer mehr Menschen aktuell über sauberes Trinkwasser, aber wenn (insbesonders die afrikanische) Bevölkerungsexplosion und (anthropogener) Klimawandel weiterhin anhalten, werden Regierungen und Menschen über kurz oder lang regional Schwierigkeiten damit haben, sich mit Wasser zu versorgen.
    Noch sind Phänomene wie Wasserkriege noch weit von uns weg. Unvorstellbar. Insbesonders für Leute wie uns Mitteleuropäer, die so weit von Wüstenanrainern entfernt sind, wie sonst kaum jemand. Die Frage ist nur, wie lange das noch so bleibt? Anscheinend taucht neben dem angesprochenen Vorfall im Osten der Bundesrepublik unter anderem auch in Spanien aufgrund der großflächigen Entwaldung Desertifikation auf. Es könnte also sein, dass uns die Zukunft mit Wasserkriegen droht. Zwar werden sich solche Konflikte in relativ naher Zukunft erst mal auf Staaten in wüstenähnlichen Gegenden abspielen, wie zum Beispiel den Anrainern großer Seen wie dem Victoria-See, dem Tschad-See (wenn der überhaupt noch nennenswert Wasser enthält) oder dem Malawi-See. Aber wer sagt uns, dass nicht eines Tages Staaten wie Spanien, denen eines Tages verstärkt Desertifikation drohen könnte, uns um Wasserlieferungen bitten könnten? So weit liegt Spanien nicht von der Schweiz oder Deutschland entfernt - und was, wenn wir Wasserlieferungen für Millionen sogar verweigern? Drohen uns dann innereuropäische Kriege?

    Natürlich...es handelt sich beim Beispiel in Europa um ein Szenario, wie es in Jahrzehnten der Fall sein könnte. Nicht heute und auch nicht morgen. Aber es könnte geschehen, noch zu unseren Lebzeiten.

    Ein weiterer Grund, Wasser zu sparen, insbesonders in einem gebirgigen Staat wie der Schweiz, ist, dass man Energie braucht, Wasser zum Konsumenten zu transportieren. Ich denke, es ist ersichtlich, weshalb man Energie sparen sollte, solange verstärkt fossile Brennstoffe zu ihrer Gewinnung nötig sind.

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    "Across the Nile ... there are stars tonight."<br />
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  3. Also kurz gesagt heisst weniger Wasser verbrauchen - weniger Energie verbrauchen. Erstmal bei der Aufbereitung und dann auch bei der Reinigung (Kläranlage). An sich gibt's bei uns wirklich genügend Wasser.

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  4. Mh, also internationale Konflikte um Wasser gibt es auch heute schon, zum Beispiel im Nahen Osten. Da geht es bei der Frage wer welches Fleckchen Erde bekommt vor allem um die Wasserversorgung!

    Ich finde übrigens, dass man beim Thema Wassersparen auch ans "viertuelle Wasser" denken sollte. Also wie viel Wasser man zum Beispiel verbraucht, wenn man einen Baumwollpulli kauft oder ein Steak isst...

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  5. [QUOTE][QUOTE]Noch sind Phänomene wie Wasserkriege noch weit von uns weg. Unvorstellbar.[/QUOTE]

    Mh, also internationale Konflikte um Wasser gibt es auch heute schon, zum Beispiel im Nahen Osten. Da geht es bei der Frage wer welches Fleckchen Erde bekommt vor allem um die Wasserversorgung![/QUOTE]

    Dass es internationale Konflikte ums Wasser längst gibt, weiß ich durchaus. Daher stand oben in meinem ersten Beitrag die Formulierung "weit von uns weg" - was sich mit "uns" vor allen Dingen auf Mitteleuropa und insbesonders auf das deutschssprachige Gebiet bezieht.

    Internationale Wasserkonflikte gibt es schon sehr lange, mindestens seit den Planungen des Nasser-Staudamms in Ägypten, welcher einen Großteil des fruchtbaren Nilschlamms zurückhält. Ich habe mal einen Artikel gelesen, in der ein Geograph in den letzten 30 Jahren anscheinend 300 Konflikte ums Wasser gezählt hat. Der Artikel muss inzwischen schon locker fünf Jahre alt sein.

    [QUOTE]Ich finde übrigens, dass man beim Thema Wassersparen auch ans "viertuelle Wasser" denken sollte. Also wie viel Wasser man zum Beispiel verbraucht, wenn man einen Baumwollpulli kauft oder ein Steak isst... [/QUOTE]

    Stimmt definitiv! :;-D:

    Das beziehen die meisten Leute so gar nicht ein, wobei das Problem natürlich auch ist, dass viele Menschen sich das gar nicht richtig vorstellen können, weil sie zu wenig mit den Produktionsvorgängen als Solchen zu tun haben.

    Aber natürlich sollte man das auch bedenken. Wobei sich durch wassersparende Anbaumethoden, denke ich, insbesonders in der Landwirtschaft was Pflanzen betrifft, viel Wasser sparen ließe.

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  6. @Byzantiner: Ich wollte dich damit nicht angreifen. Ich finde nur, dass uns hier in der Schweiz oft nicht bewusst ist, dass Wasser auch heute schon ein echtes Problem ist und Konflikte zwischen Staaten auslöst. Deshalb habe ich es nochmal geschrieben.

    Das mit den Anbaumethoden stimmt absolut! Ich lese gerade ein Buch, in dem die Baumwollindustrie beschrieben wird und wie wenig dort mit Tröpfchenbewässerung gearbeitet wird. Das macht einfach überhaupt keinen Sinn! Baumwolle wird ja in warmen und oft trockenen Gebieten angebaut - da müsste man meinen, dass mit Wasser sparsam umgegangen wird...

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  7. [QUOTE]@Byzantiner: Ich wollte dich damit nicht angreifen. Ich finde nur, dass uns hier in der Schweiz oft nicht bewusst ist, dass Wasser auch heute schon ein echtes Problem ist und Konflikte zwischen Staaten auslöst. Deshalb habe ich es nochmal geschrieben.[/QUOTE]

    Keine Sorge, ich habe deine Aussage nicht als Angriff verstanden. :smile:
    Ich hatte nur angenommen, dass der eigentliche Kern meiner Aussage nicht so zu leicht zu entnehmen war, wie ich angenommen hatte. Aber wenn du meine Angabe nur wiederholt hast, bin ich ja beruhigt.:wink:

    [QUOTE]Ich lese gerade ein Buch, in dem die Baumwollindustrie beschrieben wird und wie wenig dort mit Tröpfchenbewässerung gearbeitet wird. Das macht einfach überhaupt keinen Sinn! Baumwolle wird ja in warmen und oft trockenen Gebieten angebaut - da müsste man meinen, dass mit Wasser sparsam umgegangen wird... [/QUOTE]

    Es macht wirtschaftlich keinen Sinn, da gebe ich dir schon recht.

    Andererseits sind die Staaten, welche du beschreibst, oft technisch eher mäßig entwickelt und daher vielleicht nicht dazu in der Lage, die beschreibenen Techniken wirkungsvoll und korrekt einzusetzen. Außerdem braucht man zur effektiven Nutzung von Tröpfchenbewässerung meines Wissens nach viel Leitungsmaterial wie zum Beispiel Kunststoff, was mancherorts wohl einfach nicht erschwinglich oder überhaupt verfügbar ist.
    Außerdem sind viele der Leitungen nach meinem Kenntnisstand nur kurzzeitig einsetzbar und daher Einwegprodukte, was die Erschwinglichkeit nicht gerade wesentlich verbessert.

    Also kann ich es zwar verstehen - auch wenn die Nutzung nicht so viel Sinn macht. Und du weißt ja, so lange man genug Wasser hat, macht man sich nicht die Mühe auf unbekannte und kostenintensive Alternativen umzusteigen, auch wenn man das vielleicht sollte.

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  8. Ich glaube auch, dass es oft an den Kosten liegt, dass Tröpfchenbewässerung nicht eingeführt wird. Die Möglichkeiten wären vielerorts schon da (viel viiiel Baumwolle wird ja zum Beispiel auch in Australien angebaut), aber sie sind teuer. Irgendwann kann man dort dann halt gar keine Baumwolle mehr anbauen, wenn der Grundwasserspiegel immer weiter sinkt...

    Nochmal zum Thema Wassersparen bei uns: Ich frage mich immer, ob es besser ist von Hand den Abwasch zu machen oder die Spülmaschine zu nutzen. Weiss da jemand was dazu? - Ich starte aber vielleicht lieber inen neuen Thread zu dem Thema...

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