Mehr Fahrgemeinschaften!

  1. Hallo liebe alle
    Würde gerne mal eure Meinung wissen: Wieso sind die Leute bloss so stur und fahren alle in ihrem eigenen Auto zur Arbeit? Wenn man morgens in die Autos schaut, die sich durch Zürichs Strassen kämpfen, sitzt grundsätzlich nur ein Einzelner drin. In anderen Städten wird das kaum anders sein. Ich verstehe einfach nicht, wieso sich Leute nicht zu Fahrgemeinschaften zusammenschliessen. ODer mit den Öffentlichen fahren!

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  2. ... Tja, ich gestehe, ich bin eine der Schuldigen. Ich fahre zwar nur drei Tage die Woche in die Arbeit, aber dann immer mit dem Auto und ohne Fahrgemeinschaft. Der Grund ist ganz einfach: Keiner meiner Kollegen wohnt auf meinem Arbeitsweg, einen Umweg zu fahren würde keinen Sinn machen. Ausserdem bringe ich vorher die Kinder in den Kindergarten - da muss alles ganz schnell gehen und ich kann mich nicht mit den schlechten Bus und Bahnverbindungen herumquälen... Da bleibt als Ausweg gegen das schlechte Gewissen nur noch ein Elektroauto ;-)

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  3. [QUOTE]Wieso sind die Leute bloss so stur und fahren alle in ihrem eigenen Auto zur Arbeit? Wenn man morgens in die Autos schaut, die sich durch Zürichs Strassen kämpfen, sitzt grundsätzlich nur ein Einzelner drin.[/QUOTE]

    Das stimmt allerdings, die Beobachtung habe ich den Städten, welche in meiner Nähe liegen, auch schon gemacht. Die Günde dafür sind, denke ich, unheimlich vielfältig. Man kann das nicht auf eine Ursache generalisieren. Und nicht alle der genannten Gründe sind tatsächlich Ausreden. Manche kann ich auch verstehen.

    Oft wird es so wie bei Petralu sein: Kollegen wohnen nicht auf dem Arbeitsweg oder andere Objekte/Personen brauchen den verbliebenen Sitzplatz im Auto. Andere Leute werden einfach zu faul sein, sich um Fahrgemeinschaften zu kümmern: Viele davon haben wahrscheinlich genug Geld, das Benzin locker aus dem Handgelenk zu bezahlen und scheren sich wenig um die Umwelt.

    Manche genießen die Stille oder die Musik im Auto, bevor es zum Arbeiten geht und wollen sich nicht schon vor Arbeitsbeginn mit anderen Leuten "herumschlagen", ganz zu schweigen davon, ihretwegen Umwege zu fahren. Andere hassen es, mit vollen Autos zu fahren, weil sie sich eingeengt oder abgelenkt fühlen. Wieder anderen sind Fahrgemeinschaften zu unflexibel, wenn man nicht gleichzeitig Feierabend macht - was insbesonders in Schichtbetrieben auch tatsächlich gut verständlich ist.

    Einige fahren generell gerne Auto und lieben jede Minute am Steuer, wie mein Vater zum Beispiel.

    Gerade bei gut betuchten Leuten darf man nicht vergessen, dass ein Auto auch einem Statussymbol entspricht. Sie meinen, sie würden sich als Busfahrende wie arme Leute fühlen, die ihr eigenes Benzin nicht bezahlen können, ganz zu schweigen von einem eigenen Auto. Gerade Chefs fühlen sich oft gedemütigt, wenn sie kein eigenes Auto fahren: Sie glauben dann, schlecht dazustehen und sich zum Gespött zu machen. Viele wollen auch einfach zeigen, dass sie ein eigenes Auto besitzen und damit pekuniär begünstigt sind.

    Gerade wenn Leute, die in Unternehmenshierarchien auf verschiedenen Stufen stehen, nahe beeinander wohnen, könnte ich mit gut vorstellen, dass sie sich einander nicht derart annähern wollen und mit ihrem Auto auch ein Stück Privatleben zu offenbaren, was einem im schlimmsten Fall sogar zum Verhängnis werden könnte. Generell gibt es auch Leute wie zum Beispiel meine Mutter, die es nicht mögen, wenn andere Leute Auto fahren und sich dabei sogar unsicher fühlen.

    Manche glauben nicht an anthropogenen Klimawandel oder reden sich die Umweltschäden gering - und sehen (oder wollen) keine Umweltschäden wahrnehmen. Solange man selbst keine Auswirkungen unseren Handelns spürt und das Benzin noch im Rahmen des Bezahlbaren bleibt, werden viele Leute nicht den Drang spüren, zu Fahrgemeinschaften umzusatteln.
    Traurig, ja, ist aber für viele Leute zutreffend.

    [QUOTE]Ich verstehe einfach nicht, wieso sich Leute nicht zu Fahrgemeinschaften zusammenschliessen. ODer mit den Öffentlichen fahren! [/QUOTE]

    Ich habe oben einige Gründe genannt, die mir gerade spontan eingefallen sind - was aber nicht heißt, dass die Fälle generell unterstütze, wenngleich ich manche Fälle wie beispielsweise Schichtarbeiter durchaus verstehen kann. Andererseits nämlich auch unheimlich viel für Fahrgemeinschaften: Man spart ordentlich Benzin, schont die Umwelt, hat Gesellschaft (wenn man denn am frühen Morgen schon "Sprechstunde" hat, was nicht bei allen Menschen zutrifft) und muss nicht immer selbst Auto fahren. Außerdem kann es bei den richtigen Leuten auch echt lustig zugehen.

    Viele Leute mögen nunmal keine öffentlichen Verkehrsmittel. Sehr viele, eigentlich. In meinem Bekanntenkreis bin ich selbst meines Wissens nach der einzige, der gerne mit dem Bus oder der Bahn fährt und öffentliche Verkehrsmittel dem Auto meiner Eltern (ich selbst besitze Keines) vorzieht.
    Manche finden, dass gerade Sitze und Haltegriffe in öffentlichen Verkehrsmitteln wie S-Bahnen, Bussen oder Zügen unhygienisch und daher zu meiden sind. Andere misstrauen der Clientele öffentlicher Verkehrsmittel, in meiner Gegend gibt es da echt massig Cliches über insbesonders Busfahrende, aber auch Zugreisende. Viele wollen daher nicht zu selbigen Reisenden gehören und glauben, nur Alte, Arme, Schüler und Studenten oder "komische Leute" generell würden mit öffentlichen Verkehrsmitteln reisen - was ich anders sehe.
    Sie haben oft auch Angst angemacht zu werden, was in Bezug auf all die grässlichen und einseitigen U-Bahngeschichten, welche zumindest in Deutschland kursieren, auch kein Wunder ist.

    Ein echtes Argument ist, dass öffentliche Verkehrsmittel besonders in ländlichen Regionen unheimlich unflexibel sind und häufig verspätet eintreffen. Wenn ich nicht studiere, lebe ich in einem Zweitausendseelendorf, und an der Ansicht ist erfahrungsgemäß durchaus was dran. Außer mir selbst fahren nicht viele Leute freiwillig mit den Bussen, die hier kursieren. Zumindest nicht, wenn Alternativen bestehen. Auch sind die Verbindungen besonders nachts, wenn man ausgehen möchte, nur spärlich gesäht und daher recht unflexibel.

    Viele Leute sind auch einfach zu ungeduldig, auf Busse oder Bahnen zu warten. Ich selbst bevorzuge öffentliche Verkehrsmittel einerseits aus umweltlichen Gründen, andererseits, weil ich ungerne Auto fahre und außerdem, weil es für mich als Student günstiger ist. Des Weiteren liebe ich es einfach, im Bus zu sitzen und die Leute zu beobachten oder aus dem Fenster blickend vor mich hinzuträumen. Das ist erfahrungsgemäß aber nicht jedermanns Sache.

    @Petralu:
    [QUOTE]Da bleibt als Ausweg gegen das schlechte Gewissen nur noch ein Elektroauto ;-) [/QUOTE]

    Das würde ich nicht generell so annehmen.
    Das "gute Gewissen" gilt nur, wenn man weiß, dass der dafür benötigte Strom nachhaltig und umweltfreundlich erwirschaftet wurde. Solange das nicht der Fall ist, und ein Großteil der elektrischen Energie für Elektroautos entweder fossilen Brennstoffen oder Atomkraftwerken entstammen, verlagern sich die Emissionen im ersten Fall nur oder unterstützen im zweiten Fall die Atomkraftindustrie.

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    "Across the Nile ... there are stars tonight."<br />
    - Amy Mac Donald <br />
    Lese gerade: http://www.starwars-union.de/literatur/Shadow_Games/0-345-51120-4/

  4. Das mit den schlechten Anbindungen in ländlichen GEbieten stimmt total! Ich bin auch auf dem Land aufgewachsen und habe die ewige Warterei auf die Busse gehasst! Wenn mich meine Mutter stattdessen mal mit dem Auto gefahren hat, bin ich vor Freude im Kreiss gesprungen ;-) Aber in grösseren Städten gilt das Argument nicht. In der Schweiz sind die öffentlichen Verkehrsmittel wirklich sehr gut. Aber ja, Byzantiner, du hast ja dafür viele andere Gründe genannt, die Leute vom Bahn fahren abhalten... Das mit der Hygene kann ich auch verstehen. Ich finde die Haltestangen auch oft ein bisschen eklig. Aber dann wäscht man sich halt danach die Hände - alles halb so schlimm ;-)

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  5. [QUOTE]Aber in grösseren Städten gilt das Argument nicht. In der Schweiz sind die öffentlichen Verkehrsmittel wirklich sehr gut. [/QUOTE]

    Na, wenn das so ist. Ich weiß das leider nicht zu beurteilen. Ich war zwar schon einige Male in der Schweiz, aber ich bin dort nur unregelmäßig mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren.

    Klar, dann gilt das Argument nicht... aber trotzdem damit schafft man das Problem damit nicht aus der Welt.
    Oft wollen die Leute ganz einfach deshalb nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder in Fahrgemeinschaften fahren, weil sie das Privatauto als angenehmer empfinden. In dieser Situation finden die meisten Leute erfahrungsgemäß massig andere Gründe, nicht mit Bus oder Bahn zu fahren - ganz einfach, weil sie diese Gründe gerne finden möchten.

    [QUOTE]Aber dann wäscht man sich halt danach die Hände - alles halb so schlimm ;-) [/QUOTE]

    Natürlich...eigentlich ist das kalter Kaffee. Eigentlich. Das ist der springende Punkt. Man kann sich die Hände waschen. Man kann es auch so machen, wie ich und die Haltestangen ganz einfach mit dem Pullover oder der Jacke über den Händen umklammern. Eigentlich auch kalter Kaffee - aber oft, glaub mir, ist die Bequemlichkeit des eigenen Autos der größte Feind der öffentlichen Verkehrsmittel.

    Diesen inneren Schweinehund müssen die Leute eben überwinden - und wenn der dazu nötige "Druck" nicht da ist, man also keine Auswirkungen des eigenen Handelns direkt ermessen kann, machen sich Viele einfach nicht die Mühe, sich mit diesem inneren Schweinehund anzulegen.

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    "Across the Nile ... there are stars tonight."<br />
    - Amy Mac Donald <br />
    Lese gerade: http://www.starwars-union.de/literatur/Shadow_Games/0-345-51120-4/

  6. mir wäre es viel zu riskant mit irgend einer fremden person auto zufahren, bzw. mitzufahren. ich weiss ja nicht wie der oder die fährt:sadface:

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  7. ausserdem fahre ich eh lieber mit öffentlichen verkehrsmitteln:smile:

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  8. richtig. in den öffentlichen kann man noch was erleben!

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  9. Was kann man den erleben? Immer dieses gedrängel und nie ist ein Platz frei :saddd:

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  10. Ich fahre lieber Öfis als Fahrgemeinschaften, weil die zu Umständlich sind. Oft muss man einen kleinen Umweg machen, auf die anderen Warten und im Stau stehe ich da trotzdem, da bleibe ich lieber Stur und sitze im Stau allein im Auto.

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