Ich will kein Nachhaltigkeits-Oberlehrer sein

  1. Hallo zusammen
    Ich bin noch Student und wohne in einer WG. An sich gefällt mir das sehr gut - nur sind meine Mitbewohner nicht besonders nachhaltig orientiert. Kippen das Fenster während die Heizung läuft, kaufen die schlimmsten Chemiekeulen zum Putzen, essen ständig Fleisch,... Ich würde da eigentlich gerne ein bisschen was... ich sage mal anstossen... aber ich will nicht der Moralapostel oder Oberlehrer sein.

    Was habt ihr denn für Erfahrungen gemacht, wenn ihr andere überzeugen wolltet, nachhaltiger zu leben?

    Merci und viele Grüsse
    Beni

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  2. Hallo Beni
    Das Problem kenne ich - man rutscht da sehr schnell in so eine Rolle hinein. Vielleicht musst du ja erst einmal gar nichts direkt sagen, sondern einfach mit gutem Beispiel vorangehen. Also zum Beispiel Stosslüften während alle in der Küche sind und auf Nachfrage erklären, warum du das so besser findest (spart ja auch Kosten - dafür sind doch nun wirklich alle Studenten offen ;-) )
    Oder wenn Putzmittel leer ist einfach der erste sein, der neues nachkauft - dann kannst du auch entscheiden, mit was ihr putzt...

    Ich denke generell musst du einfach darauf achten, dass du dich selbst nicht so hinstellt, als ob du immer alles ökorrekt machst. Sondern nur dein bestes gibst, weil du denkst, dass es der richtige Weg ist.

    Ich hoffe das hilft dir.
    Liebe Grüsse
    Petra

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  3. [QUOTE]Kippen das Fenster während die Heizung läuft, kaufen die schlimmsten Chemiekeulen zum Putzen, essen ständig Fleisch,... Ich würde da eigentlich gerne ein bisschen was... ich sage mal anstossen... aber ich will nicht der Moralapostel oder Oberlehrer sein.[/QUOTE]

    Ich denke, das Vorgehen muss maßgeblich davon abhängen, was für ein Verhältnis du zu deinen Mitbewohnern hast. Seid ihr sehr intensiv befreudet oder seit ihr nur gute Freunde, die rein zufällig zusammenwohnen? Aus dem Kontext geht ja eher hervor, dass die Freundschaft eher oberflächlicher Natur ist, als eine intensive Freundschaft.

    Ich denke, wenn ihr nur oberflächlich befreundet seid, solltest du Vorsicht walten lassen - was nicht heißt, dass du nichts tun kannst. Es ist nur so, dass Leute, die nicht so viel mit Nachhaltigkeit zu tun haben und mit denen man nicht so innig befreundet ist, sich dann unter Umständen ein Bild machen, welches stark auf dieser Nachhaltigkeitssache basiert.

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    "Across the Nile ... there are stars tonight."<br />
    - Amy Mac Donald <br />
    Lese gerade: http://www.starwars-union.de/literatur/Shadow_Games/0-345-51120-4/

  4. [QUOTE]Kippen das Fenster während die Heizung läuft, kaufen die schlimmsten Chemiekeulen zum Putzen, essen ständig Fleisch,... Ich würde da eigentlich gerne ein bisschen was... ich sage mal anstossen... aber ich will nicht der Moralapostel oder Oberlehrer sein.[/QUOTE]

    Ich denke, von entscheidender Bedeutung ist die Frage, wie gut du mit deinen Mitbewohnern befreundet bist. Wenn ihr seht intensiv befreundet seid (wovon ich aus kontextuellen Gründen allerdings nicht ausgehe), dann kannst du die Sache auf jeden Fall auf den Tisch bringen.
    Gute Freunde hören einander zu und lassen sich auf Gespräche zu diesen Themen ein. Ob sie wirklich alles (oder auch nur Teile) dessen umsetzen, was du vorschlägst, ist wieder eine andere Sache.:wink:

    Wenn ihr "nur" deswegen zusammelebt, weil ihr eben gemeinsam wohnt, ist die Sache eben um ein Wesentliches schwieriger - da könnte es dann schonmal vorkommen, dass deine Mitbewohner (zumindest innerlich) mit den Augen rollen, je nach dem, was sie so für Einstellungen zum Thema Nachhaltigkeit haben.
    Ich habe auch schon erlebt, dass WGs wegen solcher Differenzen schwere Zeiten durchgemacht haben.

    Ich denke, du solltest vorsichtig herausfinden, wie deine Mitbewohner so auf das Thema eingestellt sind. Wenn du merkst, dass ein relativ großes Maß an Offenheit besteht, dann kannst du sicher vieles beeinflussen, wenn sie darauf keine Böcke haben, wird die Situation natürlich schwieriger.

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    "Across the Nile ... there are stars tonight."<br />
    - Amy Mac Donald <br />
    Lese gerade: http://www.starwars-union.de/literatur/Shadow_Games/0-345-51120-4/

  5. @Byzantiner: Doch, doch, wir sind eigentlich schon ganz gut befreundet. Also kommen auf jeden Fall sehr gut miteinander aus und verbringen auch in der Freizeit öfter Zeit miteinander. Kochabende, gehen in den Ausgang usw. Aber irgendwie habe ich mich bisher nicht getraut, sie zu kritisieren, wenn sie sich unnachhaltig verhalten. Ich bin ja eigentlich selber noch nicht so lange aufmerksam, was das betrifft...

    Aber vielleicht gebe ich mir demnächst mal einen Ruck und sage was. Oder versuche es erst mal mit der STrategie, die Petralu vorgeschlagen hat: Mit gutem Beispiel voran und hoffen, dass Fragen dazu kommen...

    Danke euch beiden
    VG Beni

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  6. Ich habe auch schon die Erfahrung gemacht, dass Freunde von mir bisweilen angenervt sind, wenn ich sie mit meinem "Nachhaltigkeits-Kram" nerve. Ich habe gemerkt, dass es meist zu nichts führt, Leute, die kein Interesse daran haben, überzeugen zu wollen. Die fühlen sich eher angegriffen, weil du ihnen ja quasi vorwirfst, ignorant und egoistisch die Welt kaputt zu machen ;-)

    Deshalb rede ich über Nachhaltigkeit eher mit Leuten, die meine Einstellung teilen. Und bei Freunden, die mit dem Thema nichts anfangen können, hoffe ich einfach ein gutes Beispiel dafür zu geben, dass Nachhaltigkeit Spass macht und gar nicht so schwer ist. Aber klar, man muss es wollen - oft ist die nachhaltige Variante halt ein wenig teurer oder unbequemer.

    Viel Glück beim "Missionieren" ;-)
    Tamina

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  7. Ich finde es eben schade, nur mit anderen "Nachhaltigkeits-Fans" über das Thema zu sprechen. Irgendwie möchte ich andere, die damit bisher gar nichts zu tun hatten und auch nichts darüber wissen, überzeugen... Aber das ist eben ein schmaler Grat bis man anfängt zu nerven :sad:

    Bei meinen Mitbewohnern habe ich aber inzwischen schon die erste gute Erfahrung gemacht: Beim Lüften habe ich vorgeschlagen lieber ein Mal kräftig zu lüften und dann wieder zuzumachen. Allerdings habe ich den Einstieg auch über das Preisargument gewählt und erst im "Abspann" gesagt, dass es ja ausserdem auch besser sei für die Umwelt :wink:

    LG
    Beni

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