Streit mit veganer Freundin

  1. Hallo ihr,

    ich muss mal was loswerden: und zwar habe ich mich vor einer Woche mit einer Freundin gestritten und seither keinen Kontakt mehr mit ihr. Sie ernährt sich jetzt seit einiger Zeit ausschliesslich vegan und hat sich anscheinend in den Kopf gesetzt, andere Leute ebenfalls zu bekehren. Zu mir hat sie anfänglich nichts gesagt, doch dann fing sie langsam aber sicher an, meine normale Ernährung zu kritisieren. Ich esse jetzt nicht überdurchschnittlich viel Fleisch, aber Milch und Eier stehen bei mir beinahe täglich auf dem Speiseplan. Sie erzählt mir jetzt immer wieder davon, wie schlimm es doch den Tieren ergeht und dass sie es nicht nachvollziehen kann, wie jemand mit Herz keine Rücksicht darauf nehmen kann. Es ging soweit, dass sie mich danach gefragt hat, was ich denn heute schon so gegessen habe und dabei verdrehte sie immer wieder die Augen. Ich hab ihr schliesslich meine Meinung gesagt und dass es doch jedem selbst überlassen sein soll, wie er sich ernährt. Jetzt spricht sie nicht mehr mit mir...:ohnoes:

    Ich kaufe ja schon Bio aber auf tierische Produkte will ich nicht verzichten. Habt ihr schon ähnliche Erfahrungen gemacht? ich hoffe ja, dass sie sich bald wieder abreagiert und diese Belehrung nur eine Phase ist...

    Liebe Grüsse

    Mariel

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  2. Also das ist doch echt ne Frechheit von deiner Freundin. Mich nervt es immer unwahrscheinlich wenn andere Leute einem vorgeben wollen, was man zu tun und zu lassen hat. Vegan zu leben ist zudem nicht wirklich gesund!

    So lange du es mit deinem Gewissen vereinbaren kannst, steht es dir ja wohl frei, Tierprodukte zu essen.
    An deiner Stelle würde ich den Kontakt erst mal abbrechen so lange sie sich so benimmt.

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  3. Ich finde es prinzipiell eigentlich ganz ok von deiner Freundin, wenn sie andere Leute ein wenig aufklärt. Doch wenn sie dir etwas verbieten will, ist das natürlich was anderes... Sprich doch einfach nochmal vernünftig mit ihr. Oder schreib ihr einen Brief???!

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  4. Hallo Mariel,
    ja das kenne ich. Muss mich hier wohl auch ein Stück weit an der Nase nehmen, manchmal bin ich wohl auch so.
    Prinzipiell muss man natürlich sagen, jeder soll leben wie er sich wohlfühlt und sich vegan zu ernähren ist nicht ungesund. Ich sage hier immer das ist die Ernährung die uns groß und stark macht, denn schau dir die Tiere an, große und kräftige Tiere leben (fast) alle vegan :;;D:
    Ohne jetzt das genaue rundherum zu kennen würde ich den Kontakt nicht abbrechen. Denn hier ist vermutlich auch eine (ur-)psychologische Komponente dabei: Eine Umstellung ist oft, überhaupt zu Beginn, mit Entbehrungen und Aufwand verbunden. Die Person, die die Nahrungsaufnahme umstellt stellt sich damit in der Gesellschaft etwas schlechter. Die "Jagd" wird plötzlich erschwert, die Beutemöglichkeiten stark reduziert - während "alle" anderen rundherum nach wie vor die Beute jagen können, die sie gerne möchten.
    Das ist etwas was wir nicht wollen - auch wenn wir es aus rationalen Gründen so machen. Ich vermute daher, dass Deine Freundin hier versucht sich (unbewusst) besser zu stellen, da dieser Nachteil kompensiert werden muss.
    Ich erkenne das auch immer wieder bei mir, ich jage ovo-lakto vegetarische (faire) Bioware. Und wenn ich dann an der Kasse stehe und sehe, was die Leute für einen "Mist oder Chemieklumpert" kaufen und dann meine "Trophäen" am Förderband dazugebe, dann kommt schon mal ein Gefühl an Überlegenheit auf ("seht her, meins ist viel gesünder und besser";). :sad:
    Also, lange Rede kurzer Sinn, wenn dir diese Freundschaft wichtig ist: Sprich mit ihr, versuch ihre Seite zu verstehen, vielleicht funktioniert das mit dieser Erklärung besser. Zeige Verständnis (notfalls bei einem Ohr rein und beim anderen raus, darum haben wir ja zwei) und versuche ihr zu erklären, dass Du bis jetzt den Weg so weit gegangen bist wie es für Dich bis jetzt möglich ist. Damit schließt Du auch nichts für die Zukunft aus. :heheh:
    Welche Ernährungsform die sinnvollste ist, die Diskussion würde ich lassen - das ist wie bei Religionen. Und vermutlich wird das nicht eine Phase sein, die Bestätigung, dass sie das auf diese Weise toll macht wird sie immer wieder suchen.
    LG
    Andreas

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  5. Hallo ihr Lieben,

    ich danke euch für eure Antworten! Michi, ich möchte den Kontakt eigentlich schon so schnell wie möglich wieder herstellen. Wie Andreas schon sagte, die Freundschaft ist mir wichtig und ich hoffe darauf, dass es nur eine Phase von ihr ist. Sie musste mich ja auch schon in weniger angenehmen Phasen «ertragen».
    Wie genau ich das handhaben werde, weiss ich noch nicht. Sie war diejenige, die plötzlich nicht mehr auf meine Anrufe und SMSen reagierte nur weil ich ihr sagte, dass ich alt genug bin um zu wissen was gut für mich ist und ich mich nicht wegen ihrem neuen Essverhalten ebenfalls dermassen verbiegen möchte. Ich hab es nämlich zugegebenermassen gerne bequem.

    Liebe Grüsse

    Mariel

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  6. Hey ich hatte mal ein ähnliches Problem. Ich wohne jetzt schon länger in einer 4er WG. Wir hatten eine kurze Zeit mal eine Verganerin als Mitbewohnerin. Sie hat uns andere auch immer wieder wegen unseres essens kritisiert und wollte sich dann nicht mal mehr was zu essen bei uns in der Küche machen, weil laut ihrer Aussage unsere Küche "verpestet" war...:saddd:
    Wir haben dann mit ihr gesprochen und versucht auf sie einzugehen aber das hat alles nichts gehoffen. Sie ist dann nach einem halben Jahr wieder ausgezogen und wir waren alle erleichter. Ich hoffe mal das es bei deiner Freundin nicht auch so schlimm wird.
    Ich kenne nämlich auch Veganer die sind super nett und klar sagen die auch ab und zu was zu meinem Essen, aber nciht auf eine böser art sondern eher lieb gemeint. Vielleicht meinte es deine Freundin ja auch nicht böse. Ich würde dir wie andereas auch raten einfach nochmal mit ihr zu reden und zu versuchen auch zu verstehen warum sie jetzt angefangen hat sich so zu ernähren und ihr nochmal sagen das du dich lieber "normal" ernährst.

    Hoffe konnte dir helfen

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  7. Das leben besteht eben auch aus Toleranz! Das müsste sie mal doch mehr praktizieren, jeder hat einen freien Willen!

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  8. Oh mann sowas habe ich auch durch. Und bei meiner Freundin hat sich das dann auf alles Lebenssituationen ausgebreitet wie ich denn bei H&M einkaufen kann, die armen Menschen die in den fabriken sitzen ... die kauft lieber Qualität bei Marken ... so ein Quatsch. ich finde solche Menschen unerträglich. Die Begreifen einfach nicht, dass es auch andere Lebensformen gibt die vielleicht genauso gut sind und nicht so radikal sein müssen. Man sollte die Entscheidung kjedem selber überlassen, die beschweren sich immer, dass sie nicht akzeptoert werden ... aber selben tun die alles um auch nicht tolerant zu sein anderen gegenüber, die davpn eben nichts halten. So lange man alles in Maßen macht, macht man auch nichts falsch ist meine meinung.

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  9. Ja das sollte einfach jedem selbst überlassen sein. Vor allem ne vegane Ernährung. Die stellt das Leben ja komplett um.

    Wenn man es sich leisten kann, find ich es schon gut, nicht mehr bei H&M und so weiter einzukaufen. Viele Marken sind aber auch nicht viel besser... Lg

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  10. Ich stimme Andreas völlig zu, was die psychischen Hintergründe angeht. Was man auch noch bedenken muss: die Entscheidung, sich vegan zu ernähren ist selten eine gesundheitliche, sondern sehr oft primär eine ethische. Das heisst, man isst nicht mehr keine Eier wegen Cholesterin oder Salmonellen, sondern explizit wegen der Hünerhaltung. Das heisst dann auch, dass man nach einer solchen Entscheidung (die sich ja in der Regel über mehrere Monate entwickelt) sich vielleicht irgendwie "besser" fühlt als andere Menschen. Und dann möchte man sein Umfeld natürlich auch zu besseren Menschen machen.
    Ehrlich gesagt, bin ich selber seit etwa 2 Monaten in einer Annäherung an den Veganismus. Es gibt einfach schlagende Argumente, die man meiner Meinung nach nicht kontern kann (wie etwa Umweltbelastung oder auch die schlichte Tatsache, dass wir effektiv keine tierischen Produkte brauchen um zu wachsen und leben). Das mit der Tierqual hingegen finde ich schwierig. Ich glaube, da lassen wir uns zu sehr von Amerika beeinflussen, wo der Veganismus ja herkommt und wo die Massentierhaltung ja um das Mehrfache dramatischer ist als bei uns. Auch in vielen europäischen Ländern ist das eine ganz schlimme Sache. Aber bei uns ist die Situation schon nicht ganz so schlimm. Klar, ein eingesperrtes Tier bleibt ein eingesperrtes Tier. Aber alles was ich bisher in den Schweizer Bauernhöfen und Schlachthöfen gesehen habe, hat mich nicht traumatisiert und unsere Bauern haben schon noch einen Grundrespekt vor den Tieren.
    Ich mache aber mal einen Vorschlag: schon seit fast 10 Jahren mache ich während der christlichen Fastenzeit einen Verzicht, in der Regel Kaffee oder Schoggi (nicht weil ich irgendwie religiöse Ambitionen hätte, sondern einfach als Herausforderung an mich selbst). Wie wäre es, wenn wir gemeinsam einen 46-Tage veganen Lifestyle versuchen? Wir könnten dann Rezepte tauschen und unsere Erfahrungen berichten. Wer ist dabei?? =)

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