Gibt es hier eigentlich noch andere Veganer?

  1. Liebe Corinna, ich verstehe deinen Schmerz...schon nur in unserer Gesellschaft geboren zu sein und irgendwie darin zu agieren gibt uns ein Schuldgefühl. Wenn du die Lösung gefunden hast: gib mir Bescheid, ich könnte auch einen Tipp brauchen ;)

    Zum B12: Pflanzenfresser fressen eben auch viele kleine Organismen, die sich im Dreck, in den Blättern etc. verstecken. Und wahrscheinlich haben die auch eine andere Resorption als wir...und vielleicht brauchen sie auch nicht dieselben Mengen (aber das ist jetzt eine Annahme).

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  2. Hallo Corinna!

    Toll dass du dir Gedanken für Veganismus machst! Ich selber bin Milchproduzent, aber selber Veganer. Um meine Geschäftspartner nicht vor den Kopf zu stossen bleibe ich hier anonym. Wenn ich mit der Milchproduktion aufhören könnte, würde ich das sofort tun, aber da ich sehr viel Geld in einen Freilaufstall und Melkanlage investiert habe, kann ich mindestens für die nächsten 10-20 Jahre unmöglich etwas anderes machen, sonst bin ich ruiniert ;-)

    Um dich für den Schritt zum Veganismus zu bestärken: ich schaue extrem gut zu den Kühen und liebe diese Tiere wirklich sehr. Kein einziges erfährt von mir je Gewalt (abgesehen davon, dass ich sie letztendlich schlachten lassen muss) oder ein böses Wort (ok, ganz selten wenn ich ungeduldig bin, kann ein Schimpfwort rausrutschen, aber dann entschuldige ich sogleich wieder :-D ) Ja und wo ist jetzt das Problem? Die Tiere leiden trotzdem! Schon kurz nach dem Kalben muss ich das Kalb der Mutter wegnehmen. Der Trennungsschmerz ist teils extrem gross!! Dann müssen 2x jährlich die Klauen geschnitten werden, die Kühe haben jedesmal eine höllische Angst, Stress pur. Trotz grösster Sorgfalt kann es Bluten und grosse Schmerzen verursachen. Oft haben sie auch Geschwüre, trotz top Stallböden usw. Die Tiere leben haufenweise auf relativ engem Raum, im Winter können sie nicht auf die Weide, das gibt zwangsläufig immer wieder Probleme. Dann werden 3/4 der Kälber nicht für die Aufzucht verwendet, sie sind schon bei der Geburt für nichts anderes da, als gemästet und geschlachtet zu werden. Und dies nur, damit die Milch bezahlbar bleibt. Wären alle Menschen Vegetarier, dann würde Milch fast das doppelte kosten, und sehr viele Tiere (Kälbchen) müssten, analog der Eierproduktion, schon kurz nach der Geburt getötet werden.
    Weiter bedeutet das Leben auf engem Raum auch Stress, obwohl ich relativ grosszügig gebaut habe. Dann gibt immer wieder mal schmerzhafte Euterinfektionen, und die nötigen Behandlungen muss die Kuh auch erdulden. Die Behandlung schmerzt zwar in der Regel nicht, aber sie macht ihnen Angst. Die Absetzfristen nach einer Behandlung sind relativ kurz, so dass es in der Milch und im Käse mit Sicherheit Antibiotikaresistente Keime hat. Bio ist besser, da sind die Absetzfristen länger, solche Keime wird man aber auch da finden. Ich bin noch nicht Bio, werde diesen Schritt aber bald machen. Selber konsumiere ich fast ausschliesslich Bio-Produkte und wo möglich Fairtrade.

    Nach ca. 5-10 Jahren werden die Kühe geschlachtet, da sie von da an nicht mehr genug wirtschaftlich sind. Alle Milchprodukte haben viel Blut dran, das sage ich als Milchproduzent. Von Eier rede ich mal gar nicht, es ist eine Katastrophe. Das mit den männlichen Küken betrifft alle Eier, selbst die vom ach so lieben Nachbarn. Wenn es nicht so wäre, würden überall in Massen Hähne rumlaufen.

    Ich kann dir versichern, ich mag meine Arbeit überhaupt nicht mehr. Ich mache sie aber trotzdem mit Liebe, den Tieren zu liebe. In einer veganen Welt müssten all diese Tiere nicht geboren werden, und somit wäre all dieses Leid total vermeidbar. Der einzige Trost für ist, dass diese Produkte ja immer noch nachgefragt werden, und dass es vielleicht gar nicht so schlecht ist, wenn sich einer der Produzenten so viel Mühe mit den Tieren gibt wie ich.

    Zu deiner Frage, was mit den Alpen und Steilhänge wäre: Also grosse Flächen könnte man wieder verwalden lassen, da man bei einer veganen Ernährung viel weniger Fläche verbraucht. Viele Flächen könnte man mit Obst und Beeren bebauen. Wir hätten in der Schweiz 100% Eigenversorgung. Einiges, was hier nicht wächst (exotische Früchte z.B.) würde man trotzdem importieren, aber das sähe ich kein Problem darin.

    Beim B12 sehe ich es so wie Pocahontas. Ich und meine Frau nehmen seit kurzem B12, und schauen mal, ob sich was im Blut verändert. Die Kinder bekommen auch B12. Evtl. setze ich auch mal für 2 Jahre aus, und vergleiche dann mein Blut mit dem meiner Frau, wird sicher interessant. Vitamin D nehmen wir noch nicht, das überlegen wir noch. Ich glaube auch, dass es viel zu wenig erforscht ist. Ich hatte mal als Allesesser B12-Mangel. Wahrscheinlich essen wir zu sauber und ungesund, und es hat weniger mit veganer Ernährung zu tun. Aber scheinbar schadet ja künstliches B12 nicht, also was solls.

    Alles Gute, und bei Fragen einfach fragen :-)

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  3. Hallo Zusammen,

    ich bin auch Veganerin. Das seit ca. 1 Jahren :smile: Jetzt hab ich dazu auch mal ein paar Fragen. Mein Mann und ich überlegen uns schon seit längerem ein Kind zu bekommen. Und jetzt haben wir uns letztendlich auch dazu entschlossen, dass wir es mal versuchen. Jetzt versuchen wir es gerade und da sind bei mir ein paae Fragen aufgetreten. Habe ich irgendwelche Mangel an Vitaminen, da ich ja Vegetarierin bin. Im Internet habe ich gelesen, dass Folsäure sehr wichtig ist, auch schon vor der Schwangerschaft. Da es sonst zu Mangelerscheinungen kommen kann. (http://www.doppelherz-schwangerschaft.de/folsaeure.html) Und was ist mit den anderen Vitaminen? Auf was muss ich bei meiner Ernährung achten, um mein Kind mal nicht zu gefährden? Ich möchte einfach meinem Kind nicht schaden und auch nicht, dass es ihm an irgendetwas fehlt. Gibt es hier vielleicht noch andere Veganerinnen, die selbst Mutter sind und mir weiterhelfen können?

    Vielen Dank schon mal für die Tipps!

    Liebe Grüße, Bienchen :smile:

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  4. Unsere Kinder kamen lange vor unserer veganen Zeit auf die Welt, daher haben wir diesbezüglich keine Erfahrung. Wichtig ist auf jeden Fall, dass man das Blut testet und bei Bedarf richtig reagiert. Dabei ist es völlig egal, ob man nun Vegan oder anders isst. Bei einer gesunden Frau mit gesundem Darm dürfte es so gut wie nie Probleme geben. Fakt ist aber, dass wir eben selten richtig gesund essen. Wir essen z.B. fast alle definitiv zu viel Fett. Optimal wären 10% der Kalorien aus Fett (auch bei Schwangerschaft, vorausgesetzt man isst trotzdem genügend Kalorien), wir essen aber meist 30-40% Fettkalorien, also viel zu viel. Da ist es ganz logisch, dass wir gleichzeitig auch zu wenig frisches essen. Es ist fast normal, dass bei den meisten Menschen daher die Verdauung (und somit Verstoffwechselung) eben nicht optimal funktioniert, und da kann es halt schon vereinzelt zu einem Mangel kommen. Aber wie erwähnt, da sind Veganer keinen Deut schlechter dran als Allesesser, eher im Gegenteil, da sich Veganer im Schnitt eben gesünder ernähren. Wenn aber mal eine vegane Schwangerschaft Probleme macht, kommt das natürlich sofort in allen Nachrichten. Bei Omnivoren Komplikationen redet kein Mensch darüber. Diese Tatsache verwirrt die Menschen, und macht Angst vor einer veganen Ernährung. Völlig unbegründet!

    Also:

    1.
    möglichst frisch und gesund, sowie möglichst fettarm essen, aber immer auf genügend Kalorien achten. Gerade wenn man auf viel Fett verzichtet, muss man Mengenmässig deutlich mehr essen, um auf genügend Kalorien zu kommen. Denn z.B. Früchte und Gemüse haben sehr wenig Fett, aber viel Wasser, und somit wenig Kalorien pro Volumen (Fett ca. 9kcal/g, Kohlenhydrate und Protein je ca. 4kcal/g). 1 Esslöffel Rapsöl hat ungefähr gleichviel Kalorien wie 300g Äpfel (gut 140 kcal). Ich empfehle aber, eine gravierende Änderung der Ernährungsweise erst nach der Stillzeit zu machen, denn sonst kann der Körper stark entgiften, was möglicherweise nicht optimal für den Fötus wäre. Also schon möglichst gesund, mache aber nur ganz kleine Schritte in Richtung gesund (nicht falsch verstehen, ich hab ja keine Ahnung wie du dich ernährst, ich gehe nur vom Durchschnitt aus :-D )

    2.
    Such dir möglichst einen Frauenartzt/ärztin, die offen für eine vegane Ernährung ist. Ich kenne eine Vegetarierin, die sich bei ihrem Frauenarzt selbst für ihre vegetarische Lebensweise einen Haufen Kritik anhören musste, das geht einfach gar nicht. Leider kenne ich keinen solchen Frauenarzt, tut mir leid. Wenn du aber erstmal so einen Frauenarzt gefunden hast, solltest du auch recht gut beraten werden. Folsäure hat meine Frau damals auch genommen, aber ich kenne mich damit ehrlich gesagt nicht wirklich aus.

    3.
    Ein paar gute Tipps könntest du dir sicher von Cheesy erhaschen:

    http://www.cheesy.ch/blog/?s=schwanger

    Ich hoffe du kannst damit etwas anfangen und wünsche dir alles Liebe und Gute :-)

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