Warum produziert die Schweiz nicht mehr Windenergie??

  1. Ich habe gerade http://www.nachhaltigleben.ch/themen/erneuerbare-energie/windkraft/windenergie-ist-in-der-schweiz-noch-ausbaufaehig-1823 gelesen dass die Schweiz bei der Windenergie extrem hinterher hängt. Deutschland produziert 60 Mal mehr Windenergie als wir! Ich verstehe gar nicht warum - in den Alpen gibt es doch Wind ohne Ende...

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  2. Ich denke, das lässt sich monokausal kaum so einfach beantworten. Das wird, denke ich, mehrere Gründe haben - die aber durchaus zumindest teilweise auch ihre Gegengründe haben mögen.

    Eine wirklich akurate Beurteilung ist insbesonders für Ausländer wie mich (ich lebe in Deutschland) wahrscheinlich schwer zu treffen, aber ich habe http://forum.nachhaltigleben.ch/threads/270-Glaupt-ihr-irgendwann-alleine-durch-Wind-und-Solarenergie-versorgt-zu-werden mal einige Gedanken fallen gelassen, die so in etwa in die Richtung gehen. Wenn auch eher in Richtung Wasserkraft.

    Einerseits denke ich, dass Windenergie immernoch verhältnismäßig neu ist und große Teile der damit verbundenen Technik im Vergleich zu fossilen Brennstoffen noch zumindest teilweise in den Kinderschuhen stecken.
    Des Weiteren denke ich, wird es wohl so sein, dass Windenergie bislang kaum wirklich gespeicht werden kann (sicher weiß ich das allerdings nicht) - was sie im Vergleich zu anderen Energieformen relativ unsicher macht. Auch außerhalb der Schweiz spürt man international recht wenig, was einem Drang nahekäme, auf regenerative Energien umzusatteln. Noch reichen die fossilen Brennstoffe zur Genüge, was die Energieversorgung fürs Erste gewährleistet und damit das Umsatteln auf neue Energien verhältnismäßig unattraktiv macht. Schließlich kosten derartige Umwandlungen ja auch massig Geld.
    Auch klimatechnisch halten sich die Auswirkungen auf die deutschsprachigen Gebiete bislang eher in Grenzen. Ist wie gesagt nicht nur in der Schweiz so, sondern international ein gewisser Faktor, der Zögerlichkeit hervorrufen kann.

    Was ich auch noch denke, ist, dass viele Leute sich fragen, was flächig verhältnismäßig kleine Staaten wie die Schweiz überhaupt ausrichten können, um die Auswirkungen des Klimawandels auf das globale Klima überhaupt abzuschwächen.

    Das sind die Gründe, die mir gerade einfallen, was Windenergie gerade unattraktiv macht - was aber nicht heißt, dass ich das auch nur im Entfernesten ähnlich sehe. Schließlich wird es einerseits darum gehen, dass möglichst viele Staaten in bezug auf die Energiewende an einem Strang ziehen - und nicht nur die realtuv wenigen großen, sondern auch die größere Anzahl, verhältnismäßig eher kleiner Staaten.

    Ich denke auch, dass sich die Schweiz geradezu anbietet, alternative Energien zu fördern. Und damit meine ich nicht nur Windenergie, sondern neue Energien allgemein. Gerade Teile der Südschweiz müssten eigentlich auch ausreichend Sonnenstunden aufweisen, um zumindest eine Eispeisung von Sonnenenergie ins Stromnetz attraktiv zu machen. Da die Schweiz auch ein verhältnismäßig bergiges Land ist, bietet sich insbesonders die Wasserkraft sicher an - aber wenn ich an den Fönwind denke, sicher auch Windenergie. Zumindest teilweise.

    Insofern kann ich zwar verstehen,warum alternative Energien noch nicht allzu stark vertreten sind. Das heißt aber nicht, dass das auch gut so sein muss.

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    "Across the Nile ... there are stars tonight."<br />
    - Amy Mac Donald <br />
    Lese gerade: http://www.starwars-union.de/literatur/Shadow_Games/0-345-51120-4/

  3. Tja, Windenergie ist halt so eine Sache... Saubere Energie finden alle toll. Aber das Windrad vor der eigenen Tür stehen haben will keiner. Das wirft schatten, brummt, verschandelt die Landschaft...

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  4. @Beat: Du hast schon Recht, dass Windräder so ihre Nachteile haben. Aber in den Bergen gibt es denke ich etliche Orte, wo Windräder keine Anwohner stören. So dicht besiedelt ist es da oben ja nicht ;-) In der Schweiz gibt es bisher grade mal einen einzigen "ernstzunehmenden" Windpark (im Jura). Ich meine da geht noch was...

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  5. In Deutschland wird zuviel Wind um die Windenergie gemacht und dann die Energie nicht abgenommen.

    Die Schweiz ist ein kleines, aber steiniges Land. Aus diesem Grund passen auch keine große Windparks in das Land. Die leitungen sind aufwändig zu verlegen und die Windpropeller verschandeln ebenso die Landschaft wie die Übelandleitungen, die Schneisen in die Natur nach sich ziehen.

    Die Energie sollte dort produziert werden, wo sie benötigt wird: Beim Verbraucher, auf Dächern von EFH und Gewerbebetrieben.

    Kleine Windgenratoren sind erprobt und bieten auch eine Speichermöglichkeit über Akkus, dazu reichen oft schon kostenfünstig wiederbelebte Altakkus von LKW's und Gabelstaplern aus.
    Die Fa. MRT-Wind aus dem Allgäu produziert Windsegel, die auf einem Drittel der Fläche von Propelleranlagen die 10fache Energie liefern. Die sind derart schick, dass sie zu Werbezwecken jetzt schon öfters in windarmen Gegenden nachgefragt werden und es schon einige ohne Generator gibt.

    Relativ neu ist die Umwandlung von Windstrom in Windgas, die Nutzung von Strom zur Erzeugung von Wasserstoff.
    Gegenüber großen Anlagen, kann die Energie von Kleinwindanlagen relativ schnell verbraucht werden.
    Ein Hersteller bietet erprobte Wasserstoffgeneratoren mit einem Faktor von bis zu 8 an(mit einem kWh Strom kann man z. b. die Ölheizung um 8kW entlasten). Der Wasserstoff wird einfach und problemlos der Verbrennungsluft zugeführt und soll 25% bei neueren Ölheizungen und bis knapp 50% bei älteren Anlagen an Heizöl einsparen.

    Alternativ kann ein kleiner Windgenrator auch kleine Wärmepumpen antreiben, mit denen die Keller belüftet und entfeuchtet werden und die dann mit einem Faktor von 4 - 5 (im Sommer) das Warmwasser bereiten. Alle anderen heizsysteme können dann in der unwirtschaftlich Phase im Sommer ausgeschaltet bleiben

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  6. @EnerGeizer:

    (Anmerkung in Klammern: Cooles Wortspiel mit deinem Nutzernamen! :=D:)

    [QUOTE]In Deutschland wird zuviel Wind um die Windenergie gemacht und dann die Energie nicht abgenommen. [/QUOTE]

    Ich kann manchmal etwas zu den geografischen Gegebenheiten beisteuern und dahingegend einige Gedanken äußern, allerdings weiß ich über die Nutzungssituation selber zu wenug Bescheid und würde daher gerne mehr erfahren.

    Woraus ziehst du diesen Schluss? Wie meinst du das, die Windenergei wird nicht abgenommen?

    [QUOTE]Die Schweiz ist ein kleines, aber steiniges Land. Aus diesem Grund passen auch keine große Windparks in das Land. Die leitungen sind aufwändig zu verlegen und die Windpropeller verschandeln ebenso die Landschaft wie die Übelandleitungen, die Schneisen in die Natur nach sich ziehen. [/QUOTE]

    Was du nicht vergessen darfst ist, dass die Schweiz auch ein relativ gebirgiges Land ist - was natürlich auch Auswirkungen auf die Situation als solche hat. Meines Wissens nach (bin mir aber nicht sicher) werden Windparks normalerweise eher im Flachland aufgebaut.

    Dennoch denke ich, dass die Schweiz aufgrund von Fallwinden dazu geeignet wäre, Windenergie zu gewinnen. Ich denke zwar nicht, dass es zu großen Parks wirklich großflächig den Platz gäbe - aber stellenweise könnte man schon ein paar Windräder aufstellen, um zumindest ein bisschen mehr Windenergie zu bekommen.

    Die Leitungen sind zwar aufwendig zu verlegen, aber ich denke, dass sich dies langfristig durchaus lohnen könnte - auch wenn der Kostenaufwand anfangs sicherlich horrend wäre. Das kann ich mir gut vorstellen.

    Landschaftsverschandlung...das ist auch so ein Thema für sich. Einerseits finde ich schon, dass die Neuerungen gewöhnungsbedürftig sind, aber man hat auch schon andere Sachen wie Telefonleitungen eingeführt, die ursprünglich auch die Landschaft verschandelt haben - aber langfristig hat sich keiner daran gestört.

    Außerdem, denke ich, ist es ganz klar eine Frage des Gewöhnens.

    [QUOTE]Die Energie sollte dort produziert werden, wo sie benötigt wird: Beim Verbraucher, auf Dächern von EFH und Gewerbebetrieben.[/QUOTE]

    Ich denke auch. Man braucht dan nicht so viel Leitungsmaterial und außerdem kann man sich den Platz großer Windparks sparen.

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    "Across the Nile ... there are stars tonight."<br />
    - Amy Mac Donald <br />
    Lese gerade: http://www.starwars-union.de/literatur/Shadow_Games/0-345-51120-4/

  7. [QUOTE=Byzantiner;1033]@EnerGeizer:

    (Anmerkung in Klammern: Cooles Wortspiel mit deinem Nutzernamen! :=D:)



    Ich kann manchmal etwas zu den geografischen Gegebenheiten beisteuern und dahingegend einige Gedanken äußern, allerdings weiß ich über die Nutzungssituation selber zu wenug Bescheid und würde daher gerne mehr erfahren. Was möchtest Du erfahren: vielleicht hilft Dir dieses Video zu vertikalen Windanlagen weiter: http://www.youtube.com/watch?v=T5VnoWJzuZ4&list=FLxrZuzisF8XZ13Unk-xUIIg&index=2&feature=plpp_video

    Woraus ziehst du diesen Schluss? Wie meinst du das, die Windenergei wird nicht abgenommen?
    Es Fehlt der Netzausbau, das ist derzeit das beherrschende Thema. Deswegen kann der Strom nicht weitergeleitet werden und in Helgoland wird ein Fernwärmekraftwerk damit betrieben.

    Was du nicht vergessen darfst ist, dass die Schweiz auch ein relativ gebirgiges Land ist - was natürlich auch Auswirkungen auf die Situation als solche hat. Meines Wissens nach (bin mir aber nicht sicher) werden Windparks normalerweise eher im Flachland aufgebaut.

    Weil die Dinger sich gegenseitig im Weg stehen. In den Bergen kann man mit helix-Rotoren auch die Termik nutzen, mit der das Segelfliegen möglich ist. Die Helix-Rotoren sind kleiner und treiben sich gegenseitig an: http://www.mrt-wind.com/cms/DE/Home/2.php

    Dennoch denke ich, dass die Schweiz aufgrund von Fallwinden dazu geeignet wäre, Windenergie zu gewinnen. Ich denke zwar nicht, dass es zu großen Parks wirklich großflächig den Platz gäbe - aber stellenweise könnte man schon ein paar Windräder aufstellen, um zumindest ein bisschen mehr Windenergie zu bekommen. Entlang von Autobahnparkpltzen und vor Bahnhöfen würden die unangenehmen Zugwinde genutzt
    Auf Hotels drehende Rotoren und eine Werbung für Migros oder McDonald mit beschrifteten oder beklebten Rotoren, das wäre eine ökologische Botschaft, Rotoren statt Fahnen!

    Die Leitungen sind zwar aufwendig zu verlegen, aber ich denke, dass sich dies langfristig durchaus lohnen könnte - auch wenn der Kostenaufwand anfangs sicherlich horrend wäre. Das kann ich mir gut vorstellen. Auf jedem Grundstück gibt es derart viele Energiequellen, dass eine Fernversorgung nur der Profiten der Versorger dient.

    Landschaftsverschandlung...das ist auch so ein Thema für sich. Einerseits finde ich schon, dass die Neuerungen gewöhnungsbedürftig sind, aber man hat auch schon andere Sachen wie Telefonleitungen eingeführt, die ursprünglich auch die Landschaft verschandelt haben - aber langfristig hat sich keiner daran gestört. Der Kölner sagt: wat mutt, dat mutt, aber Leitungen sind teuer und unötig. Für das Geld, was eine Stromleitung für ein Haus kostet, könnte man leicht eine Brennstoffzelle hinstellen, die mit Wind oder PV betrieben wird.


    Außerdem, denke ich, ist es ganz klar eine Frage des Gewöhnens.

    Die Großen Windräder führen wie alle Propeller oder Flügel zu Schattenwurf und sog. Stroboskopeffekten. Sie drehen sich sehr langsam, sollte man meinen. Aber an den Enden der Propeller entstehen Zentrifugalkräfte die wir noch als den Kettenläufen während der Schulzeit kennen. So ware nicht ohne Grund verboten.
    Das führt zu Eiswurf mit durchschlagenden Ergebnissen. Die Lichteffekte und die Geräuschentwicklung vertreibt ohnehin was da kreucht und fleucht. Dazu gehören auch Vögel, die z. T. vertrieben, z. T aber durch die Flügel erschlagen werden. Dagegen haben z. B. Mücken keine Ohren. Und können sich wie Milben und weitere Schädlinge ausbreiten wenn die Vögel fernbleiben.

    Kannst Dich gerne für einen Newsletter anmelden http://www.face-to-wind.at

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  8. Aber das liegt doch nur daran, dass die HGÜs noch fehlen?!?? Ausserdem sagst du doch später selbst, dass es Speichertechnologien wie Power to Gas gibt, wo der Windstrom als Wasserstoff gespeichert wird. So wird die Energie ja sehr wohl genutzt...

    Du hast schon Recht, wenn du schreibst, dass die Stromversorgung lieber dezentral erfolgen sollte. Aber ich glaube nicht, dass das reicht. Es wohnt schliesslich nicht jeder in einem Einfamilienhaus mit grosser Dachfläche für Solarstrom und Solarthermie. Und was ist im Winter, wenn der Strombedarf steigt und die Sonne nur kurz und wenig intensiv scheint? Wind als Ergänzung gibt es ja auch nicht immer...
    Also ich denke, es ist auf jeden Fall sehr sehr wichtig, individuelle Energiegewinnung voranzutreiben. Aber ich glaube nicht, dass wir ohne zentrale grossformatige Lösungen auskommen.

    Deshalb frage ich mich eben auch, warum die SChweiz nicht noch mehr auf Windparks setzt.

    Gruss Albü

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  9. Auch bei einem großflächigen Ausbau erneuerbarer Energien müssen Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen vorgehalten werden.
    Nur so kann eine Versorgungssicherheit DERZEIT gewährleistet werden. Aber das sind unwirtschaftliche Lösungen, wieaktuell die Preiserhöhungswelle z. B. in Deutschland zeigt.

    Besser ist es erst den Grundbedarf individuell und Privat auszubauen und abzusichern.

    Statt nach dem Staat rufen und die unkalkulierbaren Kosten mitzutragen, sollte man sein eigenes Geld ind die eigene Unabhängikeit investieren.

    Noch einmal am besipiel Deutschland: Wer die Hälfte des Stromes auf seinem Grundstück produziert und auch wer die Hälfte an Energie spart hat einen immer höher steigenden Vorteil gegeüber den Vollzahlern.

    Vielleicht produziert die Schweiz auch deshalb nicht mehr Windenergie, weil sie die Erfahrungen bei den Nachbarn mit in die eigenen Überlegungen einbezieht. UND weil die Schweiz eine Demkratie ist, wo die Bürger aktiv mitbestimmen.

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  10. Da sagst du es ja selbst: "Wer die Hälfte des Stromes AUF SEINEM GRUNDSTÜCK PRODUZIERT". Es leben aber viele Menschen in Städten in Wohnblocks - da gibt es nicht ausreichend Dachflächen um sie mit Solarpanels zuzubauen. Deshalb glaube ich, dass es ZUSÄTZLICH zu privaten erneuerbaren Energien auch grosse Windparks etc. braucht.

    Klar sind Kohlekraftwerke oder Atomkraftwerke "wirtschaftlicher", das heisst billiger. Aber wo das hinführt, wissen wir alle...

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