Werbung für Lebensmittel: «Jeder ist selbst verantworltich für eine gesunde Ernährung»

Seit Anfang 2013 gelten für die Schweiz neu die Regeln der EU bezüglich nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben in der Werbung. Slogans können trotzdem noch zu sehr in die Irre führen, sagt die Stiftung Konsumentenschutz. Experten vom Bundesamt für Gesundheit und der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung nehmen Stellung zu dem Vorwurf.

Werbung für Lebensmittel täuscht oft Gesundheit vor
Wie gesund ein Saft ist, kann man auf den ersten Blick oft nicht erkennen. Foto: George Doyle, Stockbyte, Thinkstock
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Lebensmittel dürfen schon seit längerem nur eingeschränkt mit nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben, so genannten Health Claims, beworben werden. So durfte bereits vor der Neuregelung nur noch «fettarm» oder «zuckerfrei» auf dem Produkt stehen, wenn das wissenschaftlich nachgewiesen auch so stimmte. Damit soll verhindert werden, dass Lebensmittel durch falsche Angaben dem Verbraucher vorspiegeln gesund zu sein.

Mit der Neuregelung seit Anfang 2013 hat die Schweiz die von der EU definierten über 200 Health Claims übernommen. Die Übernahme soll den Handel erleichtern, trägt aber auch zum übergreifend einheitlichen Schutz der Konsumenten bei. «Die Angaben dürfen nicht irreführend sein und müssen den Tatsachen entsprechen», erklärt dazu Sabina Helfer vom Bundesamt für Gesundheit (BAG). Das Problem dabei: Die Lebensmittelindustrie zeige laut Stiftung Konsumentenschutz (SKS) viel Einfallsreichtum, wenn es darum gehe, den Absatz ihrer Produkte zu steigern.

Neues Gesetz, aber noch viel Spielraum

Denn, so das Argument des SKS, gerade an Kinder gerichtete Lebensmittel würden immer noch häufig mit Slogans angepriesen werden, die mehr gesunde Zutaten vorspiegeln als eigentlich enthalten sind. So kritisiert die Stiftung unter anderem «Nimm 2» Lutscher von Storck, die mit den Worten «Fruchtsaft und Vitamine» beworben werden. Diese bestehen jedoch lediglich zu 1 Prozent aus konzentrierten Fruchtsäften, dafür aber zu mehr als 75 Prozent aus Zucker. Da die beworbenen Zutaten enthalten sind, wenn auch nur zu einem sehr kleinen Teil, widerspricht das Anpreisen damit nicht den gesetzlichen Regelungen.

Und genau deshalb ist die SKS nicht zufrieden mit den bisher eingeführten Gesetzen und fordert weitere Anpassungen. Denn für den Konsumenten machen es solche übertriebenen Angaben nicht unbedingt einfacher, beim schnellen Einkaufen ungesunde von gesunden Lebensmitteln zu unterscheiden. Das bestätigt auch dipl. Ernährungsberaterin HF Steffi Schlüchter von der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung SGE. «Es bedarf eines guten Grundwissens über Ernährung und die Zutaten in solchen Produkten, damit der Käufer ein Produkt korrekt beurteilen kann», erklärt sie und bietet gleichzeitig mögliche Lösungen für das Problem: «Diese Kompetenz zu schulen, ist ein Ansatz. Die Einführung eines Labels für besonders empfehlenswerte Lebensmittel wäre ein anderer.»

Sabina Helfer vom BAG bestätigt das Interesse der Konsumenten an den Lebensmittelkennzeichnungen. Und wer zum Beispiel Informationen zum Zuckergehalt eines Lebensmittels sucht, findet diese Angabe auch heute schon auf den meisten Packungen. Allerdings muss er dafür oft lange suchen. Im BAG laufen darum diverse Projekte, um die Informationen noch klarer und verständlicher zu gestalten. «Zum Beispiel ist vorgesehen, die Reihenfolge der Nährwertangaben zu ändern. Zukünftig sollen auf den ersten Blick jene Bestandteile ersichtlich sein, welche für die Gesundheit besonders relevant sind.» Und auch für die irreführenden Werbeslogans auf Lebensmitteln für Kinder sind schon verbesserte Regelungen vorgesehen: «Im neuen Lebensmittelgesetz ist ein Artikel geplant, welcher die Werbung an Kinder reguliert. Dieser Artikel befindet sich derzeit in der parlamentarischen Diskussion.»

Richtige Ernährung will trotzdem gelernt sein

Das Problem der richtigen Ernährung liegt jedoch auch nicht nur bei der Werbung, meint Steffi Schlüchter von der SGE. Sie trägt zwar eine Mitschuld, aber ein anderes, wichtiges Problem ist oft, dass von klein auf ein falsches Ernährungsverhalten erlernt wird. «Das Lebensmittelangebot zuhause obliegt der Verantwortung der Eltern», erklärt Schlüchter. «Der Staat kann leider nicht alles bis ins Detail regeln. Ansonsten kämen Vorwürfe über die  Bevormundung der Konsumenten auf.» Sabine Helfer vom BAG ist ebenfalls der Meinung, dass regulatorische Massnahmen nicht alle Probleme lösen können. Es liege ebenfalls in der Verantwortung der Verbraucher, sich ausgewogen und abwechslungsreich zu ernähren.

Interviews und Text: Bianca Sellnow

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