Pro und Contra der Vitaminpillen

Frisches Obst trägt zu einer gesunden Ernährung besser bei als Vitaminpillen.

Viel Obst ist meist besser für eine gesunde Ernährung als Vitaminpillen. Foto: Liv Friis-Larsen, iStock, Thinkstock

Die einen sagen, eine komplett ausgewogene Ernährung sei beim heutigen Lebensrhythmus in vielen Fällen schwierig. Sandra Bernaschina Moser, diplomierte Apothekerin von der Apothekenkette Coop Vitality, betont, immer häufiger werde aus Zeitmangel unterwegs gegessen und wenig auf Vitamine geachtet. «Deswegen ist es sinnvoll, zusätzliche Vitamine einzunehmen», sagt Bernaschina Moser. Die anderen lassen dieses Argument nicht gelten. So auch Gigia Mettler-Saladin, Ernährungspsychologische Beraterin und Präsidentin des Verbands Ernährungs-Psychologische Beratung Schweiz: «Bei uns ist es überhaupt kein Problem, an frische Lebensmittel zu kommen.» Wer sich ein Vitaminpräparat kaufen gehe, könne sich genauso ein paar Früchte besorgen. Wer ein Glas mit einer Brausetablette trinke, könne sich stattdessen ein Glas Frucht- oder Gemüsesaft eingiessen. «Ich lasse das Vitaminpräparat nur gelten, wenn wir in ein Land reisen, in dem die Nahrungsmittel-Versorgung und Hygiene nicht garantiert ist. Alles andere ist pure Faulheit», sagt sie und bezieht sich auf gesunde Erwachsene.

Mit Experten sprechen

Dass der Körper Vitamine braucht und diese durch die Nahrung aufgenommen werden müssen, ist unbestritten. Denn der Körper kann sie grösstenteils nicht selbst herstellen. Klar ist, dass jodiertes und fluoriertes Kochsalz in jedem Fall empfohlen wird, um den Bedarf an Jod und Fluor decken zu können. Zudem ist in speziellen Situationen, wie beispielsweise Schwangerschaft oder bei gewissen Krankheiten, eine zusätzliche Gabe von Vitaminen und Mineralstoffen in Absprache mit dem Mediziner sinnvoll.

Und dazu rät Shima Wyss-Yazdani vom Schweizerischen Verband diplomierter ErnährungsberaterInnen SVDE in Sursee in jedem Fall: «Denn nicht jeder braucht die gleiche Menge an Vitaminen.» Der Bedarf sei abhängig vom Geschlecht, Alter und dem Umweltzustand des Einzelnen. «So braucht ein Raucher ein Drittel mehr Vitamin C als ein Nichtraucher», sagt Wyss-Yazdani.

Zu viel des Guten

Vitamin C genauso wie andere wasserlösliche Vitamine werden bei einem Zuviel recht schnell über die Niere ausgeschieden. Individuelle Begleiterscheinungen inklusive. Die fettlöslichen Vitamine wie E, D, K, A können im Körper, meist in der Leber, gespeichert werden. Laut der Ernährungspsychologischen Beraterin Gigia Mettler-Saladin kann es hier also sehr wohl zu Überdosierungen kommen. «Dies ist durch herkömmliche Ernährung nicht zu erreichen. In Frage kommen aber hochdosierte Vitamingaben», sagt sie. Deshalb ist die Aufnahme von isolierten Vitaminen in Form von Kapseln oder Brausetabletten auch nicht immer risikolos.

Vitaminpillen sind kein Allheilmittel. Was Sie über Nahrungsergänzungsmittel wissen sollten, erfahren Sie hier kurz und prägnant.