@aniahimsa: «Ich will zeigen, dass das Spass macht»

Kaum eine Schweizer Influencerin motiviert Follower auf Instagram so sehr für einen nachhaltigen Lifestyle wie Anina Gepp. Was das mit ihrem Privatleben macht und wie wir andere Menschen für mehr Nachhaltigkeit begeistern können.

Anina Gepp gehört zu den beliebtesten Nachhaltigkeits-Influencerinnen der Schweiz
Anina Gepp macht Pause nach dem Bummel auf dem Wochenmarkt in Luzern. Foto © @aniahimsa
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Mal füllt sie im Unverpacktladen ihre Vorratsdosen auf, mal macht sie gemeinsam mit ihrem Freund Yoga-Übungen im Bett, oder giesst und zupft ihre Kräuter und Blumen auf dem Balkon. Ihre 66'000 Follower sind quasi live dabei, denn alles, was Anina Gepp alias @aniahimsa tut, wird auf Instagram festgehalten. Die 25-Jährige Influencerin bespielt Themen wie #veganschweiz, #zerowaste, #fairfashion, den #ecofriendly Lifestyle und natürlich #nachhaltigleben. Höchste Zeit für uns, die junge Dame auf einen Kaffee zu treffen!

Anina, kannst du eigentlich von deinen Posts auf Instagram Leben?

Anina Gepp: Ja, tatsächlich kann ich inzwischen gut vom Bloggen leben. Und ich erreiche viel mehr Menschen mit einem Thema das mich wirklich interessiert, als ich es bei Printmedien könnte.

Ist das nicht auch ein riesiger Druck, wenn du jedes Mal siehst, wie viele Likes du bekommen hast oder wenn mal ein Foto von dir nicht gut ankommt in der Community?

Da darf man sich nicht zu sehr hineinsteigern. Mir ist es viel wichtiger, dass ich das mache, was ich wirklich will.

Wo ziehst du die Grenze zu deinem Privatleben?

Das verfliesst sehr. Lange war Instagram mehr ein Hobby von mir, dann wurde es zum Beruf und so ein Profil lebt ja von der Person die dahinter steckt. Ich bin offline keine andere Person als online. Aber Freunde und Familie halte ich raus. Nur mein Freund Chris ist hin und wieder mit mir auf den Fotos zu sehen.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Ein Beitrag geteilt von Anina | vegan + eco lifestyle (@aniahimsa) am

Du hast seit zwei Jahren auch deinen eigenen Blog. Was war das Persönlichste, worüber du bisher geschrieben hast?

Das war meine Geschichte darüber, wie ich die Pille abgesetzt habe und meine Periode nicht mehr bekam. Da haben sich sicher einige gefragt, muss man darüber so persönlich schreiben? Aber es ist ein sehr relevantes Thema, über das viel zu wenig gesprochen und geschrieben wird.

@aniahimsa: Wie bist du auf deinen Insta-Namen gekommen?

Das sind eigentlich zwei Wörter. Ani von Anina und ahimsa aus dem Sanskrit steht für gewaltlos, gewaltfrei. Für mich als Veganerin bedeutet das auch, keine Gewalt gegen Tiere. Ich hatte aber auch schon Hotelbuchungen auf Ania Himsa, weil die Leute dachten, das sei mein Name.

Warum bist du Veganerin geworden?

Das war ein Prozess. Ich lebte erst lange vegetarisch und mit dem Auszug aus dem Elternhaus war für mich klar, dass ich ganz auf tierische Produkte verzichten möchte. Ich habe zu dieser Zeit sehr viele Studien, Fachartikel und Bücher gelesen. Irgendwann gab es kein Zurück mehr.

Viele Menschen leben vegan, weil sie nachhaltiger Leben wollen, kaufen dann aber Früchte aus Übersee wie Avocados oder Papayas und Ahornsirup aus Kanada. Wie sieht es in deinem Vorratsschrank aus?

Total bunt und vielfältig! Mir war es schon immer wichtig, regional und saisonal einzukaufen. Ich gehe zweimal die Woche auf den Wochenmarkt.  Im Winter gibt’s ja auch hierzulande mehr als nur Äpfel und Chabis (lacht)!

Veganismus ist nebst Zero Waste oder Eco-Fashion nur eines deiner Themen als Nachhaltigkeits-Influencerin. Was ist eigentlich deine Kernbotschaft?

Die ist sehr einfach: Jeder soll sein Bestes geben und Schritt für Schritt nachhaltiger leben. Ich will zeigen, dass das Spass macht und man eigentlich viel mehr gewinnt, als man meint, aufgeben zu müssen.

Ist es manchmal nicht einfach nur anstrengend, möglichst keinen Abfall mehr zu verursachen oder ohne gross zu überlegen, den Einkaufswagen zu füllen?

Am Anfang ist mir das schon schwergefallen, aber inzwischen kaufe ich praktisch alles unverpackt und das ist nicht anstrengend für mich, sondern einfach normal.

Du bist sehr konsequent. Wo liegt deine grosse Schwäche?

Definitiv beim Reisen. Alle Reisen, die mit dem Zug machbar sind, wie Berlin, Paris oder London mache ich mit dem Zug....

...Aber du reist auch viel mit dem Flugzeug. Im vergangenen Jahr nach Vietnam, in die USA und Schweden...

Ja und da komme ich tatsächlich in einen Clinch, weil es teils auch zu meinem Job gehört. Ich versuche aber diese Flugreisen Schritt für Schritt auf ein Minimum zu reduzieren und wenn ich dennoch Fliegen muss, zahle ich eine freiwillige CO2-Abgabe – ein schlechtes Gewissen habe ich natürlich trotzdem.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Ein Beitrag geteilt von Anina | vegan + eco lifestyle (@aniahimsa) am

Was ist für dich ein absolutes No-Go. Was macht dich wütend, wenn das andere machen?

Wenn schon die ganz simplen Dinge zu schwierig sind, wie eine eigene Wasserflasche dabeizuhaben und man unterwegs ständig neue Getränke in Pet-flaschen und Plastikbechern kauft. Oder beim Einkaufen immer noch für alles ein Plastiksäckli nimmt, statt eine eigene Tasche dabei zu haben.

Gehst du eigentlich auch an die Klimastreiks?

Ja, ich war zweimal mit dabei. Meine Kollegin und ich hatten auch ein Plakat dabei.

Was stand drauf?

Respect your Mother!

Wie motivierst du im echten Leben andere Menschen, nachhaltiger zu leben?

ich versuche, mit gutem Beispiel voran zu gehe. Für Freunde koche ich ein feines veganes Znacht oder wenn jemand in der Migros für ein einzelnes Rüebli ein Plastiksäckli nimmt, habe ich auch schon Rüebli genommen und gesagt: Ist doch genial, haben die eine so gute Schale, da braucht's gar kein Säckli. Da haben sich schon super Gespräche ergeben. Ich denke, man motiviert Menschen in seiner Umgebung auch unbewusst, indem man Dinge ganz selbstverständlich vorlebt.

Was sind die 3 wichtigsten To Do's, die du uns mit auf den Weg gibst?

Erstens: Nicht zu streng sein mit sich selber, sich Zeit geben und Schritt für Schritt vorgehen. Mit den ganz simplen Sachen beginnen.

Zweitens: Spass haben bei der ganzen Sache und das Ganze auch als Entdeckungsreise angehen.

Drittens: Sich vernetzen mit Leuten, die gleich denken, das macht Mut. Denn häufig fühlt man sich zuerst allein, wenn man mit weniger Müll und Plastik oder vegan leben will.

 

Hier geht's zum Blog Aniahimsa.

 

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