Von wegen Superfood – Wie gesund ist Kokosöl wirklich?

Kokosöl soll gesund sein und beim Abnehmen helfen. Doch das Image des angeblichen Superfoods bröckelt. Als «pures Gift» bezeichnet es eine deutsche Medizinerin und Professorin.

Kokosöl gesund oder ungesund? Welche Fettsäuren enthält Kokosöl?
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Mit ihren Statements zu Kokosöl hat die deutsche Medizinerin Karin Michels eine heftige Debatte ausgelöst.

Kokosöl sei so giftig und ungesund wie Schweineschmalz, sagt die Direktorin des Instituts für Prävention und Tumorepidemiologie am Uniklinikum Freiburg in ihrem Vortrag «Kokosöl und andere Ernährungsirrtümer». Das Referat, in dem es um angebliche Superfoods geht, wurde nach der Vorlesung auf Youtube veröffentlicht.

Grund dafür seien die ungesunden gesättigten Fettsäuren. Gemäss der schweizerischen Nährwertdatenbank des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen besteht Kokosfett zu knapp 86 Prozent aus gesättigten Fettsäuren.

Diese Fette stellen eine Gesundheitsgefahr dar, die durch Studien bereits belegt sei, wie Antje Gahl, Sprecherin der deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGS), gegenüber der Deutschen Nachrichten Agentur sagt. Solche Öle würden das Risiko für Herzkreislauferkrankungen steigern.

Kokosöl als Rekordhalter

Von allen tierischen und pflanzlichen Ölen weise Kokosöl den höchsten Gehalt an gesättigten Fettsäuren auf, sagt Ingrid Kiefer, Leiterin des Fachbereichs Risikokommunikation der Agentur für Ernährungs- und Lebensmittelsicherheit (Ages) gegenüber dem «Standtard.at»

Professorin entschuldigt sich

Für die Aussage, Kokosöl sei «pures Gift», die offenbar einigen Zuhörern sauer aufgestossen ist, hat sich Karin Michels später zwar entschuldigt.

Doch Michels erhält auch Rückendeckung aus Fachkreisen. So sagt etwa Jürgen König, Leiter des Departements für Ernährungswissenschaften an der Universität Wien, gegenüber dem «Standard.at»: «Ich verstehe den Hype um das Kokosöl nicht. Ihm werden positive Eigenschaften zugeschrieben, die mir nicht verständlich sind.» Es enthalte viele gesättigte Fettsäuren, von deren Konsum man eher abrate.

«Dennoch ist Kokosöl kein Gift, auch Schweineschmalz ist keines», sagt König weiter.

Wenn sich der Konsum von Kokosöl in Grenzen halte, sei der Genuss genauso in Ordnung wie der von Schweineschmalz.

Doch grundsätzlich empfeheln Ernährungsexperten zum Erhitzen beispielsweise Oliven-, Erdnuss- oder Rapsöl zu verwenden.

Der Haken mit den Fettsäuren

Laut dem deutschen Bundeszentrum für Ernährung beinhaltet Kokosöl bis zu 50 Prozent mittelkettige Fettsäuren, sogenannte MCT und davon zum grössten Teil Laurinsäure.

Mittelkettige Fettsäuren sind zwar gesättigte Fettsäuren, sie werden aber im Gegensatz zu langkettigen Fettsäuren leichter verdaut.

Zur Laurinsäure heisst es weiter: es werde vermutet, dass sie die Konzentration des gefässschützenden guten Cholesterins im Blut erhöhe. Ob Laurinsäure allerdings nur das erwünschte Cholesterin erhöhe oder auch das  schlechte Cholesterin, sei noch nicht abschliessend geklärt.

Gerade das schlechte LDL-Cholesterin beeinflusst jedoch das Herzinfarktrisiko. Auch das Bundeszentrum für Ernährung empfiehlt für den Einsatz in der Küche hochwertige pflanzliche Öle wie Oliven,- oder Baumnussöl.

Dennoch spreche nichts gegen die gelegentliche Verwendung von Kokosöl, heisst es abschliessend.

Folgt man den Argumenten der Ernährungsexperten ist Kokosöl sicher kein Superfood, als das gerne vermarktet und angepriesen wird.  

Wer gesund kochen möchte, sollte demnach weniger auf das exotische Kokosöl zurückgreifen. Gerade in der Schweiz gibt es ein grosses Angebot und eine gute Auswahl an verschiedenen gesunden Ölen.

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Autor: Sabina Galbiati, August 2018