Der SKS verhilft dem Konsumenten zu einem nachhaltigen Einkauf

Zusammen mit dem WWF und dem Tierschutz veröffentlichten Sie einen Ratgeber zu Lebensmittel Labels. Warum sollte man diesen Ratgeber vor dem Einkauf durchlesen?

Fast jedes Lebensmittel weist eine Auszeichnung auf, überall wird Mehrwert versprochen. Doch nur einige wenige Labels oder Auszeichnungen genügen tatsächlich den strengen Vorgaben und Kontrollen. Es ist also wichtig, dass man sich nicht durch «Schein»-Auszeichnungen blenden lässt, wenn man auf einen nachhaltigen Einkauf Wert legt.

Der Ratgeber gibt den bekannten Labels wie Max Havelaar oder Claro nur die Bewertung «empfehlenswert», dagegen schneiden Naturaplan oder Biosuisse mit «sehr empfehlenswert» ab. Wie kommt das?

Die Bewertung der Labels wurde nach den zwei wichtigen Kriterien «Umweltaspekte» sowie «soziale Kriterien» vorgenommen. Je nach Schwerpunkt des Labels wurden die beiden Kriterien unterschiedlich stark gewichtet. Wer sowohl bei Umwelt wie auch beim Sozialen punkten konnte, schnitt besser ab. Inzwischen bietet Max Havelaar die fair gehandelten Produkte auch in Bio-Qualität an. Diese Kombination ist natürlich ebenfalls «sehr empfehlenswert».

Im Lebensmittelbereich ist «Bio» geschützt und die Labels sind vertrauenswürdig. Dagegen bemängeln Sie, dass vor allem bei Kosmetikprodukten zwar «Bio» draufsteht, aber nicht drin ist. Wie kann der Konsument erkennen, ob die Ware den biologischen oder ökologischen Standards entspricht?

Den Kosmetikherstellern ist der Trend zu biologischen Produkten nicht entgangen. Bei der Kosmetika ist der Begriff «Bio» nicht geschützt und keinen strengen Auflagen unterworfen. So werben viele mit diesem Begriff. Doch ein Blick auf die Inhaltsstoffe zeigt dann oft, dass von «Bio» keine Rede sein kann. Leider fehlt in diesem Bereich noch ein vertrauenswürdiges Label. Vor allem im Biofachhandel findet man aber Bio-Kosmetik, welchen diesen Namen verdient.

Auch durch «Greenwashing» wird oft versucht, die Konsumenten zu täuschen. Wie können sich die Verbraucher davor schützen?

Das ist ein sehr schwieriges Feld. Mittlerweile wird dem Konsument selbst in der Autowerbung vermittelt, dass es eine Wohltat für die Natur sei, wenn man diese Marke oder jenes Modell wählt. Die Marketingabteilungen haben gemerkt, dass sich Produkte gut verkaufen lassen, wenn sie in Verbindung mit «Ökologie» geworben werden. Hier die Spreu vom Weizen zu trennen und ernst gemeinte Bemühungen von reinem Marketing zu unterscheiden, ist sehr schwierig.

Bei welchen Produkten achten Sie persönlich stets auf einen nachhaltigen Einkauf?

Bei allen Lebensmitteln, die wenig oder gar nicht verarbeitet sind, achte ich in erster Linie auf die beiden Punkte Regionalität und Saison. Bei der Bekleidung hilft mir der kleine Ratgeber «Fair Fashion». Diesen haben wir mit der «Erklärung von Bern» herausgegeben, um ein wenig Licht ins Dunkle zu bringen. Der Ratgeber liefert Informationen, wie fair Kleiderfirmen produzieren. In diesem Bereich gibt es jedoch noch viel Handlungsbedarf.

Und welche Artikel kaufen Sie auch mal ein, ohne darauf zu achten, ob die Ware fair gehandelt oder ökologisch hergestellt wurde?

Wie oben geschildert, ist es beim Kleider- und Schuhkauf kaum möglich, hinter die Kulissen zu schauen. Wahrscheinlich trage ich daher auch Bekleidung, die unter von mir nicht akzeptierten Umständen produziert wurde. Zudem hat das Hinterfragen nach Herkunft und Produktionsweise bei schnellen Fertigmahlzeiten während hektischen Arbeitstagen auch oftmals keinen Platz. In Gastro-Betrieben ist es leider oftmals so, dass die Deklarationspflicht schlecht umgesetzt wird. Darüber staune ich immer wieder. Da habe ich allerdings in der Regel genügend Zeit, um nach den wichtigen Angaben zu fragen.


Greenwashing: Als Greenwashing bezeichnet man Bemühungen von Unternehmen, sich ein zumeist nicht begründetes umweltfreundliches und verantwortungsbewusstes Image anzueignen. Versucht wird dies durch gezielte Werbekampagnen über umweltfreundliche oder soziale Leistungen, Aktivitäten oder Ergebnisse (Finanzierung von Projekten oder Initiativen). Die herausgehobenen Aktionen betreffen aber nur einen geringen Teil der Unternehmensaktivitäten. Das Kerngeschäft bleibt wenig nachhaltig.

 

Interview: Lea Schwer